Donald Trump | Bildquelle: REUTERS

Hintergrund Trump und der Rassismus

Stand: 15.01.2018 14:35 Uhr

Er sei kein Rassist, sagte US-Präsident Trump wenige Tage nach dem stark kritisierten "Drecksloch"-Vergleich. Doch die Liste rassistischer Äußerungen Trumps ist lang: Schon im Wahlkampf zielte er immer wieder auf Mexikaner, Haitianer und andere. Eine Auswahl.

Von Wolfgang Wichmann, tagesschau.de

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US-Präsident Donald Trump ist nicht zimperlich bei der Wahl seiner Worte. Das ist auch Teil seiner Erfolgsgeschichte auf dem Weg in das Weiße Haus. Doch eine abfällige Bemerkung über Haiti, El Salvador und afrikanische Staaten rückte ihn nun einmal mehr in den Fokus: Als "Drecksloch-Länder" (Englisch: "shithole countries") soll Trump die Staaten bezeichnet haben.

Als Trump nun gestern zu einem Abendessen in einem Golfclub in Florida erschien, sagte er einem Reporter, er sei kein Rassist: "Ich bin die am wenigsten rassistische Person, die Sie jemals interviewt haben. Das kann ich Ihnen sagen." Dabei sind rassistische Äußerungen Trumps keine Seltenheit. Immer wieder trafen beleidigende Worte in den vergangenen Monaten Schwarze, Mexikaner oder die Bewohner diverser armer Inselstaaten.

"Die haben alle Aids"

Erst im Juni 2017 unterstellte Trump laut einem Bericht der "New York Times" den Haitianern, sie hätten "alle Aids". Bei derselben Veranstaltung äußerte sich Trump demzufolge abfällig über Nigerianer: 40.000 Nigerianer seien ins Land gekommen, sagte Trump demnach: Wenn die erst einmal die USA gesehen hätten, würden sie "nie mehr zurück in ihre Hütten" gehen.

Auch das Green-Card-Programm, das Menschen per Losverfahren ein Aufenthaltsrecht in den USA möglich macht, kritisierte Trump pauschal. 50.000 Menschen pro Jahr erhalten bislang durch das Programm Visa - in den meisten Fällen profitieren Personen afrikanischer Nationen. Trump sagte dazu: "Sie schicken uns die schlimmsten der schlimmen Leute: Glückwunsch, du darfst in die USA."

"Rauswerfen oder Sperren"

Regelmäßig bedient Trump mit seinen Äußerungen rassistische Ressentiments: So stellte sich Trump eindeutig gegen schwarze Football-Profis, die beim Abspielen der Landeshymne demonstrativ knieten oder sitzen blieben. Diese wollten ein Zeichen setzen gegen die zunehmende Brutalität der amerikanischen Polizei gegenüber Schwarzen. "Rauswerfen oder Sperren", twitterte Trump.

Menschen mit eindeutig rassistischem Verhalten nimmt der US-Präsident in Schutz: So sorgte beispielsweise Trumps Amnestie für Sheriff Joe Arpaio für Aufsehen. Arpaio hatte in seiner Amtszeit mit rassistischen Methoden das Gesetz gebrochen. Trump nannte den Mann öffentlich einen "amerikanischen Patriot", der Arizona "sicher gemacht" habe.

Nach Bluttat in in Charlottesville: "Auch gute Leute dabei"

Auch im Streit um das Erbe einstiger Nationalhelden stellte sich Trump klar auf eine Seite: Er unterstützte in dem Konflikt die Forderungen von Neonazis, indem er die Entfernung von Südstaaten-Denkmälern kritisierte.

Als in Charlottesville bei Protesten eine junge Frau von einem Faschisten mit dem Auto überfahren und getötet wurde, stellte sich Trump auf die Seite der Rechten: "Da waren auch gute Leute dabei", sagte er auf einer Pressekonferenz - ohne den Täter und das rassistische Gedankengut der Gleichgesinnten klar zu verurteilen. Kurz danach wiederholte er seine relativierende Aussage, wonach "beide Seiten" schuld an den Ausschreitungen gewesen seien: "Es gab auf der einen Seite eine Gruppe, die schlimm war, und es gab auf der anderen Seite eine Gruppe, die ebenfalls sehr gewalttätig war", sagte Trump. Von einem Tabubruch war danach die Rede.

Flüchtlinge aus Syrien: "junge und kräftige Männer"

Über Flüchtlinge aus Syrien hatte Trump bereits im Wahlkampf - trotz anderslautender Statistiken - gesagt, es handele sich überwiegend um junge, kräftige Männer: "Wenn sie hier sind, werden sie zurückgehen müssen, weil wir uns nicht auf das Glück verlassen können. Schaut man sich die Einwanderer an, so sind es junge, starke Männer. Wir können uns nicht auf das Glück verlassen, ob die Menschen, die hierher kommen, mit dem 'Islamischen Staat' zu tun haben, oder nicht."

Trump über Mexikaner: "Vergewaltiger und Kriminelle"

Schon bei der Bekanntgabe seiner Bewerbung für die republikanische Präsidentschaftskandidatur hatte Trump alle Einwanderer aus Mexiko pauschal verurteilt: Er nannte sie Vergewaltiger, Drogendealer und Kriminelle. Wörtliche sagte Trump damals: "Mexiko schickt uns nicht die Besten. Es schickt Menschen, die viele Probleme haben. Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger. Und manche, nehme ich an, sind gute Leute."

Der Sender NBC beendete daraufhin die Zusammenarbeit mit Donald Trump. Gemeinsam mit dem Sender NBC hatte Trump zuvor die Realityshow "The Apprentice" und die Schönheitswettbewerbe "Miss USA" und "Miss Universe" produziert. Das Unternehmen teilte mit:

Respekt und Anstand sind die Eckpfeiler unseres Wertesystems. Wegen der verbalen Entgleisungen gegen Einwanderer kündigen wir die Geschäftsbeziehung mit Mr. Trump.

"Lieber Zuwanderer aus Norwegen"

Auf dem Weg ins Amt des US-Präsidenten schadete ihm seine Aussage dagegen nicht. Und für Flüchtlinge aus Ländern mit überwiegend weißer Hautfarbe würde Trump offenbar die Tore leichter öffnen: Nach einem Treffen mit Ministerpräsidentin Erna Solberg sagte er Berichten zufolge, die USA sollten lieber mehr Zuwanderer aus Norwegen aufnehmen.

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