Wohnwagen bei Nashville

Arbeitsnomaden in den USA Die Weihnachtshelfer vom Campingplatz

Stand: 15.12.2018 12:33 Uhr

Eine Million Amerikaner leben permanent im Wohnwagen. Viele von ihnen ziehen als Arbeitsnomaden durch das Land. In der Weihnachtszeit treffen sich Hunderte "Workcamper" bei Amazon.

Von Verena Bünten, ARD-Studio Washington

Es ist nicht gerade Campingwetter im winterlichen Tennessee: Die Temperaturen liegen knapp über dem Gefrierpunkt - und doch ist der Campingplatz bei Nashville voll belegt. Morgens um sechs Uhr brennt schon Licht in den meisten Wohnwagen.

Wer hier campt, ist nicht zum Spaß angereist. Chip (58) und Penni (62) packen in ihrem Wohnmobil die Lunchpakete für die Frühschicht. Die beiden sind Workcamper. Ihr mobiles Heim parken sie da, wo sie Arbeit finden. Seit drei Monaten jobben sie als Weihnachtsverstärkung für Amazon - sechs Tage die Woche, zehn Stunden pro Tag."Wir suchen die Bestellungen der Amazon-Kunden zusammen, heute werden wir einige tausend Artikel raussuchen."

Im Wohnmobil zu Amazon - Arbeitsnomaden in den USA
ARD-Morgenmagazin, 12.12.2018, Verena Bünten, WDR Washington

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Amazon wirbt Workcamper gezielt an

Das riesige Logistikzentrum von Amazon liegt im Gewerbegebiet. Der Online-Händler Amazon wirbt die flexiblen Workcamper gezielt für die Hochsaison an: Sie arbeiten auch im Lager oder packen Pakete. Es ist echte Knochenarbeit, die begehrt ist. Denn Amazon bezahlt den campenden Arbeitern 15 Dollar die Stunde - das Doppelte vom Mindestlohn in Tennessee. Außerdem übernimmt der Konzern die Campingplatzgebühren und die Stromkosten.

Viele Arbeiter sind im Rentenalter - so wie Joel. Eigentlich wollte der 74-Jährige nach seiner letzten Saison nicht mehr wiederkommen, der Job sei körperlich inzwischen zu hart für ihn, erzählt er. Aber dann ging zuerst der Kühlschrank kaputt und später noch der Generator. So musste der reisende Rentner ohne Rücklagen seinen Bus doch wieder in Richtung Tennessee steuern.

Wanderleben auf engstem Raum mit fünf Kindern

Familie Booher lebt mit fünf Kindern im Alter von zwei bis zehn Jahren ihr Wanderleben im Wohnwagen. Die Eltern arbeiten wechselnd Tag- und Nachtschicht und unterrichten ihre Kinder selbst. "Wir reisen, wir treffen immer neue Leute und wir haben zum ersten Mal Schnee gesehen", freut sich der zehnjährige Nathaniel. Sein Bruder Theodore vermisst allerdings sein früheres Kinderzimmer und die alten Freunde.

Vater Richard will mit weniger auskommen und glaubt an sein Lebensmodell: "Wir fragen uns bei jedem neuen Gegenstand, ob wir ihn wirklich brauchen. Wenn die Kinder zu Weihnachten ein Spielzeug bekommen, müssen sie dafür ein altes abgeben."

Reiselust oder Not?

Am Anfang eines Workcamper-Lebens steht manchmal die Reiselust, oft aber die Not: Sandie arbeitet bereits die vierte Saison bei Amazon und teilt ihren Wohnwagen mit vier Hunden. Die 52-Jährige wurde zuerst arbeitslos und konnte dann ihr Haus nicht mehr finanzieren. Seitdem reist sie tapfer der Arbeit hinterher - bis nach Alaska. "Reifen wechseln, Reparaturen, all das kann teuer werden", sagt sie. "Aber insgesamt ist dieses Leben immer noch billiger, als eine Hypothek, Nebenkosten und Grundsteuer zu zahlen." Sie brauche nicht viel und fühle sich heute freier und selbstbestimmter, so Sandie.

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Nach dem Weihnachtsgeschäft wollen sie in die Sonne: Chip und Penni arbeiten derzeit Zehn-Stunden-Schichten bei Amazon.

Das Ziel: Sonne

Wenn Chip und Penni von der Zehn-Stunden-Schicht in ihr Wohnmobil zurückkommen und mit dem Heizlüfter gegen die feuchte Kälte angehen, trinken sie erstmal einen Absacker. Die beiden zählen die Arbeitstage, bis es mit dem gesparten Lohn nach Florida in die Sonne geht.

Dort wollen sie eine längere Pause machen. "Ich bin in der Schicht gestern 27.862 Schritte gelaufen, mein neuer Rekord", erzählt Chip. "Ich freue mich darauf, wenn ich dafür wieder zwei Wochen brauche." Im Netzwerk Workcamper-News suchen die beiden schon nach einem guten Sommer-Job, vielleicht als Hotdog-Verkäufer im Stadion oder als Helfer im Freizeitpark.

Eine Rückkehr in ein Haus ohne Räder sei vorerst nicht geplant, zumindest solange sie gesund bleiben, sagt Chip: "Ich will irgendwann vom Wohnmobil direkt ins Altenheim umsteigen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Dezember 2018 um 15:00 Uhr.

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