Fahrgäste steigen auf einem Bahnsteig im Hauptbahnhof in Köln aus ihrem Zug.

Öffentlicher Nahverkehr Deutschlandticket soll ab Januar 63 Euro kosten

Stand: 18.09.2025 18:23 Uhr

Der Preis des Deutschlandtickets im Nahverkehr soll im kommenden Jahr auf 63 Euro im Monat steigen. Das haben die Verkehrsminister der Länder auf ihrer Konferenz beschlossen. Hintergrund ist ein Finanzstreit mit dem Bund.

Der Preis des Deutschlandtickets im Nahverkehr soll im kommenden Jahr von derzeit 58 Euro auf 63 Euro im Monat steigen. Darauf einigten sich die Verkehrsminister der Länder auf ihrer Sonderkonferenz in München, wie anschließend bekanntgegeben wurde.

Zu Jahresbeginn war der Preis des Tickets bereits von 49 Euro auf 58 gestiegen. Das Deutschlandticket gibt es seit Mai 2023. Es wird nach Branchenangaben von rund 14 Millionen Menschen genutzt und ermöglicht bundesweit Fahrten im öffentlichen Regional- und Nahverkehr.

Finanzstreit zwischen Bund und Ländern

Hintergrund der erneuten Preiserhöhung zum 1. Januar 2026 ist ein Finanzstreit zwischen Bund und Ländern. Knackpunkt bei den Verhandlungen war die Frage, wie erwartete Mehrkosten der Verkehrsunternehmen ausgeglichen werden sollen - über die drei Milliarden Euro pro Jahr hinaus, die Bund und Länder bisher zusammen bereitstellen und auch für das kommende Jahr geben wollen. Sowohl der Bund und die Länder tragen jeweils 1,5 Milliarden Euro bei.

Das Deutschlandticket ist im Vergleich zu bisherigen Abos günstiger, das sorgt für Einnahmeausfälle. Ohne eine "Dynamisierung" der drei Milliarden Euro von Bund und Ländern drohe bereits 2026 eine massive Finanzierungslücke von prognostizierten 800 Millionen Euro, hatte Alexander Möller, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), gesagt.

Kritik an Bund wegen Koalitionsvertrag

Vor der Verkehrsministerkonferenz hatten Länderminister der Bundesregierung die Schuld an einer Preiserhöhung gegeben. So sagte die rheinland-pfälzische Verkehrsministerin Katrin Eder (Grüne), der Bund löse seine Versprechen aus dem Koalitionsvertrag nicht ein. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD heißt es zum Deutschlandticket, der Anteil der Nutzerfinanzierung solle ab 2029 schrittweise und sozialverträglich erhöht werden.

Allerdings stehen Vorhaben im Koalitionsvertrag generell unter Finanzierungsvorbehalt. In der Finanzplanung des Bundes klaffen Milliardenlücken. Auch die Länder wollten nicht mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr geben. Den Preis für das Ticket setzt die Verkehrsministerkonferenz (VMK) der Länder fest. Der Bund ist Gast. Formell beschlossen wird die Erhöhung dann noch im Bundesrat. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) war bei den Gesprächen in München nicht dabei, er wurde von einem Staatssekretär vertreten.

Mechanismus soll Preis ab 2027 regeln

Ab 2027 soll der Preis des Deutschlandtickets anhand eines bis zur Verkehrsministerkonferenz im Herbst 2025 zu erarbeitenden Kostenindexes gebildet werden. Einfluss finden sollen zum Beispiel Lohn- und Energiekosten. Die Nutzer und Verkehrsunternehmen hätten dann Klarheit, sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). Der Bund sei bereit, für das Ticket bis 2030 gesichert 1,5 Milliarden Euro pro Jahr zur Verfügung zu stellen.

Stefan Schnorr, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, sprach von einem guten Tag. Es gebe Klarheit, dass das Ticket dauerhaft Bestand habe. Der Bund habe die Mittel für die kommenden Jahre zugesagt, trotz knapper Kassen. Zur Finanzierung werde es keine Hängepartie mehr geben.

Auch Bundesverkehrsminister Schnieder zeigte sich froh, dass es nun Sicherheit und Verlässlichkeit gebe. "Durch die langfristige Absicherung bis 2030 eröffnen sich große Chancen." Dies gelte etwa auch für mehr vergünstigte Jobticket-Angebote für Beschäftigte in Unternehmen.

Kritik an Milliarden für die Pendlerpauschale

Von der Allianz Pro Schiene hieß es, die Preiserhöhung werde viele Menschen vor den Kopf stoßen und kaum zu steigenden Abozahlen führen. "Es ist bedauerlich, dass Bund und Länder darauf beharren, ihren Anteil nicht zu erhöhen." Es sei schwer zu vermitteln, warum der Bund zusätzliche Milliarden für eine Erhöhung der Pendlerpauschale bereitstelle - aber die Lücke beim Deutschlandticket nicht schließen wolle.

Die Verbraucherzentralen sprachen von einem gebrochenen Versprechen und einer Enttäuschung für die Nutzer.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. September 2025 um 15:32 Uhr.