Israelische Polizisten versuchen palästinensische Muslime an der Al-Aksa-Moschee zu beschwichtigen. | AP

Spannungen in Jerusalem Viele Verletzte bei Zusammenstößen an Al-Aksa-Moschee

Stand: 15.04.2022 10:37 Uhr

Mit Spannungen hatte Jerusalem gerechnet, wenn Juden, Christen und Muslime ihre heiligen Feste an einem Tag feiern. Schon am Morgen kam es zu Gewalt zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei. Mehr als 150 Menschen wurden verletzt.

Nach den muslimischen Freitagsgebeten ist es in der Altstadt von Jerusalem zu heftigen Zusammenstößen zwischen der israelischen Polizei und Palästinensern gekommen. Israelische Sicherheitskräfte waren auf das Gelände der Al-Aksa-Moschee eingedrungen, wo sich Tausende Palästinenser während des muslimischen Fastenmonats Ramadan zum Gebet versammelt hatten.

Gegen 04.00 Uhr begannen den israelischen Behörden zufolge "Dutzende maskierte junge Randalierer", von denen einige Fahnen der bewaffneten islamistischen Hamas-Bewegung trugen, eine "Prozession" auf dem Tempelberg. Sie warfen Steine in Richtung der angrenzenden Klagemauer, der wichtigsten Gebetsstätte des Judentums. Die Polizei sei gezwungen gewesen, in das Gelände einzudringen, um die Menge aufzulösen und die Steine zu entfernen und damit weitere Gewalt zu verhindern, twitterte das israelische Außenministerium.

Die Polizei erklärte, die Sicherheitskräfte hätten bis zum Ende der Gebete gewartet, seien zwar auf das Gelände, nicht aber direkt in die Moschee vorgedrungen.

Verletzte in Krankenhäuser gebracht

Mehr als 150 Menschen wurden nach Angaben Palästinensischen Roten Halbmonds verletzt. Die israelische Polizei sprach von mindestens drei Verletzten in ihren Reihen.

Online verbreitete Videos zeigten Palästinenser, die auf dem weiträumigen Vorplatz der Moschee mit Steinen warfen und Polizisten, die Tränengas und Blendgranaten abfeuerten. Andere Bilder zeigten Gläubige, die sich inmitten offenkundiger Tränengaswolken im Inneren der Moschee verbarrikadierten. Augenzeugen sowie ein AFP-Fotograf berichteten, dass die israelischen Sicherheitskräfte auch Gummigeschosse auf einige palästinensische Demonstranten gefeuert hätten.

Rettungskräfte tragen einen Verletzten zum Krankenwagen. | EPA

Viele Menschen wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Bild: EPA

Drei heilige Feste

Die Moschee ist die drittheiligste Stätte des Islams. Sie steht auf einem Hügel, der als Tempelberg heiligste Stätte der Juden ist. Dort kommt es seit Jahrzehnten zu Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern. Am heutigen Freitag werden inmitten des muslimischen Fastenmonats Ramadan Zehntausende Gläubige in der Moschee erwartet. Die Spannungen sind aktuell besonders hoch, weil in diesem Jahr der Ramadan, das jüdische Pessach-Fest und das christliche Ostern zeitlich zusammenfallen.

Die Sicherheitslage in der Region ist aber schon seit Wochen kritisch. Es gab vier Terroranschläge mit insgesamt 14 Toten in kurzer Zeit in Israel. Die israelische Armee führte daraufhin viele Einsätze im besetzten Westjordanland durch. Insgesamt starben bei der Gewalt in den vergangenen drei Wochen 21 Palästinenser. 

Mit Informationen von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. April 2022 um 12:00 Uhr.