Im Innerstädtischen Gymnasium Rostock IGS findet ein Englisch-Leistungskurs der 12. Klassen statt. | Bildquelle: dpa

ifo-Bildungsbarometer Mehr Einheitlichkeit gewünscht

Stand: 02.09.2020 10:05 Uhr

Das Durcheinander bei der Bildung will laut ifo-Bildungsbarometer eine Mehrheit der Menschen in Deutschland beenden. Demnach gibt es einen großen Wunsch nach bundeseinheitlicheren Regeln. Mit einer Ausnahme.

Ob dreigliedriges Schulsystem oder Abiturprüfungen nach acht beziehungsweise neun Jahren: Bildung ist Ländersache. Das Grundgesetz erlaubt eine unterschiedliche Ausgestaltung der Bildung durch die einzelnen Bundesländer. Die sogenannte Kultushoheit gilt als beinahe unantastbarer Kern des Föderalismus.

Gegen das "Jeder-Macht-Seins Prinzip"

Doch dieser Bildungsföderalismus sollte nach Meinung vieler Bürger ein Auslaufmodell sein. Das ifo-Institut hat für sein diesjähriges Bildungsbarometer mehr als 10.000 Menschen zwischen 18 und 69 befragt, wie sie zum Bildungsföderalismus stehen. Danach sprach sich eine Mehrheit gegen das Jeder-Macht-Seins Prinzip der einzelnen Länder aus.

60 Prozent der Befragten sind dafür, dass die wichtigsten bildungspolitischen Entscheidungen vom Bund und nicht von den Ländern gefällt werden. Nur 24 Prozent sprachen sich dagegen aus, dass der Bund hier entscheidet. Auffällig ist, dass dieses Ergebnis noch deutlicher wurde, je mehr Informationen die Befragten zu dem komplexen Thema erhielten. Die Studie hat einer zufällig ausgewählten Teilgruppe über die Bedeutung der Frage noch mehr Hintergrund-Informationen gegeben, bevor die Teilnehmer nach ihrer Antwort gefragt wurden. So wurde ihnen noch erklärt, warum es etwa in Deutschland unterschiedliche Schulsysteme etwa bei den Lehrplänen oder den Schulformen gibt. Bei dieser Teilgruppe waren sogar 66 Prozent für eine stärkere Beteiligung des Bundes.

Vor allem bei Unis soll der Bund mitreden

In den unterschiedlichen Bereichen wächst der Wunsch nach einer einheitlichen Regelung je weiterführender die Bildungseinrichtung ist. Sind es bei der Kindertagesbetreuung nur 19 Prozent, die hier sich hier größeren Einfluss des Bundes wünschen, sind es bei den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen schon 42 Prozent. Bei den Universitäten ist der Wunsch für ein größeres Mitspracherecht des Bundes am größten: 53 Prozent.

Vergleichbarkeit von Schulleistungen besonders wichtig

Die Experten des ifo-Instituts bewerten es als besonders schwierig, die einzelne Schülerleistung in den Bundesländern miteinander vergleichbar zu machen. "Unregelmäßige Durchführung von Vergleichstests, erschwerter Datenzugang und wenig koordinierte Prüfungssysteme führen dazu, dass die verfügbaren Informationen für qualifizierte Vergleiche in der Bildungspolitik in den einzelnen Ländern kaum nutzbar sind", heißt es in der Studie. Dabei wünsche sich eine überwältigende Mehrheit von 88 Prozent, dass diese Vergleichbarkeit gegeben ist. 54 Prozent wollen daher einheitliche Lehrpläne und rund 50 Prozent sind für ein gemeinsames Abitur.

Schub für mehr Zusammenarbeit?

Zur Zeit deutet sich keine politische Mehrheit für eine weitreichende Änderung der grundgesetzlichen Zuständigkeitsregeln ab. Schon alleine die Finanzhilfe über fünf Milliarden Euro im Digitalpakt Schule hatte zu heftigen Kontroversen im Bundestag und Bundesrat geführt.

Allerdings könnten die Ergebnisse die politische Diskussion um eine zumindest abgestimmtere Zusammenarbeit der einzelnen Länder neuen Schub geben. In der Diskussion ist ein gemeinsamer nationaler Bildungsrat und ein gemeinsamer Bildungsstaatsvertrag der Länder. Immerhin könnten so, ähnlich wie beim Rundfunk, ein für alle Bundesländer abgestimmtes Regelwerk für mehr Einheitlichkeit sorgen. Etwas weniger verbindlich wäre eine gemeinsame Ländervereinbarung. Die Kultusministerkonferenz arbeitet geraden an einem Entwurf.

In der ifo-Studie gibt es übrigens nur einen Bereich, bei dem mehrheitlich keine Vereinheitlichung erwünscht war: bei den Sommerferien. Nur 28 Prozent sprechen sich dafür aus, 64 Prozent möchten lieber nicht mit dem gesamten Bundesgebiet in die Ferien starten.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 02. September 2020 um 12:02 Uhr.

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