Screenshot von Iran Press

Angriff auf US-Stützpunkte Wenig Fakten, viel Fälschung

Stand: 08.01.2020 16:47 Uhr

Zum Raketenangriff auf die US-Militärbasis im Irak gibt es eine Vielzahl von Falschmeldungen. Insbesondere zur Illustration wurden oft Fotos verwendet, die woanders aufgenommen wurden - sofern sie nicht komplett gefälscht waren.

Von Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Der iranische Angriff auf US-Stützpunkte im Irak gibt Anlass zu zahlreichen Spekulationen - zumal es kaum verlässliche Informationen zu Ausmaß und Auswirkungen gibt. Die wenigen Bilder, die es dazu gibt, sind schwer verifizierbar. Einige lassen sich jedoch schnell als falsch erkennen:

So nutzte der Sender Fox 2 Detroit - wie viele andere Nachrichtenseiten und Twitter-Nutzer auch - zur Illustration ein Foto des US-Angriffs auf den iranischen General Soleimani am 3. Januar 2019, ohne dies zu kennzeichnen:

Ein Bild des "Iran Journals" zeigt den Angriff auf Stellungen der Hamas in Gaza aus dem vergangenen Jahr, das von einem AFP-Fotografen aufgenommen wurde:

Die Agentur Iran Press ging sogar so weit, einen Screenshot aus Google Earth zu manipulieren:

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Vergleich Google und Iranpress

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Verändern Sie die Darstellung durch Bewegen des Bildschiebers.

Die vom russischen Staat finanzierte Nachrichtenseite Sputnik News zeigt zwar den Start einer iranischen Rakete - dieser fand allerdings 2017 statt und war gegen die IS-Terrormiliz in Syrien gerichtet:

Der republikanische US-Abgeordnete Paul Gosar twitterte in dem Konflikt bereits am 6. Januar ein gefälschtes Foto, das den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama mit dem iranischen Staatsoberhaupt Rouhani zeigen soll. Der Kommentar dazu: "Die Welt ist ein besserer Ort ohne diese beiden Typen an der Macht" - obwohl Rouhani sehr wohl noch im Amt ist.

Das Bild ist eine Fälschung, die bereits seit Jahren im Netz kursiert: Auf dem Original waren statt Rouhani der ehemalige indische Ministerpräsident Singh Manmohan Singh sowie statt der iranischen die indische Flagge zu sehen. Zudem hat Obama auf dem echten Foto fünf statt sechs Finger an der linken Hand. Gosar wurde auf das falsche Foto hingewiesen, weigert sich aber, es zu zu löschen, weil die Aussage stimme - und auch niemand behauptet hätte, dass es nicht manipuliert sei:

Erdbeben fand tatsächlich statt

Tatsächlich stattgefunden haben dagegen zwei Erdbeben nahe der iranischen Atomanlage Buschehr. Diese wurden auch von der US-Erdbebenwarte registriert. Das Epizentrum lag 50 km von dem Reaktor entfernt - nach Medienangaben sollen die Erschütterungen auch an der Anlage zu spüren gewesen sein. Berichte über Schäden an der Atomanlage gibt es bisher nicht.

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