Windpark am "Lake Turkana" im Norden Kenias

Windpark in Kenia Sauberer Strom, aber nicht für alle

Stand: 11.03.2019 15:00 Uhr

Im Nordwesten Kenias hat der größte Windpark südlich der Sahara seinen Betrieb aufgenommen. Damit will das Land künftig rund ein Fünftel seines Strombedarfs decken. Vor Ort kommt davon aber erstmal nichts an.

Von Caroline Imlau, ARD-Studio Nairobi

Hier liegt die Zukunft gleich neben der Vergangenheit: ein Windpark mit 365 Turbinen in der dünn besiedelten öden Halbwüste im hohen Norden, nahe der Grenze zu Äthiopien. Gerade ist der Windpark am Turkanasee ans Netz gegangen.

Mehr als 20 Prozent der Stromversorgung Kenias sollten hier produziert werden. Doch da das Netz in dem ostafrikanischen Land recht marode ist, können einzelne Anlagen nur Schritt für Schritt in Betrieb gehen. Und jede der Turbinen verfügt zwar nur über eine geringe Leistung von 850 kW - dennoch ist der Windpark der größte südlich der Sahara.

Fischer auf dem Turkanasee
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Die Fischer am Turkanasee hatten sich vom Windpark Anschluss ans Stromnetz erhofft.

Bevölkerung profitiert nicht von der Windanlage

Von den 47 Millionen Kenianern verfügen längst nicht alle über Strom. Paradoxerweise gilt das trotz des neuen Windparks auch für die Fischer vom Turkanasee. Sie hatten sich mehr von dem Park erhofft. Jetzt sind sie sauer.

"Wir wollen Elektrizität - schließlich ist das unser Recht", sagt der Fischer Taran Lepolote Kanyo. Den Fisch, den sie mit ihren kleinen Booten fangen, können sie ohne Strom nicht kühlen und nicht lagern. So haben sie kaum eine Chance auf wirtschaftliche Entwicklung.

Betreiberfirma beruft sich auf gesetzliche Regelungen

Starre Strukturen behindern, dass die Fischer ans Stromnetz angeschlossen werden. "Nach den Gesetzen und Regulierungen in Kenia über die Energieversorgung kann unser Unternehmen nicht selbst Energie an die dörflichen Gemeinschaften geben", erklärt der Direktor der "Lake Turkana Wind Power", Rizwan Fazal. "Wir dürfen nur an die zentrale 'Kenia Power' verkaufen - nur sie sind dafür lizensiert und dürfen den Strom abnehmen."

So wird es also noch Jahre dauern, bis in dieser Gegend auch nur eine Zapfsäule an der Tankstelle funktioniert - denn ohne Strom geht nicht mal das.

Menschen betanken ein Auto mit einem Kanister
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In der Region müssen Autos mit Kanistern betankt werden - denn für Zapfsäulen fehlt der Strom.

Leitungen in die Wildnis

Eines der größten Probleme des Projekts ist der Netzanschluss. Die Leitungen mussten erst aufwendig in die Wildnis gelegt werden. Trotzdem besteht die Gefahr, dass das relativ kleine Stromnetz des Landes mit der Menge an Energie überfordert sein könnte.

In den kommenden Jahren bis 2030 will Kenia seinen Anteil an der Windenergie auf über 2000 Megawatt ausbauen. Geplant ist ein Anteil der erneuerbaren Energien von 60 Prozent am Strommix bis 2020. Bis dahin kann dann hoffentlich auch das Netz mithalten. Bislang hatte das Land vor allem auf Wasserkraft gesetzt. Wegen des Klimawandels schwinden allerdings die Wasserressourcen.

Für die Fischer gibt es wenig Aussicht auf Besserung

Der Fischer Lekaroi Lekula wünscht sich eine bessere Zukunft und hofft, dass auch er endlich Strom bekommt. Die Versprechungen der Regierung, dass mit einer besseren Infrastruktur in ein paar Jahren der Strom auch in ihre Region kommt, reichen ihm nicht.

"Ich fühle mich schlecht, dass wir nicht von dem Windpark profitieren", sagt Lekula. "Es ist, als würden sie all unsere Hoffnungen töten. Gleich neben uns ist der Strom, aber wir sind einfach nicht verbunden."

Über dieses Thema berichtete das Erste am 03. März 2019 um 12:45 Uhr im "Europamagazin".

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