Gesperrte Straße in Manassas, Virginia, nach Schneesturm

Schnee- und Eissturm in 20 US-Bundesstaaten "Ein brutaler Winter"

Stand: 14.02.2014 01:11 Uhr

Von Alabama im Süden bis zu den Neuengland-Staaten im Norden liegen die USA unter einem Schnee- und Eispanzer. Mindestens 17 Menschen kamen ums Leben. Hunderttausende sind ohne Strom. Busse, Züge und Tausende Flüge fielen aus.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Hörfunkstudio Washington

Es passiert selten, dass sich Amerikaner über das Wetter beklagen. Doch diesen Winter sind die meisten US-Bürger leid: "Das ist einfach ein brutaler Winter", sagt der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie. "Es wird einfach nicht wärmer." Mindestens 17 Menschen kamen bislang ums Leben, die meisten von ihnen bei Verkehrsunfällen.

Erneut hat ein Schnee- und Eissturm 20 Bundesstaaten fest im Griff: Von Alabama im Süden bis zu den Neu-England-Staaten im Nordosten sind über 100 Millionen US-Bürger betroffen. In Washington fielen in einer Nacht 30 Zentimeter Schnee, in Baltimore und Philadelphia fast 40 Zentimeter. Auch in New York und Boston werden bis zu 40 Zentimeter erwartet. Mehr als 9000 Flüge wurden seit Mittwoch gestrichen. Schulen und öffentliche Einrichtungen blieben geschlossen. US-Präsident Barack Obama erklärte mehrere Bundesstaaten zum Notstandsgebiet.

"Halten sie Batterien und Taschenlampen bereit"

Besonders hart hat es das sonst eher sonnenverwöhnte North Carolina erwischt. Tausende Autofahrer hatten die Warnungen ignoriert und blieben auf den Autobahnen stecken. Gouverneur Pat McCrory appellierte an die Bürger, gar nicht erst das Haus zu verlassen: "Machen Sie jetzt bloß keine Dummheiten! Halten Sie Batterien und Taschenlampen bereit und ziehen Sie warme Kleider an."

Auch in der Hauptstadt Washington geht so gut wie nichts mehr. Behörden und Regierungseinrichtungen machten dicht. Auch die Flughäfen blieben geschlossen; Busse und Züge fielen aus. Vor allem in den südlichen Bundesstaaten, die Schnee und Eis nur selten erleben, verteilte die Nationale Katastrophenschutzbehörde FEMA Essen, Wasser und Decken. Auch die Nationalgarde half, einer von ihnen ist National Guard Robert Ayers: "Sehr viele Bäume sind umgekippt. Viele Autos haben wir aus Gräben gezogen, oder wir bringen Leute zum Arzt."

Hunderttausende ohne Strom

Wie immer, wenn ein Schnee- oder Eissturm über Amerika hinwegfegt, sind die maroden Stromleitungen das Hauptproblem. Durch die Last von Eis und Schnee stürzen Äste und Bäume auf die Stromleitungen. In der ganzen Wohngegend geht dann das Licht aus. Rund 800.000 US-Haushalte müssen derzeit ohne Strom auskommen. Tendenz weiter steigend.

Viele Bürger haben sich bereits mit Vorräten eingedeckt: "Ich habe Brot und Cerealien eingekauft und Suppe mit Crackern. Was man halt leicht zubereiten kann", sagte eine Frau. Bis der Strom wiederkommt, können Tage vergehen. Erschwerend hinzu kommt, dass in vielen US-Städten die Salzvorräte knapp werden. Und im Mittleren Westen, der seit Dezember konstante Minustemperaturen erlebt, sind selbst die Großen Seen zu 90 Prozent zugefroren. Das gab es seit 20 Jahren nicht mehr.

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