Bischöfe haben beim Eröffnungsgottesdienst der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Dom ihre Hände gefaltet. | Bildquelle: picture alliance/dpa

Warnung an Franziskus Ex-Papst Benedikt pocht auf Zölibat

Stand: 13.01.2020 16:35 Uhr

"Ich kann nicht still bleiben" - Ex-Papst Benedikt XVI. warnt vehement vor einer Aufweichung des Zölibats. Er kommt damit einer Entscheidung von Papst Franziskus zuvor. Vatikan-Experten sind erstaunt.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist vehement gegen eine Lockerung des priesterlichen Eheverbots eingetreten. Damit ist er einer in der Zölibatsdebatte erwarteten Entscheidung von Nachfolger Franziskus zuvorgekommen.

"Ich kann nicht still bleiben!" schreibt er zur Frage des Zölibats in einem gemeinsam mit dem erzkonservativen Kardinal Robert Sarah verfassten Buch, aus dem die französische Zeitung "Le Figaro" vorab Auszüge veröffentlichte.

Die Ehe erfordere, dass sich ein Mann völlig seiner Familie hingebe, so Benedikt XVI. "Da wiederum der Dienst für den Herrn die völlige Hingabe eines Mannes erfordert, scheint es nicht möglich, diese zwei Berufungen gleichzeitig fortzuführen."

Benedikt XVI. und Kardinal Sarah warnen in dem Buch weiter, dass sich die katholische Kirche nicht von "schlechten Einlassungen, Theatralik, diabolischen Lügen und im Trend liegenden Irrtümern" beeinflussen lassen dürfe, "welche den priesterlichen Zölibat entwerten wollen". Sie warnen auch, dass Priester durch die "ständige Infragestellung" des Zölibats "verwirrt" würden.

Heikler Zeitpunkt

Das Buch von Benedikt XVI. und Sarah kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: Franziskus will bald ein Dokument zur Frage vorlegen, ob das Priesteramt für verheiratete Männer geöffnet werden soll.

Damit will das Kirchenoberhaupt auf das Ergebnis einer Bischofssynode zum Amazonasgebiet im Oktober 2019 reagieren. Eine Mehrheit der Teilnehmer hatte sich für die Priesterweihe verheirateter Männer ausgesprochen, um den Mangel an Geistlichen zu lindern. Inzwischen verschärfte sich die Personalkrise derart, dass Gläubige monatelang keine Messe feiern können.

Franziskus hatte Mitgefühl mit den Gläubigen in der Region geäußert. Zwar gilt er seit langem als Verfechter des Zölibats, betont aber zugleich, dass es sich um eine Tradition handele, kein Dogma. Daher könne sie sich ändern. Zudem erklärte der Papst, dass es pastorale Gründe geben könne, die an einem bestimmten Ort Ausnahmen zulassen könnten.

Papst Franziskus mit Teilnehmern der Amazonas-Synode im Vatikan | Bildquelle: AFP
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Bei der Amazonas-Synode äußerte Papst Franziskus Mitgefühl mit den Gläubigen in der Region.

Ungewöhnlicher Schritt

Den Appell und die Einmischung des früheren Papstes Benedikt XVI. werten Beobachter als ungewöhnlich, zumal er nach seinem spektakulären Rücktritt 2013 Unterordnung unter Franziskus zusagte.

Der italienische Bischof Domenico Mogavero sieht in der Benedikt-Äußerung dann auch eine versuchte Einflussnahme auf die bevorstehende Papst-Entscheidung. Benedikt XVI., so Mogavero in der Zeitung La Repubblica, wolle offensichtlich Veränderungen beim Zölibat abwenden. Buchautor und Vatikan-Spezialist Iacopo Scaramuzzi geht noch weiter: "Noch mehr als ein Appell an seinen Nachfolger scheint es fast der Versuch zu sein, die Möglichkeit zu boykottieren, dass verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden können."

Bislang hatte Benedikt XVI. zu kirchenpolitischen Debatten meist geschwiegen. Eine Ausnahme ist ein umstrittener Aufsatz im vergangenen Jahr, in dem er den massiven sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche auf die sexuelle Revolution der 1960er-Jahre zurückführte.

Vatikan-Experte Scaramuzzi sieht in der aktuellen Debatte um die Äußerungen Benedikts XVI. zum Zölibat einen weiteren Beleg für das problematische Nebeneinander eines Papstes und seines Vorgängers. Die katholische Kirche, sagt er, täte gut daran, die Rolle eines emeritierten Papstes künftig genauer zu definieren.

Mit Informationen von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Warnung an Franziskus: Ex-Papst Benedikt pocht auf Zölibat
Jörg Seisselberg, ARD Rom
13.01.2020 16:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Bayern2 am 13. Januar 2020 um 07:00 Uhr.

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