Ein möglicher Corona-Impfstoff wird in einem britischen Labor in eine Ampulle injiziert. | REUTERS

Anhörung in den USA Was darf die Corona-Impfung kosten?

Stand: 22.07.2020 17:11 Uhr

Noch ist das Rennen um einen Corona-Impfstoff in vollem Gange. In den USA wird schon jetzt wird darüber diskutiert, wie hoch die Kosten sein werden - und welchen Profit die beteiligten Firmen machen werden.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

24 Impfstoffe gegen das Coronavirus befinden sich aktuell in klinischen Tests. Arzneimittelkonzerne, Forschungseinrichtungen, Universitäten und das chinesische Militär befassen sich damit - mit unterschiedlichen Ansätzen. Alle Beteiligten arbeiten daran, dass Impfstoffen nach erfolgreichen Tests so schnell wie möglich eine Zulassung erteilt werden. Doch wer trägt die Kosten - und wer profitiert vom Verkauf der möglicherweise Milliarden von Impfdosen?

Wulf Rohwedder
Aktuell in der klinischen Phase befindliche Corona-Impfstoffe
Impftyp Entwickler
Inaktivierte Viren Sinovac
Inaktivierte Viren Wuhan Institute of Biological Products/Sinopharm
Inaktivierte Viren Beijing Institute of Biological Products/Sinopharm
Vektor-Viren University of Oxford/AstraZeneca
Vektor-Viren CanSino Biological Inc./Beijing Institute of Biotechnology
Protein-basiert Anhui Zhifei Longcom Biopharmaceutical/ Institute of Microbiology,Chinese Academy of Sciences
RNA Moderna/NIAID
DNA Inovio Pharmaceuticals/ International Vaccine Institute
DNA Osaka University/ AnGes/ Takara Bio
DNA Genexine Consortium
DNA Cadila Healthcare Limited
Inaktivierte Viren Bharat Biotech
Inaktivierte Viren Institute of Medical Biology, Chinese Academy of Medical Sciences
Protein-basiert Novavax
Protein-basiert Kentucky Bioprocessing, Inc
RNA BioNTech/Fosun Pharma/Pfizer
Vektor-Viren Gamaleya Research Institute
Protein-basiert Clover Biopharmaceuticals Inc./GSK/Dynavax
Protein-basiert Vaxine Pty Ltd/Medytox
Protein-basiert University of Queensland/CSL/Seqirus
RNA Imperial College London
RNA Curevac
RNA People's Liberation Army (PLA) Academy of Military Sciences/Walvax Biotech.
Vektor-Viren Medicago Inc.

Fünf der größten beteiligten Firmen - AstraZeneca, Johnson & Johnson, Moderna, Merck and Pfizer, nahmen jetzt in den USA in einer Anhörung dazu Stellung - und äußerten sich sehr unterschiedlich dazu: "Wir werden unseren Impfstoff nicht zum Selbstkostenpreis verkaufen", erklärte Julie Gerberding von Merck gegenüber dem Unterausschuss des Repräsentantenhauses. Ähnlich äußerte sich Moderna-Chef Stephen Hoge. Beide Firmen wollten sich jedoch nicht auf einen konkreten Preis festlegen.

Subventionen und Profit?

Die Ankündigung von Moderna, beim Impfstoffverkauf nicht auf Profit zu verzichten, kommt umso überraschender, da das Unternehmen 483 Millionen Dollar Staatsbeihilfen für die Entwicklung eines Impfstoffes erhalten hatte. Zudem stieg der Aktienpreis des Unternehmens nach der Ankündigung der Impfstoffentwicklung massiv an. AstraZeneca und Johnson & Johnson wurden ebenfalls mit Subventionen aus Washington bedacht, sagten in der Anhörung aber zu, die Impfstoffe zum Selbstkostenpreis zur Verfügung zu stellen.

Die US-Regierung schuf inzwischen Fakten - und unterzeichnete mit den Unternehmen Pfizer und Biontech einen Vertrag, laut dem die Firmen bis zum Jahresende 100 Millionen Impfdosen für 1,95 Milliarden Dollar liefern (1,68 Milliarden Euro) - mit einer Option für 500 Millionen weitere Einheiten. Die Vereinbarung wurde getroffen, obwohl der klinische Test noch nicht abgeschlossen ist und keine Zulassung vorliegt.

Pfizers Chief Business Officer John Young hatte zuvor erklärt, dass man sich bewusst gegen die Annahme von Subventionen entschieden habe, um den eigenen Impfstoff schnell in die Testphase bringen zu können. Auf Profite wolle man nicht verzichten, dabei aber im Rahmen bleiben: "Wir erkennen an, dass dies außergewöhnliche Zeiten sind und unser Preis dies widerspiegeln wird", sagte Young in der Anhörung.

Schon jetzt weite Preisspanne erkennbar

Hat der Pfizer-Biontech-Deal Bestand, würde eine Einzeldosis die US-Regierung 16,80 Euro kosten. AstraZeneca-Chef Pascal Soriot hatte zuvor dem französischen Radiosender RTL gesagt, dass sei Unternehmen plane, bis Ende des Jahres einen Coronavirus-Impfstoff weltweit zum Selbstkostenpreis auf den Markt zu bringen. Eine Einheit soll demnach für 2,50 Euro verkauft werden.

Wie viele Impfdosen überhaupt benötigt werden, kann indes noch nicht ermittelt werden: Noch ist nicht klar, wie viele Einheiten für eine Immunität notwendig sind, zudem ist offen, wie viele Menschen geimpft werden wollen und welche möglichen Gegenanzeigen es gibt.

Update von 31. Juli: Laut einem Bericht der "Financial Times" plant Moderna, den Impfstoff in den USA und anderen "Hocheinkommensländern" für 50 bis 60 US-Dollar (42 bis 51 Euro) pro Einheit zu verkaufen. Der Vorstandsvorsitzende Stéphane Bancel wollte das nicht bestätigen und erklärte lediglich, der Pries würde so gestaltet werden, dass ein breiter Zugang gewährleistet sei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Juli 2020 um 16:36 Uhr in der Sendung "Forschung aktuell".

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
fathaland slim 22.07.2020 • 22:59 Uhr

22:00, Anna-Elisabeth

>>Ich kann mich auch noch gut an die Schluckimpfung erinnern, fand in der Schule statt. Ein Onkel von mir hatte Kinderlähmung und hat sein Leben lang gehinkt. Auch seine unkontrollierten Wutausbrüche wurden als Folge der Erkrankung gesehen.<< Ein enger Freund meiner Großmutter konnte ein Bein so gut wie gar nicht benutzen. Und im Kinderhort (so hieß das damals, war so was ähnliches wie eine Kita) gab es ein Kind, das mit Krücken und Schienen daherkam.