Der südkoreanische Zug auf seinem Weg in Richtung Norden | Bildquelle: AP

Historische Zugfahrt Auf Erkundungsfahrt nach Nordkorea

Stand: 30.11.2018 12:32 Uhr

Der Zug, der den Bahnhof Dorosan in Südkorea verlässt, hat historische Bedeutung. Denn er fährt nach Nordkorea. Das Ziel: herausfinden, wie das moderne Bahnnetz im Süden, mit dem maroden im Norden verbunden werden kann.

Ein "Zug für Frieden und Wohlstand" - mit diesem Banner an der Seite hat sich ein Zug aus Südkorea auf den Weg ins Nachbarland gemacht. Fast drei Wochen werden die sechs Waggons durchs Land rollen. Der Zug hat normale Abteile, Büros und Schlafräume. Mit an Bord sind 28 Südkoreaner, unter anderem Ingenieure, die in den kommenden 18 Tagen den Zustand des Schienennetzes im Norden prüfen sollen. 

Vereinigungsminister Cho fährt mit

Zum Auftakt fuhr auch der südkoreanische Vereinigungsminister Cho Myoung-gyon mit. "Eine gemeinsame Bahnverbindung zwischen Nord- und Südkorea wird zum gemeinsamen Wohlstand beitragen und den gelegten Grundstein für Frieden untermauern", sagte er. Die Züge auf diesen Gleisen würden auch "Frieden und Wohlstand nach Nordost-Asien und in den Rest der Welt" bringen.

Möglicherweise spielte Cho damit auf eine vor langer Zeit entstandene Idee an: Dass ein Zug von der koreanischen Halbinsel bis nach Paris fährt. Aber so weit ist es noch lange nicht. Erstmal wollen sich die Experten aus dem Süden überhaupt einen Eindruck über den Zustand des nordkoreanischen Streckennetzes verschaffen und es dann modernisieren.

Seitenansicht des Zuges | Bildquelle: YONHAP/POOL/EPA-EFE/REX/Shutters
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Mit Bannern versehen machte sich der Zug aus Südkorea auf den Weg in den Norden.

Nicht mehr als 20 bis 45 km/h im Norden

Die regelmäßigen Zugverbindungen zwischen dem Norden und dem Süden des Landes waren im Koreakrieg (1950-1953) eingestellt worden. Wie über viele Dinge in Nordkorea, weiß man auch über den Zustand der dortigen Bahn relativ wenig. Klar ist aber, dass sie in einem maroden Zustand ist. Züge können wegen des desolaten Zustands der Schienen mit maximal 20 bis 45 km/h fahren.

Da es in Nordkorea kaum private Autos gibt, kommt der Bahn dort eine wichtige Rolle zu. Das Schienennetz ist rund 5000 Kilometer lang. Das Grundgerüst stammt noch aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, als das Land unter japanischer Herrschaft stand.

Schienen an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea | Bildquelle: AFP
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Schienen zwischen Nord- und Südkorea gibt es, eine regelmäßige Bahnverbindung aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Südkorea setzt auf ausländische Partner

Der Süden schätzt, dass es fünf Jahre dauern wird, die von Süd nach Nord führenden Strecken instandzusetzen. Für das kommende Jahr wurden dafür Kosten in Höhe von umgerechnet knapp 50 Millionen Euro veranschlagt. Eine grenzübergreifende Bahnverbindung wäre zum Beispiel von der Stadt Kaesong im Norden in den Süden denkbar. Kaesong war vor einigen Jahren noch Sonderwirtschaftszone und soll auch wieder ausgebaut werden. 

Südkoreas Vereinigungsminister Cho sagte, damit der Ausbau einer innerkoreanischen Bahnverbindung vorankomme, werden man sich eng "mit relevanten, ausländischen Partnern" abstimmen. Ob damit auch deutsche Unternehmen gemeint sind, ist nicht bekannt. Südkorea hatte in den 1990er-Jahren allerdings entschieden, beim Aufbau seinen Hochgeschwindigkeitsnetztes auf die französische TGV-Technik zu setzen.

Vereinigungsminister Cho Myoung-gyon während seiner Rede zum Start des Zuges | Bildquelle: AFP
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Vereinigungsminister Cho erhofft sich von der Bahnverbindung "gemeinsamen Wohlstand"

Offizieller Spatenstich noch in diesem Jahr?

Die Inspektionsfahrt nach Nordkorea war eigentlich bereits für den Sommer geplant, wurde dann aber verschoben, weil speziell die USA der Ansicht waren, dies würde gegen die Sanktionen verstoßen. Die Vereinten Nationen hatten die Fahrt jetzt jedoch ermöglicht. Das Vorhaben einer Modernisierung des maroden Streckennetzes Nordkoreas geht auf das Gipfeltreffen zwischen den beiden Staatschefs Moon Jae-In und Kim Jong Un im April zurück.

Südkorea will noch vor Jahresende einen offiziellen Spatenstich feiern - und den am liebsten mit einem Besuch Kims in der Hauptstadt Seoul krönen. Bisher jedoch ist dazu offiziell nichts aus dem abgeschotteten Land verlautet.

Mit Informationen von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Erstmals rollt ein Zug von Süd- nach Nordkorea
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
30.11.2018 11:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. November 2018 um 09:28 Uhr.

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