Russisches Forschungsmodul "Nauka" | AP

Internationale Raumstation Zwischenfall bei Andockmanöver an ISS

Stand: 30.07.2021 09:10 Uhr

Das russische Modul "Nauka" soll der Besatzung der Internationalen Raumstation ISS vor allem Platz zum Forschen bieten. Nach seinem Andockmanöver an die ISS sorgte es aber zunächst für einen Schockmoment.

Zunächst verlief das Andockmanöver des Forschungsmoduls "Nauka" an die Internationale Raumstation völlig normal. Als aber die Verbindung hergestellt war, zündeten die Triebwerke des Moduls "versehentlich und unerwartet" und verschoben die ISS um 45 Grad aus ihrer regulären Flugbahn, wie die US-Raumfahrtbehörde NASA per Twitter mitteilte.

NASA: "Keine Gefahr für die Besatzung"

Sofort sei ein Notfalleinsatz in rund 400 Kilometern Höhe eingeleitet worden, bei dem die ISS wieder in ihre reguläre Flugbahn zurückgebracht worden sei, hieß es weiter. Für die Besatzung habe keine Gefahr bestanden. Die ISS und alle Systeme an Bord funktionierten normal. Allerdings verlor die NASA für fast eine Stunde die Kontrolle über die Position der Station im All. Auch brach der Kontakt zur Crew für elf Minuten ab. Warum die Triebwerke des Moduls nach dem erfolgreichen Ankoppeln plötzlich zündeten, ist unklar.

Immer wieder Verzögerungen mit "Nauka"

Das Forschungsmodul "Nauka" (deutsch: Wissenschaft) der russischen Weltraumbehörde Roskosmos war vor acht Tagen mit einer Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur aus gestartet. Die 20 Tonnen schwere Konstruktion ist vorrangig für die Forschung gedacht, soll aber auch als Mannschaftsquartier mit eigenen Lebenserhaltungssystemen dienen. "Nauka" sollte eigentlich bereits seit 2007 Teil der ISS sein, immer wieder aber hatte es Verzögerungen gegeben.

NASA verschiebt Raketenstart

Der Zwischenfall nach dem "Nauka"-Andockmanöver führte dazu, dass die NASA den Start eines "Starliner"-Raumschiffs der Firma Boeing zur ISS auf unbestimmte Zeit verschob. Der unbemannte Testflug sollte heute abheben und die Grundlage dafür schaffen, dass mit dem "Starliner" künftig Astronauten zur Raumstation gebracht werden können.

Mit dem "Starliner"-Programm sind die USA ohnehin in Verzug. Beim ersten Test im Dezember 2019 hatte es das Raumschiff nicht in den Orbit und zur ISS geschafft, unter anderem wegen eines Problems mit der automatischen Zündung der Antriebe. Die erneute Verschiebung gebe dem Team der Internationalen Raumstation Zeit, Tests am neu eingetroffenen "Nauka"-Modul fortzusetzen und sicherzustellen, dass die Station für die "Starliner"-Ankunft bereit sei, hieß es weiter.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 30. Juli 2021 um 08:30 Uhr in den Nachrichten.