Sicherheitskräfte in der US-Stadt Kenosha | AFP

Tödliche Schüsse in Wisconsin Trump entsendet Nationalgarde

Stand: 27.08.2020 07:05 Uhr

Nach der Festnahme eines 17-Jährigen, der bei Demonstrationen gegen Polizeigewalt in Kenosha zwei Menschen erschossen haben soll, entsendet US-Präsident Trump die Nationalgarde in die Stadt. Es gab in der Nacht weitere Proteste.

Nach den Ausschreitungen und dem Tod zweier Demonstrierender in Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin entsendet Präsident Donald Trump die Nationalgarde und Bundespolizisten. Das kündigte er auf Twitter an. Der demokratische Gouverneur von Wisconsin, Tony Evers, habe dem zugestimmt.

Evers bestätigte den Einsatz von 500 zusätzlichen Nationalgardisten - insgesamt sind es damit 1000. Das US-Justizministerium teilte mit, es habe "mehr als 200 Mitarbeiter des FBI, der Bundespolizeibehörde ATF und des US-Marshals Service (USMS) eingesetzt, um die staatlichen und lokalen Strafverfolgungsbehörden bei der Reaktion auf die Unruhen und Ausschreitungen zu unterstützen", schrieb Sprecherin Kerri Kupec auf Twitter. Kenosha könne nach Bedarf mit zusätzlichen Bundesmitteln versorgt werden.

Trotz einer nächtlichen Ausgangssperre war es in Kenosha erneut zu Ausschreitungen gekommen. Demonstranten warfen in der Nähe des Gerichtsgebäudes Feuerwerkskörper, Flaschen und Gegenstände auf Polizisten. Diese setzten Tränengas und Gummigeschosse ein.

Festnahme nach tödlichen Schüssen

Zuvor war ein 17-Jähriger festgenommen worden. Er soll während der gestrigen Proteste zwei Menschen erschossen und eine dritte Person verletzt haben. Die Festnahme erfolgte nach Angaben der Polizei in Antioch, etwa 25 Kilometer von Kenosha entfernt. Er stehe unter Mordverdacht, sagte Polizeichef Norman Johnson. Möglicherweise gehört er einer weißen Bürgerwehr an.

Im Internet kursierte ein Handyvideo, in dem ein junger weißer Mann zu sehen war, der mitten auf der Straße mit einem halbautomatischen Gewehr das Feuer eröffnete. Augenzeugen zufolge erschoss er erst eine Person, wurde dann beinahe von Umstehenden überwältigt und feuerte anschließend wild um sich. Das genaue Motiv des Täters ist noch unklar.

Ermittler: Blake hatte Messer im Auto

In Kenosha waren am Vortag Hunderte Menschen gegen Polizeigewalt auf die Straße gegangen. Auslöser der Proteste war ein Vorfall am Sonntag, bei dem Polizisten dem 29-jährigen Schwarzen Jacob Blake im Beisein seiner Kinder mehrfach in Rücken geschossen hatten.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden habe Blake ein Messer in seinem Fahrzeug gehabt. Das Messer sei auf dem Boden des Innenraums auf der Fahrerseite sichergestellt worden, sagte der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Wisconsin, Joshua Kaul. Der Mann habe den Polizisten zuvor "an einem bestimmten Punkt" gesagt, dass er ein Messer habe, sagte Kaul. In dem Auto seien keine weiteren Waffen gefunden worden.

Blake ist nach dem Vorfall nun wohl gelähmt. Der 29-Jährige habe Verletzungen am Rückenmark erlitten und seine Wirbelsäule sei zerstört. "Es wird ein Wunder für Jacob Blake Jr. brauchen, um je wieder laufen zu können", sagte dessen Anwalt Ben Crump.

Als Reaktion auf die Schüsse auf Blake verschob die Basketball-Liga NBA drei Spiele. Die Liga-Verantwortlichen reagierten damit auf einen Spiel-Boykott der Mannschaft Milwaukee Bucks. Die Mannschaft aus Wisconsin hatte die geplante Partie gegen Orlando Magic boykottiert, um gegen die Polizeischüsse zu demonstrieren.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. August 2020 um 11:00 Uhr.