Ein Mann läuft durch den Winterwind in Scranton, Pennsylvania | Bildquelle: AP

Minusgrade in den USA Kälter als in der Antarktis

Stand: 31.01.2019 09:36 Uhr

Arktische Temperaturen machen weiten Teilen der USA zu schaffen. Mehrere Menschen starben bereits an den Folgen des frostigen Wetters. In einigen Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Die Kälte hat den Mittleren Westen der USA fest im Griff. Die Menschen versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. Betroffen sind 22 Staaten, darunter North und South Dakota, Nebraska, Iowa, Illinois und Wisconsin, auch Großstädte wie Detroit oder Chicago.

Sie könne ihre Hände nicht spüren, sagte eine Frau in Chicago, es sei unerträglich und gefährlich. Eine andere Frau beklagte, es sei hart, einzuatmen. Es beeinträchtige ihre Lunge.

Gefahr für die Gesundheit

Die Temperaturen brechen Minusrekorde, in manchen Orten ist es gerade kälter als in der Antarktis. In Fargo, North Dakota, wurden minus 35 Grad Celsius gemessen, in Minneapolis minus 32 Grad. Wenn man den Wind dazu nimmt, kann es sogar noch kälter sein.

Ärzte warnen: Nur wenige Minuten an der kalten Luft können da schon gefährlich sein. Der Arzt Matthew Connelly aus Indianapolis zählte im Lokalfernsehen mögliche Folgen auf: "Taubheit, Verfärbungen an Fingerspitzen oder der Nase. Langzeitfolgen könnten chronische Verfärbungen sein, und sogar Amputationen - so furchteinflößend das ist."

Gouverneure rufen Notstand aus

Das ist ein Grund, warum die amerikanische Post in einigen Bundesstaaten ihre Lieferungen eingestellt hat. Schulen und Universitäten sind geschlossen. Allein am Flughafen von Chicago wurden über 1000 Flüge gestrichen. Die Bedingungen für die Mitarbeiter auf dem Rollfeld sind hart, darum dauere alles länger, sagte ein Airline-Sprecher.

Im Großraum Chicago wurde auf einigen Strecken der Zugverkehr eingestellt. Auf vielen Straßen gab es Massenkarambolagen. Mehrere Gouverneure erklärten den Notstand, so wie J.B. Pritzker in Illinois. "Dieser Sturm ist eine ernsthafte Bedrohung für Leute überall in unserem Staat", sagte er. "Darum erklärte ich den Notstand, so dass wir alles nutzen können, um unsere Bürger zu schützen."

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Arktische Kälte überzieht Mittleren Westen der USA

Blick auf die Skyline von Chicago

Der Mittlere Westen der USA wird von einer Kältewelle mit Südpol-Temperaturen erfasst. Die Menschen in Chicago im Bundesstaat Illinois müssten sich auf Rekordtemperaturen von minus 33 Grad Celsius einstellen - das sei kälter als in Teilen der Antarktis, sagte CNN-Meteorologe Dave Hennen. | Bildquelle: KAMIL KRZACZYNSKI/EPA-EFE/REX

Mehrere Todesfälle

Im Blick sind besonders Obdachlose: Städte schicken Streifen auf die Suche nach Menschen, die immer noch draußen ausharren. In Chicago richtete die Stadt für alle, die nicht zu den Notunterkünften gehen wollen, Busse als Wärmestuben ein. In Detroit sind die Obdachlosenheime an ihrer Belastungsgrenze. In vielen Orten helfen Kirchengemeinden aus.

US-Medien berichteten nach dem eisigen Mittwoch von acht Toten in Verbindung mit der Kältewelle. In Chicago etwa wurde ein Mann von einem Schneepflug getroffen, in Milwaukee kollabierte ein Mann beim Schneeschippen und starb.

Ende in Sicht

Verantwortlich für den Kälteeinbruch ist der Polarwirbel, kalte Luft, die normalerweise um den Nordpol kreist. Laut Meteorologen führte warme Luft aus Marokko dazu, dass sich die Luft über dem Nordpol erwärmte, sich der Polarwirbel spaltete und damit kalte Luft weiter nach Süden strömt.

Die Vorhersagen gehen davon aus, dass der Kälteeinbruch in wenigen Tagen wieder vorbei sein wird.

Arktische Kälte in den USA: Temperaturen brechen Minusrekorde
Jan Bösche, ARD Washington
31.01.2019 09:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 30. Januar 2019 um 23:45 Uhr.

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