Annalena Baerbock | dpa
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Baerbocks Lebenslauf Das Netz vergisst nicht

Stand: 07.06.2021 15:02 Uhr

Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock hat ihren Lebenslauf "angepasst". Zuvor waren Berichte über ungenaue oder falsche Details aufgetaucht. In Webarchiven lassen sich solche Änderungen nachvollziehen.

Von Patrick Gensing, Redaktion ARD-faktenfinder

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat in ihrem Lebenslauf im Internet Angaben zu Mitgliedschaften in Organisationen "angepasst". Sie hatte dort noch am Donnerstag unter anderem die Transatlantik-Stiftung German Marshall Fund und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR aufgeführt. Inzwischen wurde die Seite geändert, die Überschrift lautet statt "Mitgliedschaften" nun "Beiräte, (Förder-)Mitgliedschaften, regelmäßige Unterstützung".

Darunter wird jetzt ein Förderprogramm des German Marshall Fund genannt und die UN-Flüchtlingshilfe als deutscher Partner des UNHCR. Beim ebenfalls bereits vorher aufgelisteten Europa/Transatlantik-Beirat der Heinrich-Böll-Stiftung wird nun vermerkt, dass Baerbock inzwischen ausgeschieden ist. Die Änderungen hatte ein "FAZ"-Journalist auf Twitter öffentlich gemacht.

Ein Grünen-Sprecher teilte am Samstag mit, Baerbock habe das Fellowship-Programm des German Marshall Funds 2011 absolviert. Für die UN-Flüchtlingshilfe spende sie seit 2013 regelmäßig. "Dieses wurde nun durch Ergänzung von Kategorien präzisiert."

screenshot von der website gruene.de | Grüne

Die neue Kategorie auf der Seite von Annalena Baerbock. Bild: Grüne

Ergänzungen zum Studium

In den Angaben zu ihrer Ausbildung verweist Baerbock inzwischen zudem darauf, dass sie ihr Studium der Politischen Wissenschaften an der Universität Hamburg lediglich mit dem Vordiplom beendet hat. Zuvor hatte sie nur die Studienzeit von 2000 bis 2004 genannt, ohne auf den Abschluss einzugehen. Später erwarb sie den unveränderten Angaben auf ihrer Website zufolge an der renommierten London School of Economics den Abschluss "Master of Laws". Eine Promotion in Völkerrecht hat sie nicht abgeschlossen - dies ist in ihrem Lebenslauf allerdings auch bereits seit dem vergangenen Jahr vermerkt - wie gespeicherte Versionen im Web-Archiv zeigen.

Unzutreffend ist der Vorwurf, Baerbock sei nicht mehr - wie angegeben - Mitglied des "Potsdamer Solarvereins", da dieser angeblich nicht mehr existiere. Tatsächlich ist der Verein eingetragen, wie Registerauskünfte zeigen, und Baerbock soll dort auch weiterhin Mitglied sein, wie der Vorsitzende auf Twitter betonte.

Web-Archive dokumentieren Seiten

Änderungen in dem Online-Lebenslauf lassen sich durch Abfragen in Webarchiven nachvollziehen. So hat beispielsweise die "Waybackmachine" seit April 2019 fast 70 mal den Stand der Grünen-Seite mit Baerbocks Lebenslauf dokumentiert. Damit lassen sich aber nicht sämtliche Änderungen verfolgen, die die Grünen zuletzt vorgenommen haben.

Allerdings lässt sich nachvollziehen, dass es die Grünen offenbar versäumt haben, eine einheitliche Version des Lebenslaufs von Baerbock auf verschiedenen Seiten zu veröffentlichen. So berichtet die "Welt", die Grünen hätten die Ortsangabe Brüssel bei Baerbocks Tätigkeit bei einer EU-Abgeordneten erst jetzt entfernt, weil die Kanzlerkandidatin nicht nur in Brüssel, sondern auch von Deutschland aus tätig gewesen sei. Dies bezieht sich auf die Seite gruene.de/leute/annalena-baerbock. Auf der Wahlkampfseite Annalena-Baerbock.de ist die Ortsmarke Brüssel hingegen gar nicht zu finden gewesen, wie die "Waybackmachine" dokumentiert.

Pannen im Wahlkampf

Die Grünen hatten nach der Kür von Baerbock als Kanzlerkandidatin viel Lob für den professionellen Ablauf eingefahren - im Gegensatz zu dem Streit zwischen Armin Laschet und Markus Söder in der Union. Danach meldete die Partei eine Eintrittswelle. Solche Wellen haben Experten zufolge zumeist nur einen kurzfristigen Effekt.

Die Korrekturen an Details in dem Online-Lebenslauf sind für Baerbock die zweite Panne - nach dem Fehler bei der Meldung von Nebeneinkünften. Ob diese Vorkommnisse den Ausgang der Wahl im September beeinflussen werden, erscheint weitestgehend ungewiss. In Sachsen-Anhalt konnte die Partei zumindest nicht so sehr zulegen, wie die Spitze gehofft hatte.

Wie machen es die anderen Kandidaten?

Im Gegensatz zu Baerbock veröffentlicht SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz auf seiner Wahlkampfseite keinen tabellarischen Lebenslauf mit Mitgliedschaften. Unionskandidat Armin Laschet führt hingegen verschiedene auf. Hier die Lebensläufe auf den Kampagnenseiten von Armin Laschet, Olaf Scholz sowie Annalena Baerbock.