Ein Händler verkauft tote Fledermäuse auf einem Wildtiermarkt auf Sulawesi. | Bildquelle: AFP

Internationale Studie Regulierter Tierhandel senkt Pandemierisiko

Stand: 17.11.2020 13:20 Uhr

Ebola, Aids oder Covid-19 - viele Epidemien der vergangenen Jahrzehnte gingen von Tieren aus. Ein internationales Forscherteam spricht sich deshalb dafür aus, den Handel mit Wildtieren stärker zu reglementieren.

Eine wirksame Gesetzgebung für den Wildtierhandel könnte nach Ansicht eines internationalen Forscherteams mit Beteiligung der Universität Göttingen zukünftige Pandemien verhindern. Viele Krankheiten, darunter auch Covid-19, seien vom Tier zum Menschen übergesprungen, erklärten die Wissenschaftler. Weitere Epidemien, die von tierischen Wirten ausgehen, seien unvermeidlich, wenn nicht schnell Maßnahmen ergriffen würden.

Die Forscher forderten die Regierungen auf, wirksame Rechtsvorschriften zu erlassen, die den Handel mit Wildtieren regulieren, Lebensräume schützen sowie die Interaktion zwischen Mensch, Wildtieren und Nutztieren einschränken. Nur solche Maßnahmen gewährten Schutz vor künftigen Pandemien, die noch schwerwiegender als Covid-19 sein könnten.

Viele Erreger kommen von Tieren

In den vergangenen 30 Jahren ist die Mehrzahl der Krankheitserreger, die der menschlichen Gesundheit und der Wirtschaft erheblichen Schaden zugefügt haben, den Wissenschaftlern zufolge von Wildtieren oder Nutztieren ausgegangen. Zu diesen Krankheiten gehörten zum Beispiel Ebola, Aids, SARS und wohl auch Covid-19. Zwei Hauptfaktoren, die solche Ausbrüche erleichterten, seien der Handel mit Wildtieren und die Zerstückelung des natürlichen Lebensraums, hieß es. Beides sorge dafür, dass ein direkter Kontakt zwischen Mensch und Wildtieren ermöglicht werde und häufiger stattfinde.

Tiere auf Wildtiermärkten seien oft in einem überfüllten und unhygienischen Umfeld untergebracht, so die Autoren der Studie. Dies sei "eine perfekte Umgebung für Krankheitserreger, die auf den Menschen überspringen können". Darüber hinaus würden natürliche Lebensräume gerodet, um den Ansprüchen einer wachsenden Bevölkerung gerecht zu werden. Das bringe Vieh und Menschen in engeren Kontakt mit den wilden Wirten potenzieller Krankheitserreger.

Larvenroller werden auf einem Fleischmarkt für Wildtiere in Guangzhou (China) angeboten. | Bildquelle: picture-alliance / dpa/dpaweb
galerie

Larvenroller werden auf einem Fleischmarkt für Wildtiere in Guangzhou (China) angeboten.

Regulierung ja - Verbote nein

Die Regierungen Chinas, Vietnams und Koreas hätten erkannt, dass Covid-19 möglicherweise aus Wildtiermärkten hervorgegangen sei, erklärten die Forscher. Sie hätten seit dem Ausbruch der Pandemie eine Form der Regulierung zur Kontrolle des Wildtierhandels eingeführt. Diese Maßnahmen könnten als Vorbilder für andere Länder dienen.

Von einem plötzlichen generellen Verbot von Wildtiermärkten raten die Wissenschaftler indes ab. Dies habe unverhältnismäßig große negative Auswirkungen auf benachteiligte, zugewanderte und ländliche Bevölkerungsgruppen, die für ihren Lebensunterhalt auf solche Märkte angewiesen seien.

Bevor es zu Verboten komme, sollten andere Schritte in Erwägung gezogen werden. Regierungen könnten etwa mit lokalen Gemeinschaften zusammenarbeiten, um alternative Verdienstmöglichkeiten zu schaffen und zu erhalten. "Die Coronavirus-Pandemie hat unsere Energie unweigerlich auf den Umgang mit der Krankheit konzentriert", sagte Trishna Dutta von der Abteilung Wildtierwissenschaften der Universität Göttingen. "Aber um den nächsten Ausbruch, in welcher Form auch immer, zu verhindern, muss erkannt werden, dass sich die Beziehung des Menschen zur Natur ändern muss."

UN vermuten Hunderttausende potenziell gefährliche Viren

Im Oktober hatte Bundesumweltministerin Svenja Schulze ebenfalls mehr Natur- und Artenschutz gefordert - auch um das Risiko neuer Pandemien zu verringern. "Die Naturzerstörung ist die Krise hinter der Krise", sagte Schulze mit Blick auf die Corona-Pandemie. Sie bezog sich auf Studien des UN-Biodiversitätsrats (IPBES), wonach Naturzerstörung zu mehr und noch gefährlicheren Pandemien führen dürfte.

Konkret forderte die Ministerin, den unkontrollierten Wildtierhandel zu bekämpfen und Naturzerstörung zu stoppen. Die Ursachen für das Entstehen von Pandemien seien "dieselben, die auch zum Verlust biologischer Vielfalt und zum Klimawandel führen", warnte Schulze. Zwei wesentliche Probleme seien dabei die weltweite Intensivierung der Landwirtschaft sowie der Handel mit Wildtieren.

Bei einer Fortsetzung der gegenwärtigen Lebensweise müssen sich die Menschen nach Einschätzung des UN-Biodiversitätsrats darauf einstellen, dass Pandemien in Zukunft häufiger auftreten und höhere Totenzahlen verursachen. Es gibt demnach bei Tieren bis zu 850.000 Viren, die wie das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 auf Menschen überspringen könnten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Oktober 2020 um 19:11 Uhr.

Darstellung: