ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt  | Bildquelle: dpa

Seppelt darf nach Russland Einreise mit Unwägbarkeiten

Stand: 15.05.2018 16:36 Uhr

Russland erlaubt Hajo Seppelt nun doch die Einreise zur WM. Ob der ARD-Experte auch berichten darf, ist unklar. Sollte Seppelt nach Russland fahren, warten dort bereits die Ermittlungsbehörden auf ihn.

Der ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt darf zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland reisen. Die Behörden des Landes hoben das Einreiseverbot gegen den Journalisten auf, teilte Bundesaußenminister Heiko Maas über Twitter mit. Er sprach allerdings nur von einem "Zwischenerfolg".

Der Fußball-Weltverband FIFA bestätigte, dass das Visum für Seppelt genehmigt wurde. Noch ist allerdings nicht klar, ob und in welchem Umfang Seppelt von Russland aus berichten darf.

Ermittler wollen Seppelt vernehmen

Sollte Seppelt nach Russland reisen, will ihn das Staatliche Ermittlungskomitee vernehmen, kündigte dessen Sprecherin Swetlana Petrenko an. Hintergrund seien die in Russland laufenden Ermittlungen gegen Grigori Rodschenkow, der in der Dokumentation über das Staatsdoping als Whistleblower Informationen weitergegeben hatte.

Die russischen Behörden hätten Deutschland um Rechtshilfe ersucht, um Seppelt zu dessen Enthüllungen über das angebliche Doping befragen zu können, sagte Petrenko weiter. Jedoch sei stets auf das Zeugnisverweigerungsrecht Seppelts verwiesen worden.

Vorwürfe gegen Seppelt

Am Freitag hatte Russland erklärt, es werde die Einreise Seppelts nicht genehmigen. Der ARD-Experte stehe auf einer Liste der in Russland "unerwünschten Personen" und könne daher nicht in die Russische Föderation einreisen. Weiter äußerten sich die russischen Institutionen nicht - keine Gründe, keine Ausführungen.

Der russische Abgeordnete Dmitri Swischtschow erhob im Interview mit einer russischen Nachrichtenagentur jedoch den Vorwurf, Seppelt wolle seinen Aufenthalt während der WM für weitere "Verleumdung" nutzen. "Was will ein Mensch, der mit Dreck wirft, mit unbestätigten Fakten arbeitet und in Russland nur das Negative sucht?", so Swischtschow. "Soll er doch die WM im Fernsehen anschauen. Wenn er objektive Filme über Russland macht, sind wir immer bereit, ihm ein Super-Visum auszustellen, mit mehrfacher Einreise und für ein Jahr", sagte das Mitglied des Sportausschusses in der Staatsduma.

Kritik der Bundesregierung

Die Entscheidung der russischen Behörden traf jedoch auf scharfe Kritik aus Deutschland: "Wir sind der Überzeugung, es stünde Russland als Gastgeber schlecht an, wenn es so offensichtlich die Presse- und Meinungsfreiheit vor den Augen der Welt beschnitte", verurteilte etwa Regierungssprecher Steffen Seibert das Einreiseverbot.

Auch Norbert Röttgen, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, forderte Russland auf, das Verbot wieder zurückzunehmen, "sonst entsteht der begründete Verdacht, dass Russland entweder etwas zu verbergen oder ein Problem mit Transparenz und Fairplay im Sport hat oder beides".

Enthüllung von Staatsdoping

Seppelts Ansicht nach wurde ihm die Einreise verweigert, weil er federführend an der Berichterstattung über das russische Staatsdoping beteiligt war. Ende 2014 enthüllte die ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping", dass Athleten in Russland systematisch gedopt wurden, auch bei den Olympischen Winterspielen im russischen Sotschi. Es folgten Untersuchungen und schließlich der Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen 2016 im brasilianischen Rio de Janeiro. Zwar wurde dieses Verbot bei genauem Nachweis, dass die Sportler keine unerlaubten Substanzen genommen hatten, wieder gelockert. Doch das Image von Russland als Sportnation war beschädigt.

Die Vorwürfe, die der russische Whistleblower Grigori Rodschenkow in der Dokumentation erhob, reichten sogar bis in den Kreml, bis zum russischen Präsidenten selbst: Wladimir Putin soll von dem staatlich angeordneten Doping gewusst haben. Russland wies die Berichte als "Verleumdung" zurück.

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