Eine Frau läuft durch Trümmer in der syrischen Stadt Homs | Bildquelle: AP

Krieg in Syrien Neuanfang zwischen Trümmern

Stand: 29.01.2018 17:07 Uhr

Der Krieg in Syrien hat die Stadt Homs schwer getroffen, ein Drittel aller Gebäude ist zerstört. Doch immer mehr Menschen kehren in ihre alte Heimat zurück, versuchen den Neuanfang.

Von Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo

Wieder zu Hause zu sein, markiert für ihn das Ende jahrelangen Leidens. Rabie Sahloul floh mit seiner Familie 2011 aus Homs. Drei Mal sind sie seither umgezogen. Immer auf der Flucht vor Bomben, Hunger, Not im Bürgerkrieg von Syrien.

2016 kam der Schreiner zurück in seine Heimatstadt. Die Rebellen waren aus dem Viertel abgezogen. Sein Haus und sein Geschäft aber lagen in Trümmern. Rabie nahm sein Schicksal in die Hand, renovierte Wände, reparierte den Boiler, die Elektrik. Mittlerweile fließt auch wieder Wasser.

Es war eine harte Zeit für ihn und seine Familie. Für Handwerker fehlte ihm das Geld. Aber jetzt fühlt er sich wieder wohl in den eigenen vier Wänden. "Nichts ist wertvoller als in seiner Heimat leben zu können, mit den Nachbarn, Freunden, den Erinnerungen von einst", sagt er. Einer von vielen Tausend Homsanern, wie sie sich nennen, die nach dem Ende der Kämpfe zurückgekehrt sind in eine Trümmerlandschaft, die einst ihre Heimat war.

Zerstörte Gebäude in der syrischen Stadt Homs | Bildquelle: AP
galerie

Große Teile von Homs liegen in Schutt und Asche. Gut ein Drittel aller Gebäude ist von Bomben zerstört, in vielen Vierteln gibt es kein Trinkwasser und keinen Strom.

Einige Viertel liegen in Schutt und Asche

Früher zählte die drittgrößte Stadt Syriens gut 650.000 Einwohner. Heute sollen es nur noch rund 200.000 sein, doch die Zahlen steigen wieder. Homs ist heute eine Stadt der Gegensätze. Einige Viertel liegen in Schutt und Asche, gut drei Viertel aller Gebäude sind von Bomben zerstört. Es gibt kein Trinkwasser und keinen Strom. An eine Rückkehr ist nicht zu denken.

In anderen Vierteln dagegen herrscht so etwas wie Alltag. Schulen, Märkte, immer mehr Geschäfte öffnen. Die Sehnsucht ist groß auf ein Leben in Normalität, in Frieden, wenn denn die Versöhnung gelingt. Sieben Jahre Bürgerkrieg aber haben tiefe Wunden gerissen. 2011 erheben sich Tausende in Homs gegen Machthaber Assad. Der lässt auf Demonstranten schießen, und doch entgleitet ihm die Kontrolle. Homs wird zur Hauptstadt der Revolution. Aber auch zum Schlachtfeld zwischen Regierung und Rebellen, die sich am Ende geschlagen geben müssen.

Ein Mann fährt auf einem Fahrrad an einem Haus in der Altstadt von Homs vorbei | Bildquelle: AP
galerie

In anderen Vierteln dagegen herrscht so etwas wie Alltag. Schulen, Märkte, immer mehr Geschäfte öffnen. Die Sehnsucht ist groß auf ein Leben in Normalität.

Eine Generationenaufgabe, die Milliarden kosten dürfte

Ende März vergangenen Jahres ziehen die letzten Kämpfer aus der Stadt ab - ein teuer erkaufter Sieg Assads. Das Misstrauen sitzt tief. Einige reichen nun die Hand zur Versöhnung, andere fordern harte Strafen, sinnen auf Rache. "Die, die mit Waffen ausgezogen sind und jetzt zu ihren Familien zurückkommen, werden wir herzlich empfangen", meint Abu Adham. "Sie mögen Fehler gemacht haben. Aber was passiert ist, ist passiert. Das Leben geht weiter." Soliman Khaykada dagegen glaubt nicht an eine schnelle Versöhnung. "Es waren Mörder, die bestraft gehören. Das kann nicht so schnell gehen, das braucht Zeit."

Ebenso wie der Wiederaufbau: eine Generationenaufgabe, die Milliarden kosten dürfte. Wer das bezahlt, steht in den Sternen, die Stadt setzt auf Eigeninitiative. Gut ein Drittel aller Häuser sei zerstört, sagt Hayat Awad von der Stadtverwaltung Homs. "Die Bürger können ihre Häuser selbst renovieren und dann auch darin wieder wohnen." Den meisten aber fehlt das Geld oder Talent dafür.

Manche haben den Neuanfang geschafft

Doch einige haben den Neuanfang geschafft: Morhaf Edroubi zum Beispiel. Er hat zwar nicht viele Kunden in seinem Bekleidungsgeschäft, doch die meisten anderen Läden in seiner Nachbarschaft sind noch zu. Sein Sortiment aber hat schon zusammen: Socken, Pullover, Jogginghosen. 2011 war er aus Homs geflohen. Seit drei Monaten verkauft er wieder Waren, wenn denn Kunden kommen. Bislang ist es ein Verlustgeschäft. Aber Morhaf gibt sich optimistisch: "Wir gehen ein Risiko ein. Aber sind davon überzeugt, dass es richtig ist. Wohin führt das, wenn hier alles geschlossen bleibt? Wir wollen neu anfangen und die Leute ermutigen, die Läden wieder aufzumachen. Mit Gottes Hilfe." Womöglich Zweckoptimismus. Aber nur so kann der Neuanfang in Homs gelingen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Januar 2018 um 17:00 Uhr.

Darstellung: