Eisham Bibi bei Papst Franziskus (Archiv)  | Bildquelle: twitter

Asia Bibi in Pakistan Stimmungsmache gegen Christin

Stand: 12.11.2018 13:49 Uhr

In Pakistan wird der Streit über Asia Bibi durch Falschmeldungen zusätzlich angeheizt. Im Netz kursieren Fotos, die die Christin bei einem Papstbesuch zeigen sollen. Doch die Bilder sind alt.

Von Wolfgang Wichmann, ARD-faktenfinder

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Wolfgang Wichmann, tagesschau.de

In Pakistan wird weiter heftig über das Schicksal von Asia Bibi gestritten. Die Christin und Mutter von vier Kindern steht im Fokus der mehrheitlich muslimisch geprägten Bevölkerung, seit der höchste Gerichtshof des Landes Ende Oktober ein Todesurteil gegen sie aufhob. Gegen die Entscheidung gab es landesweit Proteste. Vor acht Jahren war sie wegen wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilt worden.

Wütende Demonstranten erreichten schließlich durch Straßenblockaden und Proteste eine neue Vereinbarung zwischen Islamisten und der Regierung: Sie schreibt fest, dass Asia Bibi das Land nicht verlassen darf, bis die Entscheidung des Obersten Gerichts des Landes noch einmal überprüft wurde. Die Lage beruhigte sich daraufhin etwas.

Fotos aus dem Vatikan

Doch nun sind Fotos in den sozialen Netzwerken aufgetaucht, die Bibi angeblich außer Landes zeigen - ein krasser Verstoß gegen die jüngst erzielte Vereinbarung. Verbreitet werden die Bilder - die Bibi im Beisein von Papst Franziskus im Vatikan zeigen sollen - insbesondere bei Facebook und Twitter. Die Schlagzeile dazu lautet: "Papst Franziskus begrüßte heute Asia Bibi im Vatikan. (Breaking News) Schande über die Regierung Pakistans."

Wie das pakistanische Informationsministerium mitteilte, wurden die Bilder von mehreren lokalen Journalistengruppen weiterverbreitet. Sie fanden sich aber auch auf dem Profil eines Medienkonzerns und einer Polizeieinheit.

Eisham Bibi bei Papst Franziskus (Archiv) | Bildquelle: Twitter
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Dieses Foto kursiert bei Twitter und soll angeblich Asia Bibi im Vatikan zeigen. Das stimmt nicht. Auf der Jacke der Frau ist deutlich ein weißer Hase zu erkennen.

Eisham Bibi bei Papst Franziskus (Archiv)
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Dieser Hase findet sich auf diesem Bild der Agentur AP wieder. Es zeigt tatsächlich die Tochter von Asia Bibi, Eisham Bibi, im Vatikan am 24. Februar 2018.

Alte Fotos der Tochter

Eines der Fotos zeigt eine junge Frau im Beisein von Papst Franziskus in einem geschlossenen Raum. Auffällig ist ihre rosafarbenes Jacke mit einem weißen Hasen darauf. Das andere Foto zeigt offenbar dieselbe junge Frau, die dem Papst unter freiem Himmel gegenüber steht. Die junge Frau trägt dabei dabei ein weiß-rotes Oberteil.

Eisham Bibi bei Papst Franziskus (Archiv) | Bildquelle: picture alliance / AP Images
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Dieses Foto zeigt laut Angaben von AP den Mann und die Tochter von Asia Bibi im Vatikan im April 2015.

Beide Bilder sind nicht aktuell und zeigen auch nicht Asia Bibi selbst, wie eine Überprüfung durch den ARD-faktenfinder ergab. Eine Rückwärtsbildersuche und weitere Recherchen führen zu dem Ergebnis, dass das Bild im Inneren bereits am 24. Februar 2018 entstand. Die Agentur AP schreibt zu dem Bild: "Papst trifft Verwandte von Asia Bibi im Vatikan."

Das zweite Foto ist ebenfalls alt und stammt laut Agentur aus dem Frühjahr 2015: "Papst Franziskus trifft den Ehemann der pakistanischen Christin Asia Bibi, die wegen Blasphemie von einem pakistanischen Gericht verurteilt worden ist", lautet die AP-Bildbeschreibung. Zu sehen sind demnach "Ashiq Masiq und deren Tochter Eisham" nach dem Ende der wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz im Vatikan am 15. April 2015.

"Es könnten Menschen getötet werden"

Der pakistanische Informationsminister Fawad Chaudry verurteilte die Verbreitung von falschen Informationen mithilfe dieser Bilder scharf. Bibi und ihre Familie hätten sich stets unschuldig verhalten und den Propheten nie beleidigt: "Wegen solcher falschen Postings könnten Menschen getötet werden", sagte Chaudry.

Er verwies dabei auf Todesdrohungen gegen einen von Bibis Anwälten: Fazal Khan von der pakistanischen Partei Tehreek-e-Insaf stamme aus einer sehr konservativen Region im Nordwesten des Landes. Man sei mit Facebook und Twitter im Gespräch, so Chaudry, um die Weiterverbreitung dieser Falschbehauptungen zu stoppen.

Deutschland zu Aufnahme bereit

Asia Bibi | Bildquelle: AFP
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Asia Bibi würde gerne in Deutschland Asyl beantragen. Deutschland sei grundsätzlich zur Aufnahme bereit, teilte die Bundesregierung mit.

Mit dem Schicksal von Bibi sind inzwischen auch deutsche Behörden befasst: Sie hatte über ihren Anwalt mitgeteilt, gerne in Deutschland Asyl beantragen zu wollen. Nach Angaben der Bundesregierung ist Deutschland grundsätzlich bereit, Bibi aufzunehmen. Einige europäische Länder seien einer Aufnahme gegenüber "aufgeschlossen", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts. "Dazu gehört auch Deutschland." Die Bundesregierung sei mit der pakistanischen Seite im Gespräch, fügte die Sprecherin hinzu. Mit Rücksicht auf Bibis Persönlichkeitsrechte könne sie aber nichts Näheres ausführen.

Bibis Ehemann Ashiq Masih hatte die USA, Großbritannien und Kanada darum gebeten, seiner Frau und der Familie zur Ausreise aus Pakistan zu verhelfen und ihnen Asyl zu gewähren. Auch andere Länder, darunter Frankreich und Italien, boten ihre Hilfe an.

Todesstrafe auf Blasphemie

Muslimische Nachbarn hatten die Mutter von vier Kindern beschuldigt, sich abschätzig über den Islam geäußert zu haben. Für solche Vergehen sieht das pakistanische Blasphemie-Gesetz die Todesstrafe vor. Allein der Vorwurf schürt in Pakistan heftige Emotionen. In zahlreichen Fällen wurden Beschuldigte von aufgebrachten Mobs zu Tode geprügelt.

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