Banff-Nationalpark in Kanada | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Studie veröffentlicht Die Wildnis wird immer kleiner gemacht

Stand: 01.11.2018 09:39 Uhr

Weniger als ein Viertel der Erdoberfläche sind noch Wildnis - dabei ist die für Artenreichtum und Klima unerlässlich. Die meisten Gebiete kontrollieren zudem Regierungen, die wenig vom Umweltschutz halten.

Land- und Seegebiete, in denen die Menschheit so gut wie nicht eingreift, bedecken nur noch ein Viertel der Erde. Das zeigt eine vom Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlichte Studie. "Zum ersten Mal haben wir sowohl Wildnis an Land und im Wasser kartiert und festgestellt, dass nicht mehr viel übrig ist", sagte Hauptautor James Watson der Nachrichtenagentur AFP.

Die Forscher nutzten Open-Source-Daten zu acht Indikatoren menschlicher Einflüsse auf die Wildnis, darunter städtische Umgebungen, landwirtschaftliche Nutzflächen und Infrastrukturprojekte.

Blick auf den Grand Canyon | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER
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Der Grand-Canyon-Nationalpark in den USA: Präsident Trump bezweifelt, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht wurde und stieg aus dem Pariser Klimaabkommen aus.

Nicht mal mehr ein Viertel der Fläche unberührt

Wegen der massiven Nutzung unter anderem von Wäldern und Ölreserven durch die Menschen sowie wegen des Bevölkerungswachstums sind der Studie zufolge nur noch 23 Prozent der Natur an Land unberührt - vor hundert Jahren waren es 85 Prozent. Allein zwischen 1993 und 2009 wurde den Angaben zufolge eine Fläche von der Größe Indiens für Siedlungen, Landwirtschaft und die Ausbeutung von Bodenschätzen nutzbar gemacht.

Für die Meere werteten die Forscher Daten über Fischerei, industrielle Schifffahrt und den Abfluss von Düngemitteln aus. Nur 13 Prozent der Meeresgebiete sind demnach fast oder gänzlich unberührt.

Watson sagte, eine Interpretation der Studie sei, "dass die Alarmglocke schrillt". "Eine andere ist, dass es Zeit ist, umzudenken und Führungsstärke zu zeigen. Denn um Wildnis zu erhalten, müssen Industrie und Menschen ferngehalten werden."

Wasserfall in den Blue Mountains (Australien) | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER
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Australien hat weltweit die drittgrößte Wildnis. Hier zu sehen: ein Wasserfall in den Blue Mountains.

Flussvegetation in Brasilien | Bildquelle: picture alliance / blickwinkel/F
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In Brasilien droht nach dem Machtwechsel offenbar noch mehr Gefahr für den Amazonas-Regenwald.

Fünf Regierung haben besondere Verantwortung

Der Großteil der unberührten Natur auf der Erde liegt auf dem Staatsgebiet von nur fünf Ländern: Laut der Studie beherbergen Australien, Brasilien, Kanada, Russland und die USA mehr als 70 Prozent der letzten Wildnis des Planeten.

Die fünf Länder hätten die große Verantwortung, den Rest der Wildnis zu erhalten, sagte Autor Watson von der Universität von Queensland in Australien. Die meisten von ihnen hätten allerdings aber Regierungen, die sich kaum für Natur- und Klimaschutz einsetzten.

So kündigte US-Präsident Donald Trump das Pariser Klimaschutzabkommen, und in Brasilien wurde erst am Sonntag Jair Bolsonaro zum Präsidenten gewählt, der die Interessen der Agrarlobby über den Schutz des Amazonas-Regenwaldes stellt. Russlands Präsident Wladimir Putin wiederum hatte im vergangenen Jahr angezweifelt, dass der Klimawandel von Menschen verursacht wird. Auch Kanadas Regierungschef Justin Trudeau sorgte 2016 mit der Genehmigung für eine umstrittene Pipeline für Empörung.

Blick auf den Fluss Jenissei in Russland | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Das größte Land Russland hat weltweit auch die größte verbliebene Wildnis: mehr als 15 Millionen Quadratkilometer.

"Erosion der Wildnis unumkehrbar"

Die Umweltorganisation WWF hatte erst am Dienstag erklärt, dass die Menschheit weiterhin mehr natürliche Ressourcen verbrauche als die Erde reproduzieren könne. Die Organisation warnte vor einem drastischen Rückgang der Zahl der Wildtiere.

Watson und seine Kollegen schreiben, der Wildnis drohe dasselbe Schicksal wie den Tieren. "Ähnlich dem Aussterben von Arten ist die Erosion der Wildnis unumkehrbar", heißt es in der Studie. Die Staaten müssten Gesetze zum Schutz der Natur verabschieden und die Ansiedlung von Industrie untersagen. "Die Natur braucht eine Pause", sagte Watson.

Unberührte Natur ist ein wichtiger Rückzugsort für zahlreiche Tierarten, die riesigen Wälder etwa in Kanada, Russland oder Brasilien sind wichtige CO2-Speicher und leisten damit einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Oktober 2018 um 16:00 Uhr.

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