Menschen an der Küste Bangladeschs vor dem Hintergrund des heranziehenden Wirbelsturms Mahasen.

Wirbelsturm trifft auf Bangladesch und Myanmar Angst vor "Mahasen"

Stand: 16.05.2013 11:36 Uhr

Der Wirbelsturm "Mahasen" hat an der Küste Bangladeschs erste Tote gefordert. Auch im benachbarten Myanmar, wo Zehntausende in Notunterkünften leben, grassiert die Angst: Dort hatte ein Zyklon im Jahr 2008 rund 130.000 Tote gefordert.

Von Nicola Glass, ARD-Hörfunkstudio Bangkok

"Mahasen" naht - und viele Menschen im Grenzgebiet zwischen Bangladesch und Myanmar sehen dem Ungewissen entgegen.

In Myanmar, dem früheren Birma, ist die Lage ohnehin prekär: Seit den blutigen Unruhen zwischen Buddhisten und muslimischen Rohingya im Juni und Oktober 2012 wurden im westlichen Bundesstaat Rakhine bis zu 140.000 Menschen vertrieben. Die meisten von ihnen sind Rohingya und andere Muslime, die von aufgehetzten Menschenmengen und mit Rückendeckung von buddhistischen Mönchen, nationalistischen Politikern und Sicherheitskräften angegriffen worden waren.

Zehntausende Vertriebene leben in Camps oder in Notunterkünften unter unwürdigen Bedingungen. Die rund 800.000 Rohingya in Myanmar werden nicht als eine der ethnischen Minderheiten des Landes anerkannt, sondern als illegale Einwanderer aus dem benachbarten Bangladesch betrachtet.

"Wenn ich sterbe, will ich hier sterben"

Muslimische Rohingya in Myanmar
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Zehntausende Vertriebene leben in Myanmar in Camps oder in Notunterkünften.

Angesichts des heraufziehenden Zyklons "Mahasen" sind Evakuierungen angelaufen. Doch manche Bewohner in den Camps weigern sich, diese zu verlassen - aus Hoffnungslosigkeit und aus Angst: "Ich habe meine Mutter und meine beiden kleinen Töchter während der Unruhen verloren. Ich habe alles verloren", beklagt der 38-jährige Hla Maung. Wenn der Sturm kommt, werde er zu Allah beten.

Alle hier im Camp wollten durch den Sturm sterben, denn sie hätten bereits alles verloren, sagt Maung weiter. "Ich will nirgendwo mehr hingehen. Ich bleibe hier. Und wenn ich sterbe, dann will ich hier sterben."

Jedenfalls wäre es kein Wunder, wenn die Vertriebenen den Autoritäten nicht mehr vertrauen. Erst kürzlich hatte die Organisation "Human Rights Watch" Myanmars Regierung und Armee ethnische Säuberungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor allen an den Rohinyga vorgeworfen, ohne dass die mutmaßlich Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurden.

Offiziellen Berichten zufolge bemüht sich die Regierung darum, Zehntausende Menschen zu evakuieren. Allerdings hatte "Human Rights Watch" erst am Dienstag erklärt, die bisherigen Ansätze seien völlig unzureichend.

"Die Lage ist ein Desaster"

Damit nicht genug: Schon längst, so hatte Phil Robertson, Vize-Asienchef der Organisation erklärt, sei die Regierung aufgefordert worden, den Vertriebenen zu helfen - und das möglichst vor Beginn der Regenzeit: "Wir sind nur Wochen von einer humanitären Katastrophe größeren

Ausmaßes entfernt." Tatsächlich könne man sagen, dass eine humanitäre Katastrophe längst stattfinde,"nur wird diese noch schlimmer werden".

Robertson nannte die Lage "ein Desaster, das entstanden ist aus einer Politik der absichtlichen Aussonderung und Unterdrückung". Die überwiegende Mehrheit der Muslime befinde sich in Camps, die Ghettos ähnelten. Viele seien nicht entsprechend mit Essen versorgt und hätten keine entsprechende medizinische Versorgung oder Schutz.

Wie ernst es Myanmars Regierung und Präsident Thein Sein wirklich damit ist, die von ethnischer Gewalt Betroffenen vor einer möglichen Naturkatastrophe zu retten, muss sich zeigen. Im Jahr 2008 hatte der Zyklon "Nargis" Teile des Landes verwüstet und mindestens 138.000 Menschen in den Tod gerissen. Die damalige Militärjunta stand wegen schleppender Hilfe international am Pranger. Thein Sein war zu der Zeit Premierminister.

Der Wirbelsturm bedroht vor allem die Grenzregion von Bangladesch und Myanmar | Karte vergrößern

alt Satellitenbild des Wirbelsturms

Zyklon, Taifun & Co.

Tropische Wirbelstürme gibt es in vielen Ozeanregionen. Sobald ihre durchschnittliche Geschwindigkeit mehr als 119 km/h beträgt, bekommen sie regional unterschiedliche Namen. Im Atlantik und Ostpazifik heißen sie Hurrikan, im Westpazifik Taifun und im Nordindischen Ozean Zyklon.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Mai 2013 um 12:00 Uhr.

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