Ein Rettungsboot wird von der "Aquarius" zu Wasser gelassen. | Bildquelle: AFP

Zivile Seenotrettung Helfer in Not

Stand: 21.08.2018 20:21 Uhr

Rettungsschiffe von zivilen Hilfsorganisationen werden von allen Seiten behindert. Kein einziges Schiff kann derzeit seiner Aufgabe nachgehen. Unterdessen sterben Hunderte Menschen im Mittelmeer.

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Seenotrettung ist eine staatliche Aufgabe. Zuständig dafür sind - innerhalb der ihnen zugeteilten Seenotrettungszonen - die Küstenwachen des jeweiligen Landes. Doch im zentralen Mittelmeer gelingt das aktuell immer weniger. Mehr als 1500 Flüchtlinge sind in diesem Jahr bereits im Mittelmeer ertrunken und obwohl die Zahl der Überfahrten zurückgeht, werden immer weniger gerettet.

Darüber hinaus ist jedes Schiff auf See dazu verpflichtet, Menschen in Seenot zu retten. Deshalb ist auch die Grenzschutzagentur Frontex häufig in der Seenotrettung aktiv. Genauso die EU-Mittelmeer-Mission "Sophia", deren eigentliche Aufgabe Aufklärung von Schleusernetzwerken ist.

Insbesondere vor der libyschen Küste ist die Lage schwierig. Nach Aussage verschiedener Hilfsorganisationen ist das Bürgerkriegsland zu einer funktionierenden Seenotrettung derzeit nicht in der Lage. Hinzu kommt: Die libysche Küstenwache bringt Geflüchtete nach Libyen zurück, nach Einschätzung des UNHCR und verschiedener Seenotrettungsorganisationen gibt es in dem Land aber keine sicheren Häfen.

Während Italien sich zwischenzeitlich unter anderem durch die Seenotrettungsmission "Mare Nostrum" auch vor der libyschen Küste stark engagierte, zieht sich die EU inzwischen mehr und mehr aus dieser Aufgabe heraus und beruft sich auf die libysche Küstenwache.

Um diese Leerstelle zu füllen, sind mehr und mehr zivile Seenotretter auf den Plan getreten. Zuletzt häuften sich aber Fälle, in denen die Schiffe tagelang auf dem Mittelmeer umherirrten, weil kein Land einen sicheren Hafen für die Geflüchteten an Bord bieten wollte. Derzeit sind die Schiffe ausnahmslos lahmgelegt.

Hier ein Überblick:

"Aquarius"

Rettungsschiff "Aquarius" | Bildquelle: AFP
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Die "Aquarius" befindet sich derzeit in den internationalen Gewässern vor Tunesien.

Das von SOS Mediterranée und Ärzte ohne Grenzen betriebene Schiff befindet sich derzeit in den internationalen Gewässern vor Tunesien. Eigentlich war es auf dem Weg nach Marseille, um administrative Schwierigkeiten zu klären. Es gab die Androhung, dem Schiff, das in Gibraltar registriert ist, zum 20. August die Flagge zu entziehen. Laut einer Sprecherin von SOS Mediterranée mit "fadenscheinigen Argumenten": Angeblich sei das Schiff nicht als "Rettungsschiff", sondern als Vermessungsschiff registriert. Dabei sei jedes Schiff auf See zur Seenotrettung verpflichtet.

Auf dem Weg nach Marseille habe die "Aquarius" mitbekommen, dass ein Boot in Seenot geraten sei. Die fünf tunesischen Insassen wurden gerettet und befinden sich an Bord der "Aquarius". Italien und Frankreich seien um die Erlaubnis gebeten worden, einzulaufen, Bislang allerdings ohne Erfolg. Derzeit steht die "Aquarius" still und wartet darauf, einen sicheren Hafen zu finden.

"Sea-Watch 3"

Die "Sea-Watch 3" im Hafen von Valletta | Bildquelle: dpa
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Die "Sea-Watch 3" sitzt seit Anfang Juli in Malta fest und darf nicht mehr auslaufen.

Das Schiff unter niederländischer Flagge sitzt seit Anfang Juli in Malta fest und darf nicht mehr auslaufen. Begründung: Es gebe Registrierungsprobleme. Inspektoren der niederländischen Behörden haben allerdings nach eingehender Prüfung bestätigt, dass die Registrierung korrekt sei. Das entsprechende Dokument liegt tagesschau.de vor. Malta hat laut Sea-Watch jedoch weitere Einwände vorgebracht. Sea-Watch bereitet derzeit eine Klage dagegen vor.

"Lifeline"

Die "Lifeline" läuft in den Hafen von Valletta ein | Bildquelle: dpa
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Auch die "Lifeline" ist in Valletta festgesetzt.

Auch die "Lifeline" wird im maltesischen Hafen in Valletta festgehalten aufgrund der angeblich "fehlerhaften Registrierung". Das Schiff fährt ebenfalls unter niederländischer Flagge. Laut der Organisation Lifeline wurden den Behörden bereits alle Unterlagen der Registrierung vorgelegt, die Prüfung ziehe sich aber noch hin.

"Seefuchs" und "Sea-Eye"

Diese beiden Schiffe des Regensburger Vereins Sea-Eye werden aus flaggenrechtlichen Gründen am Auslaufen gehindert. Die "Seefuchs" liegt im Haupthafen von Malta, die "Sea-Eye" in der Nähe von Tunis. Beide Schiffe fuhren bislang unter niederländischer Flagge. Die dortigen Behörden haben laut Sea-Eye allerdings angemahnt, dass nicht alle Vorraussetzungen für eine korrekte Registrierung erfüllt würden. Bislang ließen sich die Vorwürfe nicht aufklären, Sea-Eye erwartet einen langwierigen Prozess.

"Weil wir die rechtlichen Probleme nicht kurzfristig lösen können, arbeiten wir derzeit daran, ein weiteres Schiff ins Mittelmeer zu senden", sagt Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer. "Man versucht die NGOs mit allen Mitteln an ihrer Fahrt zu hindern. Aber wir werden das nicht akzeptieren. Die ertrinkenden Flüchtlinge brauchen unsere Hilfe."

"Iuventa"

Das Schiff "Iuventa" der Hilfsorganisation "Jugend rettet" (Archivbild) | Bildquelle: dpa
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Die "Iuventa" sitzt gegenwärtig in Trapani auf Sizilien fest.

Das Schiff der Organisation "Jugend rettet" wurde im August 2017 in Lampedusa beschlagnahmt und sitzt gegenwärtig in Trapani auf Sizilien fest. Der Crew wird Beihilfe zur illegalen Einreise vorgeworfen. Dahinter verbirgt sich der Verdacht die "Iuventa" könnte mit Schleppern zusammengearbeitet haben. Laut "Jugend rettet" wurden von italienischer Seite bis heute keine Belege vorgelegt oder Anklagen auf den Weg gebracht. Der Verein erwägt nun die Anrufung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte.

"Open Arms"

Das Schiff von der Organisation Proactiva Open Arms liegt laut dem Portal "Shipspotting" zurzeit im Hafen von Barcelona. Die Organisation war telefonisch nicht erreichbar.

Auf Twitter hatte Proactiva Open Arms am 14. August Videos geteilt, aus denen hervorgeht, dass das Schiff den Hafen in Barcelona anläuft.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. August 2018 um 18:15 Uhr.

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