Modell eines Masernvirus | Bildquelle: REUTERS

WHO schlägt Alarm Zahl der Masernfälle hat sich verdreifacht

Stand: 13.08.2019 14:33 Uhr

Die Zahl der weltweit gemeldeten Masernfälle ist rasant gestiegen: Bis Ende Juli wurden laut WHO fast 365.000 Fälle registriert - fast drei Mal so viele wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Seit 2006 gab es in einem ersten Halbjahr nicht mehr so viele Masernfälle wie in diesem Jahr. Bis Ende Juli wurden in 182 Ländern nach vorläufigen Zahlen fast 365.000 Masernfälle registriert, berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Das sind fast drei Mal so viele wie im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres und mehr als im Gesamtjahr 2018. "Millionen Menschen sind weltweit in Gefahr", warnte die Organisation.

2018 wurden weltweit insgesamt gut 350.000 Masern-Erkrankungen gemeldet, das sind wiederum mehr als doppelt so viele wie im Jahr davor. Bis 2016 waren die Masern-Zahlen weltweit rückläufig.

Die WHO betont, dass nur ein Bruchteil der tatsächlichen Erkrankungen gemeldet werde. Die aktuellsten WHO-Schätzungen über die wahren Zahlen beziehen sich auf 2017. Damals seien vermutlich 6,7 Millionen Menschen an Masern erkrankt und 110.000 gestorben.

Impfstatus vor Reisen prüfen

Reisenden empfiehlt die Organisation, ihren Impfstatus zu prüfen. Ab einem Alter von sechs Monaten sollte jeder spätestens 15 Tage vor einer Reise in betroffene Regionen geimpft werden.

In der WHO-Afrikaregion sei die Zahl der gemeldeten Fälle in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 900 Prozent gestiegen, in der Westpazifikregion um 230 Prozent, so die WHO. In der Europa-Region stieg sie um 120 Prozent. Zu der Region zählen neben der EU auch Russland, die Türkei, Israel und die in Asien liegenden Länder Usbekistan und Aserbaidschan.

In Deutschland war der Trend im vergangenen Jahr rückläufig: Nach knapp 930 Masern-Fällen 2017 wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts im Jahr 2018 etwa 540 Fälle gemeldet. In diesem Jahr haben aber schon mehrere Bundesländer mehr Masernfälle gemeldet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

WHO verlangt mehr Impfungen

Masern ist eine der ansteckendsten Krankheiten der Welt. Betroffen sind meist Kinder. Bei Infizierten wird das Immunsystem geschwächt, es kann zu Komplikationen wie Mittelohr- und Lungenentzündungen kommen. Selten kommt es auch zu Gehirnentzündungen, die tödlich enden können. Überlebende könnten Hirnschäden davontragen oder blind und taub werden.

Die WHO verlangt mehr Impfungen. In Deutschland hat das Bundeskabinett ein Gesetz für eine Masern-Impfpflicht auf den Weg gebracht. Ab März 2020 müssen Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in eine Kita oder Schule nachweisen, dass diese geimpft sind. Der Bundestag muss noch zustimmen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. August 2019 um 13:00 Uhr.

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