Wirbelsturm "Amphan" hat das Festland mit viel Wind und Regen erreicht. | dpa

Zyklon in Indien und Bangladesch Mindestens 22 Tote durch "Amphan"

Stand: 21.05.2020 09:41 Uhr

Mit viel Regen und Wind ist Zyklon "Amphan" in Indien und Bangladesch auf Land getroffen. Mindestens 22 Menschen starben. Mehr als drei Millionen Menschen waren in Notunterkünfte geflüchtet.

Wirbelsturm "Amphan" hat in Indien und Bangladesch mindestens 22 Menschen das Leben gekostet. Der Zyklon hatte das Festland am Mittwoch mit viel Wind und Regen erreicht. Mehr als drei Millionen Menschen waren den Behörden zufolge in Notunterkünfte gebracht worden. Laut dem indischen meteorologischen Dienst ist "Amphan" einer der schlimmsten Stürme in der Region der vergangenen 20 Jahre. Der Wind habe bis zu 185 km/h erreicht.

Sturm wütet weiter

In weiten Teilen der 15-Millionen-Einwohner-Stadt Kalkutta im Nordosten Indiens fiel der Strom aus. Der Flughafen der Stadt war völlig überflutet, es gab umgestürzte Strommasten und umgekippte Autos, wie Fernsehbilder zeigten. Ein Augenzeuge sagte dem Fernsehsender NDTV: "Viele Gebiete sind verwüstet und es gibt keine Wasserversorgung. In unserem Dorf hat dieser schreckliche Sturm alles flach gemacht."

Im Tagesverlauf am Donnerstag wurden der indischen Meteorologiebehörde und dem Katastrophenschutz zufolge weitere heftige Regenfälle, Gewitter und Sturmböen erwartet.

Der Sturm sollte weiter über Bangladesch ziehen und sich später Richtung Norden nach Bhutan bewegen. Die Corona-Pandemie macht die große Evakuierung noch schwieriger als sonst. Um Abstand zu gewährleisten, stellten Behörden beider Länder nach eigenen Angaben mehr Notunterkünfte zur Verfügung als sonst bei solchen Stürmen. Es würden etwa leerstehende Schulen genutzt. Doch mehr Gebäude zu finden, sei schwierig gewesen, da einige Notunterkünfte zurzeit als Quarantäne-Gebäude oder temporäre Unterkünfte für gestrandete Wanderarbeiter dienten.

Zwei Katastrophen gleichzeitig

Pankay Anand von der Hilfsorganisation Oxfam sagte, dass einige Leute Angst hätten, sich in den Unterkünften mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren. Teils würden Masken oder Desinfektionsmittel verteilt. Indien und Bangladesch kämpfen mit immer mehr Corona-Infektionen, in beiden Ländern gilt eine Ausgangssperre. In Indien haben sich nach Aufzeichnungen der amerikanischen Johns Hopkins Universität inzwischen mehr als 112.000 Menschen nachweislich mit dem Virus infiziert, mehr als 3400 starben infolge der Lungenkrankheit Covid-19. In Bangladesch gibt es demnach über 26.700 bestätigte Infektionen und über 380 Todesfälle.

Wirbelstürme kommen im Golf von Bengalen immer wieder vor. Bei einem großen Zyklon im Jahr 1999 starben rund 10.000 Menschen. Experten gehen davon aus, dass die Intensität der Stürme in den vergangenen Jahren unter anderem wegen des Klimawandels tendenziell zugenommen hat. Die Opferzahlen waren aber in den vergangenen Jahren generell kleiner, da es inzwischen mehr gute Notunterkünfte und Evakuierungspläne gibt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Mai 2020 um 07:00 Uhr.