Vor 25 Jahren kam Windows auf den Markt Der Siegeszug des Personal Computers

Stand: 04.04.2015 05:59 Uhr

Heute gehört der Computer unverzichtbar zur modernen Gesellschaft dazu. Doch vor gerade einmal 25 Jahren wurden die ersten Rechner von Microsoft noch belächelt. Dann brachte die Firma von Bill Gates die Software "Windows" auf den Markt - und revolutionierte die Computerwelt.

Von Jan Tussing, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles

Das hier ist der Küchencomputer", sagt der Leiter des Computer-Museums im kalifornischen Silicon-Valley, Dan Spicer, und zeigt auf eine sperrige Kiste. Sie ist etwa so groß wie ein Fiat Panda. "Er war ein Witz im Weihnachtskatalog von 1969 des luxuriösen Warenhauses Neiman Marcus. Es  gab diamantenbestickte Büstenhalter für eine Million Dollar, einen Streichelzoo für 30.000 Dollar, und dieser Küchencomputer kostete 10.000 Dollar, damals der Preis für ein Eigenheim. Die amerikanische Hausfrau sollte hier ihre Rezepte speichern können, nur leider gab es keinen Bildschirm, und keinen Input-Output-Mechanismus. Nur Knöpfe."

Der Input-Output-Mechanismus, also der Bildschirm, von dem Dag spricht, ist im Grunde die Anwendung auf der Benutzeroberfläche. Das Fenster zum Computer. Fenster heißt auf englisch "window". Als Microsoft vor 25 Jahren die Computersoftware Windows erfindet, entsteht zum ersten Mal eine benutzerfreundliche Oberfläche. "Bill Gates baute die erste Softwarefirma der Welt", sagt Steve Jobs, Chef des Softwarekonzerns Apple. "Und zwar, bevor noch irgendjemand überhaupt wusste, was eine Softwarefirma war. Das war enorm, das war ein riesiger Schritt."

Der Gutenberg der Computerindustrie

Microsoft-Gründer Bill Gates in jungen Jahren
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Da war er schon reich: Bill Gates stellt 1990 die neueste Version von "Windows" vor.

Als Microsoft am 20. November 1985 Windows 1.0 auf den Markt bringt, nimmt der Siegeszug des Personal Computers in die Haushalte weltweit seinen Anfang. Gates revolutioniert die Branche. Er ist der Gutenberg der Computerindustrie. Schon damals legten Mac-Computer von Apple und Personal Computer von Microsoft den Grundstein für die Kommunikation der heutigen Gesellschaft.

"Aber die Debatte drehte sich nicht so sehr um Mac in Konkurrenz zu Windows", sagt Gates, der Gründer von Microsoft, "sondern es ging um die Oberfläche. Mac beruhte auf Programmiersprachen, die der Anwender erst lernen musste. Der PC dagegen beruhte auf einer benutzerfreundlichen intuitiven, graphischen Software."

Heute ist es das Normalste auf der Welt, mit seinem Computer zu spielen, E-Mails zu verschicken oder Fotos zu archivieren. In den 80er-Jahren dagegen wurde der PC noch belächelt. "Erst als Anfang der 90er Jahre der 386er herauskommt, der mehr Speicher hat und schneller ist, wächst das  Vertrauen in die neue Technologie", so Gates. Mit Windows erzielt Microsoft auch heute noch - 25 Jahre später - zwei Drittel seines Gewinns. Windows machte Gates zum reichsten Mann der Welt. Und dank dieser Software hat heute jeder Mensch einen Computer zu Hause stehen. Windows wurde weltweiter Standard.

Die Geräte von morgen stehen schon bereit

Wie viele Küchencomputer wären 1969 wohl verkauft worden, wenn die Benutzeroberfläche mit Windows gelaufen wäre? Wie viele Hausfrauen hätten begeistert ihre Rezepte archivieren können? So aber mussten die armen Damen sich erst mal zum Computerspezialisten ausbilden lassen, um den Computer überhaupt zu bedienen. "Im Grunde hatte er keinen praktischen Nutzen", sagt Spicer. "Und niemand hat den Küchencomputer damals daher auch bestellt."

Heute steht das monstergroße Ding im Computer History Museum in San José - neben vielen anderen Computern. Aber wer weiß: Vielleicht landet schon bald auch der PC auf dem Hardwarefriedhof. Denn mit Smartphones, und IPads stehen bereits die Geräte von morgen in den Startlöchern. Bald schon trägt jeder seinen Computer immer mit sich herum. Aber nicht vergessen: Ohne Windows säßen wir alle heute noch in der technologischen Steinzeit.

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