Polizei am Tatort in Dayton, Bundesstaat Ohio, USA | Bildquelle: AP

Täter von Dayton Linksextrem und frauenfeindlich?

Stand: 06.08.2019 18:48 Uhr

Weil die US-Behörden bislang noch kein Motiv für den Amoklauf in Dayton nennen können, schießen die Spekulationen ins Kraut. Was wissen wir über den Täter, der in Dayton neun Menschen erschoss?

Von Andrej Reisin, NDR

Die ermittelnden US-Behörden können nach wie vor kein konkretes Motiv für den Amoklauf des 24-jährigen Connor Betts benennen, der am frühen Sonntagmorgen in Dayton im US-Bundesstaat Ohio neun Menschen erschoss - darunter seine eigene Schwester - und 27 weitere verletzte.

Politisch linksgerichtet

Doch viele US-Medien berichten mittlerweile über die biographischen Hintergründe des Schützen: So beinhaltete sein Twitter-Profil unter anderem die Angaben, dass er "Anime-Fan, Metalhead und Linker" sei - und "zur Hölle fahre und nicht zurückkomme". Er re-tweetete verschiedene linksgerichtete Inhalte, unter anderem unterstützte er die demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders und Elizabeth Warren.

Zudem teilte er auch linksextremistische Tweets, die beispielsweise dazu aufriefen, Fahrzeuge der amerikanischen Immigrationsbehörde zu zerstören - und teilte eine Liste von Mitarbeitern der Behörde, mit einem indirekten Aufruf, diese zu schädigen. Auf eine tatsächliche politische Aktivität gibt es jenseits seiner Wahbeteiligung aber bislang keine Hinweise.

US-Reaktionen auf die Massaker vom Wochenende in El Paso und Dayton
tagesschau 20:00 Uhr, 05.08.2019, Jan Philipp Burgard, ARD Washington

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Schon in der Schule verhaltensauffällig

Bekannte und ehemalige Mitschüler haben Betts nicht vornehmlich als linken Aktivisten in Erinnerung. Zwar habe er schlecht über Republikaner geredet, vor allem aber sei er ein Einzelgänger und Frauenhasser mit erheblichen psychischen Problemen gewesen. Eine ehemalige Freundin sagte der "Washington Post", Betts habe sie nachts angerufen, um ihr weinend von "Stimmen in seinem Kopf" zu berichten, die ihm "dunkle, böse Dinge" einflüsterten. Belästigt habe er sie aber nicht.

Gewalttätig aber nicht rassistisch

Andere ehemalige Klassenkameradinnen berichten hingegen, er habe ihnen "unzählige" Nachrichten auf Messaging-Dienste geschickt, viele davon mit bedrohlichen Inhalten. Mehrere Mitschüler erzählten zudem übereinstimmend, dass er "Rape"- und "Kill"-Listen geführt habe, mit Frauen, die er vergewaltigen und Männern, die er umbringen wollte. Laut anderer Aussagen könnten auf den "Kill"-Listen sowohl Männer als auch Frauen gestanden haben. Ein weiterer Bekannter sagte laut "USA Today", Betts habe bei einem Sommercamp eine Freundin gewürgt. Eine rassistische Komponente wurde von keinem der ehemaligen Mitschüler und Freunde erwähnt.

Schulbehörde verweigert die Auskunft

Umstritten ist, inwieweit Betts damals aufgrund seiner Drohungen und Verhaltensauffälligkeiten von der Schule suspendiert wurde. Mehrere Mitschüler behaupten dies, die Schule und die Schulbehörde wollten das aufgrund der Persönlichkeitsrechte nicht kommentieren.

Einige der Zeugen sagten auch, dass Betts Verhalten damals auch der Polizei bekannt gewesen sei. So sagte eine ehemalige Cheerleaderin dem Sender CBS, sie habe damals von der Polizei einen Anruf erhalten mit dem Hinweis, dass sie auf einer von Betts' Listen stehe - und dass er längere Zeit nicht in der Schule gewesen sei.

Keine relevanten polizeilichen Einträge

Der Chef der Polizei von Dayton, Richard Biehl, sagte: "Nichts in der Vergangenheit von Connor Betts hätte ihn davon abhalten können, eine Schusswaffe zu erwerben." Außerdem warne er davor, zehn Jahre alte Vorfälle als Indiz für die aktuelle Tat zu werten. Die Entdeckung der Listen hatte 2012 zwar zu einer Polizeiermittlung geführt, die auch in der örtlichen Presse bekannt wurde. Laut Lokalzeitungen war nach Bekanntwerden des Fundes fast ein Drittel der Schüler Zuhause geblieben. Doch aufgrund seines jugendlichen Alters wurden entsprechende Einträge in Betts Jugendstrafakte mit dem Erreichen des 23. Lebensjahres offenbar automatisch gelöscht. Der Polizeichef von Sugarcreek, zu dessen Bezirk die ehemalige Schule von Betts gehört, gab an, außer einem Eintrag wegen eines Verkehrsdelikts läge nichts gegen ihn vor.

Extrem frauenfeindliche Heavy-Metal-Spielart

In den Fokus geraten ist außerdem eine Metalband namens "Menstrual Munchies" (etwa: Menstruations-Heißhunger), in der Betts spielte. Sie gehört einem Untergenre namens "Pornogrind" an, das extrem pornographische und frauenverachtende Texte, kombiniert mit Horror-Bildern, zum Inhalt hat. Eines ihrer Alben trägt den Titel "6 ways of female butchery" ("6 Arten Frauen zu zerschneiden").

Andere Musiker distanzieren sich

Viele der in der Subkultur aktiven Mitglieder distanzierten sich von Betts Tat, sein Bandkollege Jesse Creekbaum ist seitdem dabei, sämtliche Spuren der Band im Netz zu löschen, wie er "Vice News" sagte: "Ich möchte, dass alle Anbieter diese Sachen runternehmen. Ich will nicht, dass irgendwas davon romantisiert wird, ich möchte nicht, dass er romantisiert wird. Ich möchte, dass er aus den Geschichtsbüchern gestrichen wird." Er habe zu keinem Zeitpunkt gedacht, dass Betts die Texte der Band und des Genres ernstnehmen könnte.

Auch die Band "The Acacia Strain" (die allerdings nicht zum Pornogrind-Genre gehört) distanzierte sich von Betts, weil dieser bei seiner Tat einen ihrer Kapuzenpullover getragen haben soll. "Was sich in Dayton ereignet hat, ist abscheulich. Mir wird schlecht beim Gedanken, dass der Schütze einen unserer Hoodies getragen hat", so Frontman Vincent Bennett. Die Band wolle die Opfer unterstützen, wenn sie dies könne.

"Wir werden es vielleicht nie erfahren"

Polizeichef Biehl sagte der Presse am Montag, die Polizei wisse noch nicht einmal mit Sicherheit, ob Betts seine Schwester absichtlich getötet habe. "Es erscheint unglaublich, das er seine eigene Schwester erschießen würde. Gleichzeitig ist es aber auch schwer zu glauben, dass er sie nicht erkannt haben könnte", so Biehl.

Ein politisches oder rassistisches Motiv habe die Polizei bisher nicht finden können. "Wir werden es vielleicht nie erfahren."

Täter von Dayton im politisch extrem linken Lager verwurzelt?
Torben Ostermann, ARD Washington
06.08.2019 19:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. August 2019 um 20:00 Uhr.

Autor

Andrej Reisin, NDR Logo NDR

Andrej Reisin, NDR

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