Blick auf einen Swimming-Pool mitten in Wien | Bildquelle: Srdjan Govedarica

Stadtraumprojekte in Wien Pop-up-Pool auf der Kreuzung

Stand: 14.08.2020 15:10 Uhr

Direkt auf eine viel befahrene Straße hat die Stadt Wien einen erfrischenden Pool gesetzt. Zudem gibt es noch 22 "coole Straßen" mit Liegestühlen und Nebeldusche. Politisch schlägt das Wellen.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Die kleine Ruby findet es "sehr gut" mitten auf dem viel befahrenen Wiener Gürtel ins Wasser springen zu können. Andere müssen sich noch daran gewöhnen. Ein Student sagt: "Es fühlt sich schon komisch an - die Bims (Straßenbahnen) fahren vorbei, die ganzen Autos fahren vorbei, es ist laut. Aber ich finde, es ist zumindest ein Versuch zu zeigen: Wien kann auch anders sein."

Kreuzung mit Kunstrasen und Kiosk

Der Pool ist Teil des Projekts "Gürtelfrische West". Genau an der Grenze zwischen dem 7. und dem 15. Wiener Bezirk hat die Stadtverwaltung eine siebenspurige Kreuzung gesperrt und will den Wienern einen Urlaub zu Hause ermöglichen, wie es in der Ankündigung heißt.

Neben dem kleinen Pool, in dem coronabedingt nur sechs Personen gleichzeitig schwimmen dürfen, liegt auf der Kreuzung Kunstrasen. Liegestühle, Grünpflanzen und ein Kiosk runden das Freibadgefühl ab. Auf einer kleinen Hozlbühne im anliegenden Park gibt es Konzerte und Vorstellungen für Kinder und Erwachsene.

Blick auf einen Swimming-Pool mitten in Wien | Bildquelle: Srdjan Govedarica
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Kleine grüne Oase rund um den Kreuzungs-Pool in Wien

Projekt kostet 150.000 Euro

Grünen-Politikerin Isabelle Uhl ist stellvertretende Bezirksvorsteherin im 7. Bezirk. Auf die Frage, wie man auf die Idee kommt, einen Pool auf eine Kreuzung zu stellen, antwortet sie lachend: "Weil es schön ist, dass man einfach irgendwo mitten in der Stadt in ein kühles Nass springen kann, wenn es jetzt wie gerade heute 30 Grad hat. Und im Ernst: weil wir gerade den Stadtraum neu denken."

Die Idee gefällt nicht jedem und so gibt es in Wien viele Diskussionen um den sogenannten Pop-up-Pool. Die einen finden es irrsinnig, eine große Kreuzung für einen Pool zu sperren, andere kritisieren die Gesamtkosten von 150.000 Euro als viel zu teuer.

Blick auf einen Swimming-Pool mitten in Wien | Bildquelle: Srdjan Govedarica
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Wahlkampfmanöver oder Vision für Stadtraumentwicklung? Blick auf den Pop-up-Pool zwischen dem 7. und dem 15. Wiener Bezirk.

"Wiener meckern halt gerne"

Da in Wien im Oktober Landtags- und Gemeinderatswahlen anstehen, wittern einige auch ein Wahlkampfmanöver der rot-grünen Stadtregierung. Eine Frau, die ihrer Tochter gerade beim Planschen zuschaut, schüttelt den Kopf und meint: "Ja, die Wiener meckern halt gerne, das gehört halt auch dazu."

Der Pool wird Ende August wieder abgebaut. Die Kreuzung gehört dann wieder dem Stadtverkehr.

Pilotprojekt für die Zukunft?

Gerhard Zatlokal, sozialdemokratischer Bezirksvorsteher des 15. Bezirks, hofft, dass aus dem Pool-Projekt Erkenntnisse für die Zukunft gewonnen werden können:

"Vielleicht kann man in fünf bis zehn Jahren dazu übergehen, das Ganze ohne Emotionen zu diskutieren, und vielleicht dann zukünftig diese Fläche endgültig den Bewohnerinnen und Bewohnern dieser Bezirke oder auch der Wiener Bevölkerung zur Verfügung stellen."

Blick auf einen Swimming-Pool mitten in Wien | Bildquelle: Srdjan Govedarica
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Begrüßung für die "Coole Straße"-Besucherinnen und - Besucher

Liegestühle und Nebeldusche statt Autos

Auch woanders in der Stadt bekommen die Wiener Stadtraum zur Verfügung gestellt. 22 Straßen hat die Stadt in sogenannte coole Straßen umgewidmet. Autos dürfen bis zum 20. September in den meisten dieser Straßen weder fahren noch parken, Liegestühle und Grünpflanzen laden zum Entspannen ein, Nebelduschen bringen Abkühlung.

Im 9. Bezirk gönnt sich ein Paar aus Deutschland in einer solchen "coolen Straße" eine Verschnaufpause. "Tatsächlich bin ich in der Wohnung geflohen, weil es da zu warm war. Bin zufällig vorbeigekommen und es ist echt cool", meint er. Und seine Begleiterin fügt hinzu: "Es ist ein guter Spot hier, es ist immer ein bisschen Durchzug, daneben ist ein Sprühnebel mit Wasser. Es ist schon gut gemacht."

Vier Straßen sollen "cool" bleiben

Mindestens vier der coolen Straßen in Wien sollen dauerhaft cool bleiben. Dort werden Bäume gepflanzt und der dunkle Asphalt durch helles Pflaster ersetzt. Nach Angaben der Stadt Wien kann sich die Umgebungstemperatur auf diese Weise um bis zu fünf Grad senken lassen.

Keine schlechten Aussichten, denn die Wiener Sommer können sehr heiß werden. Im vergangenen Jahr wurden an 38 Tagen Temperaturen von über 30 Grad gemessen.

Coole Stadt: Wien kämpft gegen die Hitze
Srdjan Govedarica, ARD Wien
14.08.2020 14:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. August 2020 um 05:38 Uhr.

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