US-Präsident Donald Trump. | Bildquelle: REUTERS

Buch über Trump "Warum in aller Welt hat er das getan?"

Stand: 15.09.2020 10:03 Uhr

Heute kommt "Rage" in die Läden - das neue Buch des Journalisten Bob Woodward über den US-Präsidenten. Und das hat es in sich: Trump habe seine Landsleute bewusst über die Gefahren von Covid-19 im Unklaren gelassen.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

So muss man sich das vorstellen. Das Telefon klingelt und der Präsident ist dran. "Herr Präsident, wie geht es Ihnen", fragt Bob Woodward und kündigt an, dass er, wie immer, nun seinen Rekorder anschaltet. 18-mal hat der Journalist mit dem Präsidenten gesprochen, manchmal im Weißen Haus, manchmal nachts am Telefon.

Trump hätte es ahnen können

"Warum in aller Welt hat er das getan", fragte entgeistert Tucker Carlson, Moderator bei "Fox-News". Eine berechtigte Frage, denn Trump konnte ahnen, dass er im neuen Buch von Woodward nicht gut wegkommen würde.

Aber vielleicht glaubte er, dem Starreporter von der verhassten "Washington Post" tatsächlich seine Sicht der Welt erklären zu können. Und womöglich hat Trump auch noch nie ein Buch von Woodward gelesen, der in den 1970er-Jahren den Watergate-Skandal mit aufgedeckt und damit zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon beigetragen hatte.

Bob Woodward | Bildquelle: AP
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Berühmt durch seine Recherchen zur Watergate-Affäre: Der Journalist Bob Woodward

Wirbel vor Veröffentlichung

Dass "Rage", also "Wut", eine ähnliche Macht entwickeln könnte, das bezweifeln die Kommentatoren. Der Wirbel bisher allerdings ist enorm, denn: Was Trump dem Reporter seit Dezember 2019 erzählt hat, ist nicht unbedingt das, was er der Öffentlichkeit erzählt hat: "Es kommt durch die Luft", plauderte Trump im Februar, nachdem er vom Corona-Virus erfahren hatte, "man muss nichts berühren, das ist gefährlicher". Und er erzählte, dass Covid-19 tödlicher sei als eine schlimme Grippe.

Der amerikanischen Öffentlichkeit versicherte der Präsident hingegen, das Virus sei unter Kontrolle und alles werde ein gutes Ende nehmen. Und das habe er absichtlich so gesagt, auch das erzählte der Präsident am Telefon: Er habe es runtergespielt, und spiele es immer noch runter, weil er keine Panik verursachen wollte. 

Das sei sein Job, Zuversicht zu verbreiten, verteidigt sich Trump heute. Und seine Pressesprecherin Kayleigh McEnany behauptet, Trump habe die amerikanische Öffentlichkeit nie über Covid belogen, er habe Ruhe verbreiten wollen.

Vorlage für Biden

Joe Biden, sein Herausforderer von den Demokraten, sieht das genau anders: "Es ging nur darum zu verhindern, dass der Aktienmarkt nicht zusammenbricht, dass seine reichen Freunde kein Geld verlieren, und dass er sagen konnte: Das hat alles nichts mit mir zu tun", sagte Biden bei CNN. Hätte Trump stattdessen die Öffentlichkeit informiert, hätten weniger Menschen sterben müssen.

Aber auch Woodward musste einstecken. Warum er diese wichtige Information der Öffentlichkeit vorenthalten habe, wurde er gefragt. Damals im Februar, so verteidigte er sich im Radiosender NPR, habe es noch kein Bewusstsein für das Virus in den USA gegeben. Er habe geglaubt, das alles habe sich nur auf China bezogen.

Nordkorea, Obama, die aktuelle Rassismus-Debatte. Woodward hat viel über Trump erfahren. Und die amerikanische Öffentlichkeit will es wissen: Die Vorbestellungen lassen erwarten, dass "Rage" ein Bestseller wird.

Bob Woodwards neues Buch "Rage" erscheint
Katrin Brand, ARD Washington
15.09.2020 09:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 15. September 2020 um 09:35 Uhr.

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