Polizeiabsperrungen sind am am Hanauer Heumarkt zu sehen, wo mehrere Menschen ums Leben gekommen waren. | Bildquelle: dpa

BKA zu Hanau Verwirrung um Täter-Analyse

Stand: 31.03.2020 17:21 Uhr

Das Bundeskriminalamt habe die Tat von Hanau als nicht rassistisch eingestuft - das wird zumindest in einigen Medien und Kommentaren im Netz behauptet. Tatsächlich spricht das BKA sehr wohl von einer rassistischen Tat.

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Berichte über eine BKA-Analyse zum Täter von Hanau sind teilweise irreführend zitiert worden. Die "Bild"-Zeitung veröffentlichte die Schlagzeile "Kein rassistisches Motiv bei den Morden von Hanau". AfD-Politiker kritisierten, die Tat von Hanau sei instrumentalisiert worden, um Stimmung gegen die Partei zu machen. Alexander Gauland forderte eine Entschuldigung und sprach von einem "Abschlussbericht des Bundeskriminalamts". Die ehemalige CDU-Abgeordnete Erika Steinbach twitterte, das BKA habe in dieser Sache eine eindeutige Stellungnahme vorgelegt.

Tatsächlich hat das BKA bislang überhaupt keinen Abschlussbericht fertig gestellt. Vielmehr hatten NDR, WDR und SZ über Einschätzungen des Bundeskriminalamts zu Tobias R. berichtet. Auf Basis solcher Analysen entsteht dann ein Abschlussbericht, der aber noch nicht vorliegt.

Tat und Täter werden analysiert

Für einen solchen Bericht wird sowohl die Tat an sich, aber auch der Täter analysiert. Dabei kamen Ermittler nach Informationen von NDR, WDR und SZ zu dem Schluss, der Täter sei kein klassischer Rechtsextremist. Diese Einschätzung basiert auf Auswertungen von Dokumenten, Daten auf Computer und Handy sowie Zeugenaussagen. Das Weltbild von Tobias R. ist offenkundig stark von Verschwörungstheorien geprägt, mit denen er auch persönliche Misserfolge versuchte zu erklären.

Dies sind die Einschätzungen zur Person des Täters. Es steht aber - auch für das BKA -  vollkommen außer Frage, dass es sich bei dem Anschlag in Hanau um eine rassistische Tat handelte. Tobias R. habe seine Opfer aus rassistischen Überlegungen ausgewählt, heißt es. Er orientierte sich sozusagen an den vorherigen rechtsextremen Anschlägen, da diese eine große öffentliche Reaktion ausgelöst hatten und der Rechtsterrorismus als größte Bedrohung derzeit eingestuft wird. Er stellt seine Tat in eine Reihe mit den Anschlägen von Kassel und Halle.

BKA: rassistische und rechtsextreme Tat

Das BKA bekräftigte auf Twitter noch einmal, dass es von einer rassistischen und rechtsextremen Tat ausgehe. Die Tatbegehung erfolgte aus rassistischen Motiven, erklärte BKA-Präsident Holger Münch auf Twitter.

Auch der Rechtsextremismus-Experte Matthias Quent meint, der Täter von Hanau sei "sicher kein typischer, Klischees entsprechender 'Rechtsextremer'. Die Opferauswahl der Tat, die davon ausgehende Propaganda und Botschaften sind aber völlig unzweifelhaft rassistisch".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. März 2020 um 17:00 Uhr.

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