Der Erbe des italienischen Diktators Mussolini, Ciao Giulio Cesare, spricht auf seiner Wahlkampagne für die Europawahl. | Bildquelle: REUTERS

Nachfahren des Diktators Zwei Mussolinis wollen ins EU-Parlament

Stand: 10.05.2019 09:29 Uhr

Sie tragen einen der schwersten Namen der italienischen Geschichte: Mussolini. Ein Ur-Enkel und dessen Cousine treten bei der EU-Wahl an - und machen sich ihren Namen dabei sogar zunutze.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Es sei an der Zeit, sagt Caio Giulio Cesare Mussolini. Er hat sich entschieden, für das Europaparlament zu kandidieren.

"Ich bringe mich ein, nachdem ich 15 Jahre lang meiner Nation als Marineoffizier gedient habe und für wichtige italienische Unternehmen im Ausland gearbeitet habe. Jetzt trete ich als Kandidat für das Europaparlament an, um nach Europa zu gehen und dort die Interessen Italiens zu schützen."

Der Kandidat Mussolini ist ein Ur-Enkel des Diktators und Hitler-Verbündeten Benito Mussolini. Über den Faschismus sagt Mussolini junior: "Ich denke, dass der Faschismus eine wichtige Zeit der italienischen Geschichte gewesen ist, die noch vertiefend von den Historikern untersucht werden muss. Aber ich denke, dass nach über 80 Jahren der Moment gekommen ist, nach vorne zu schauen."

Einen schweren Namen selbstbewusst tragen

Caio Giulio Cesare Mussolini tut dies in der Partei "Fratelli d'Italia" ("Brüder Italiens"), der Nachfolgeorganisation der Nationalen Allianz und des neofaschistischen MSI.

Seinen Nachnamen verwendet er im Wahlkampf ganz selbstbewusst. "Scrivi Mussolini" ("Schreib Mussolini") heißt es in seiner Werbekampagne. Auf seinen Wahlplakaten steht außer dem Parteisymbol nur groß: "Mussolini". Dies gefalle, meint der 50 Jahre alte Kandidat, auch wenn er sagt:

"Mussolini ist auch heute noch ein Name, der schwer zu tragen ist. Das ist nicht einfach. Aber ich habe immer versucht, den familiären Aspekt vom historischen Aspekt zu trennen."

Tatsache ist, dass Benito Mussolini für die italienische Rechte bis heute eine Ikone geblieben ist. Eine kollektive Aufarbeitung des Faschismus hat es im Nachkriegs-Italien nie wirklich gegeben. Gegen faschistische Symbolik, wie Mussolini-Porträts auf Weinflaschen, geht die italienische Justiz traditionell eher lasch vor.

Auf Weinflaschen in Italien sind die Konterfeis von Hitler, Mussolini oder Lenin zu sehen. | Bildquelle: dpa
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Glorifizierung des Faschismus ist Italien noch häufiger zu finden.

Eine zweite Mussolini steigt in die EU-Wahl ein

Ein Problem für Politik-Neueinsteiger Caio Giulio Cesare ist, dass er nicht der einzige Mussolini im Europawahlkampf ist. Für die Berlusconi-Partei "Forza Italia" tritt seine Cousine Alessandra Mussolini an. Die droht schon mal per Radiointerview allen, die ihren Opa Mussolini beleidigen, mit einer Klage - "wegen Verherrlichung des Antifaschismus", begründet Alessandra: "Das historische Urteil kann man nicht diskutieren, da hat jeder seins. Aber was Anderes sind die Fotos und Beleidigungen, die ich täglich auf Twitter und Facebook erhalte. Ich habe Urteile gefunden, dass Nachkommen dagegen vorgehen können, wenn die Erinnerung an den Verstorbenen betroffen ist. Dann können sie Strafanzeige stellen."

Der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat Alessandra Mussolini seit Jahren in seiner Partei. Auch weil er weiß, welche Wirkung ihr Nachname auf die rechte Wählerklientel in Italien hat.

Alessandra Mussolini sitzt im italienischen Parlament | Bildquelle: REUTERS
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Auch Alessandra Mussolini hat sich für die Europawahl aufgestellt.

Profitiert Salvini vom Mussolini-Duell?

Bei der Europawahl vor fünf Jahren schrieben bei den sogenannten Präferenzstimmen mehr als 80.000 Forza-Italia-Wähler den Namen Mussolini auf den Stimmzettel. Alessandra zog dank dieser Präferenzstimmen ins Europäische Parlament ein.

Jetzt, vermuten viele, könnte der Sieger im Rennen zwischen den beiden Mussolinis Lega-Führer Matteo Salvini heißen. Auch wenn Caio Giulo Cesare betont: "Salvini kommt historisch nicht von der Rechten. Seine Partei ist eine populistische Partei, die viele klassische Themen der Rechten, der wirklichen Rechten, kopiert."

Unter anderem in Süditalien aber haben rechtsextremistische Kleingruppen bereits deutlich gemacht: Sie würden in der Europawahl Salvini unterstützen.

Der doppelte Mussolini: Rechter Europawahlkampf in Italien
Jörg Seisselberg, ARD Rom
10.05.2019 08:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2019 um 07:38 Uhr.

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