Corona-Test an der Autobahn | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie Mehr Tests - mehr Neuinfektionen?

Stand: 13.08.2020 10:14 Uhr

Die Zahl der Neuinfektionen steigt in Europa. In Deutschland sei dies damit zu erklären, dass mehr getestet wird - so ist es in vielen Kommentaren zu lesen. Doch nicht nur die Zahl der Testungen steigt.

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

In den vergangenen Tagen sind die erfassten Corona-Neuinfektionen deutlich gestiegen. Am Donnerstag meldete das Robert Koch-Institut mehr als 1400 Fälle. Das RKI schreibt in seinem Lagebericht von einer ernsten Situation, die Fälle stiegen kontinuierlich. Zwischenzeitlich hatte es zahlreiche Landkreise gegeben, die fast gar keine Fälle übermittelten. Es komme aber derzeit wieder zu einzelnen Ausbruchsgeschehen, warnt das RKI.

Die Entwicklung sorgt - wenig überraschend - für viele Diskussionen im Netz. Viele Menschen zeigen sich besorgt über die steigenden Zahlen, andere sind wütend auf aus ihrer Sicht rücksichtsloses Verhalten oder Urlaubsrückkehrer. Andere meinen, die Lage werde dramatisiert; die Zahl der Neuinfektionen steige lediglich, weil mehr getestet werde.

Kapazitäten werden ausgebaut

Tatsächlich steigt die Zahl der Testungen. Die Kapazität wird seit Monaten ausgebaut, zudem gibt es mittlerweile eine Testpflicht für Urlauber, die aus Risikogebieten zurückkehren.

KalenderwocheKapazität pro TagVom RKI erfasste LaboreKapazität pro Woche*
11 / 9. bis 15. März711528nicht erhoben
15 / 6.bis 13. April116.655132nicht erhoben
20 / 11. bis 16. Mai157.1501341.038.223
25 / 15. bis 21. Juni166.4451381.099.355
30 / 20. bis 26. Juli177.6871451.182.599
33 / 10. bis 16. August183.9771511.220.992
* anhand von Arbeitstagen

Die Kapazität ist nicht gleichbedeutend mit der Zahl der tatsächlich durchgeführten Testungen. Doch auch diese Zahl ist deutlich gestiegen, wie die wöchentlichen Angaben des RKI zeigen: Von etwa 350.000 pro Woche im März auf mittlerweile weit mehr als 600.000 pro Woche. Dabei ist zu beachten, dass viele Personen mehrfach getestet wurden, die Zahl der Testungen entspricht also nicht der Zahl der getesteten Personen.

KalenderwocheTestungen pro WochePositiv getestetRate in %
11 / 9. bis 15. März127.45775825,9
15 / 6.bis 13. April380.19730.7918,1
20 / 11. bis 16. Mai432.66672331,7
25 / 15. bis 21. Juni387.48453091,4
30 / 20. bis 26. Juli570.68144640,8
32 / 02. bis 09. August*672.17169091,0
*Zahlen für KW33 liegen noch nicht vor.

Positiv-Rate erst gesunken, nun wieder steigend

Im März lag die Rate der positiven Tests, die eine Infektion anzeigten, besonders hoch. Zum einen gab es weniger Testungen, zum anderen wurden die begrenzten Kapazitäten sehr zielgerichtet eingesetzt für Menschen, die Symptome zeigten. Zudem habe es zu Beginn der Pandemie in Deutschland verschiedene lokale Schwerpunkte gegeben, wie Experten betonen.

Besonders auffällig ist, dass die Zahl der positiven Teste nach einem Höchststand Anfang April mit fast 37.000 in der Kalenderwoche 14 kontinuierlich sank - was Expertinnen und Experten als Effekt der Schutzmaßnahmen und Kontaktbeschränkungen sehen. Anfang Juli lag die Positiv-Rate dann bei nur noch 0,6 Prozent. Zum einen wurde mehr gestestet, zum anderen gab es weniger Neuinfektionen.

Dieser Trend hat sich mittlerweile umgedreht. Es wird zwar noch mehr getestet, auch weniger zielgerichtet, dennoch steigt nicht nur die Zahl der positiv erfassten Tests, sondern auch die Rate - auf aktuell rund 1,0 Prozent.

Zahlen in Relation setzen

Die Diskussion zeigt, dass einzelne Zahlen in Relation zu anderen Werten gesehen werden müssen. Die höhere Zahl der erfassten Neuinfektionen kann nicht allein mit der höheren Zahl der Testungen erklärt werden. Zudem werden in anderen europäischen Staaten ebenfalls mehr Neuinfektionen erfasst, was ebenfalls dafür spricht, dass sich das Infektionsgeschehen erhöht hat. Aber auch die Zahl der registrierten Infektionen allein reicht nicht, um das Ausbruchsgeschehen differenziert zu erfassen.

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