Eine Frau und ein Junge suchen Schutz vor dem Zyklon in einer Grundschule in Chittagong.

Wirbelsturm in Bangladesch Zyklon weniger schlimm als befürchtet

Stand: 16.05.2013 21:59 Uhr

Der Zyklon Mahasen ist über die Küste Bangladeschs hinweggefegt, doch die Verwüstungen sind offenbar nicht so schlimm wie befürchtet. Zudem waren die Bewohner vorgewarnt, Hunderttausende brachten sich in Sicherheit. Dennoch starben mindestens zehn Menschen.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Bedrohlich hoch waren die Wellen, die der Zyklon an die Küsten des so verwundbaren, weil tiefliegenden Landes Bangladesch peitschte.

Der Sturm entwurzelte Bäume, fegte Hütten hinweg, brachte schweren Regen mit sich. Schon vor Tagen war klar, dass der Zyklon mit dem Namen Mahasen der gefährlichste seit langem sein würde, der die Region heimsuchte. Immerhin: Der Wirbelsturm hatte sich lange vor seiner Ankunft auf dem Festland angekündigt. Er hatte Hunderttausenden Menschen Zeit gegeben, sich in Sicherheit zu bringen. Der Zyklon habe sich abgeschwächt, als er das Land erreichte, berichteten die Meteorologiebehörden. Er wurde später zu einem tropischen Sturm herabgestuft. Dennoch kamen mindestens zehn Menschen ums Leben, darunter ein älterer Mann und ein Kind, die von umstürzenden Bäumen erschlagen wurden.

Der Wirbelsturm bedroht vor allem die Grenzregion von Bangladesch und Myanmar | Karte vergrößern

Mit Lautsprecherwagen fuhren Behördenvertreter durch die Dörfer in Küstennähe. Forderten die Bevölkerung auf, sich ins Landesinnere zu begeben. Insgesamt rund eine Million Menschen ergriffen daraufhin allein in Bangladesch die Flucht. Auch vor der Küste liegende Inseln wurden geräumt. "Wir haben von der Zyklonwarnung gehört", sagt ein Inselbewohner. "Da haben wir uns hierher in Sicherheit gebracht."

"Das Warnsystem funktioniert"

Dunkle Wolken ziehen über die Küste von Bangladesch
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Dunkle Wolken an der Küste von Bangladesch hatten den Zyklon bereits angekündigt.

Bangladesch ist ein Land, das bereits von vielen tödlichen Tropen-Stürmen heimgesucht wurde. Im Jahr 1991 starben an den Folgen eines solchen Zyklons über 130.000 Menschen. Nach diversen Katastrophen dieser Art und auch nach dem Tsunami im Jahr 2004 hat das Land daher, unterstützt mit Geldern aus Saudi-Arabien, tausende sturmsichere Bunker errichtet.

"Die Regierung betreibt eine ganze Reihe von Schutzunterkünften entlang der Küste", erklärt M.K. Aaref, Vize-Chef der Freiwilligenorganisation Safe, die bei Katastrophen in Bangladesch hilft. "Seit dem Zyklon Anfang der 90er sind die Menschen besser vorbereitet, das Warnsystem funktioniert. Viele temporäre Camps wurden errichtet, um dort den Sturm abwarten zu können. Viele fliehen auch in die Städte."

Hoffen, dass die Gefahr vorüberzieht

Mit Lastwagen, mit Fahrrad-Rikschas oder einfach auch zu Fuß hatten sich Hunderttauende in Sicherheit gebracht. Und nahmen in die Not-Unterkünfte so viel mit, wie sie nur konnten: einen Kühlschrank, einen Sack Reis oder auch eine Ziege. Um dann dort, zusammengedrängt auf engstem Raum, darauf zu hoffen, dass die Gefahr schnell vorüberziehen würde.

Auch im Nachbarland Myanmar, dem ehemaligen Birma, hatte der Sturm bange Erinnerungen an den Zyklon Nargis wachgerufen, der im Jahr 2008 mehr als 130.000 Menschen das Leben gekostet hatte. Mahasen, erklärten Wetterexperten, habe an Stärke verloren, während er durch Bangladesch zog. Bis sich feststellen lässt, welche Verwüstung der Tropen-Sturm verursacht hat, wird es noch eine Weile dauern.     

alt Satellitenbild des Wirbelsturms

Zyklon, Taifun & Co.

Tropische Wirbelstürme gibt es in vielen Ozeanregionen. Sobald ihre durchschnittliche Geschwindigkeit mehr als 119 km/h beträgt, bekommen sie regional unterschiedliche Namen. Im Atlantik und Ostpazifik heißen sie Hurrikan, im Westpazifik Taifun und im Nordindischen Ozean Zyklon.

Dieser Beitrag lief am 16. Mai 2013 um 16:51 Uhr auf NDR Info.

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