Mitarbeiter in Schutzkleidung in einem Krankenhaus in Arequipa, Peru. | picture alliance / ASSOCIATED PR

Nach Bericht über Mutation Lambda-Variante bereitet bislang kaum Sorgen

Stand: 04.08.2021 18:50 Uhr

Droht der Welt mit Lambda eine Mutation, die noch gefährlicher als die Delta-Variante ist? Japanische Forscher sehen dafür Belege. Doch deutsche Fachleute sind weniger besorgt - und auch die WHO gibt Entwarnung.

Ende Juli sorgte ein Forscherteam in Japan für Aufsehen. Die Wissenschaftler wollten nachgewiesen haben, dass die Lambda-Variante resistent gegen verfügbare Corona-Vakzine ist. Der Befund schien ein Schreckgespenst der Pandemie zu bestätigen. Fachleute sind wegen der Mutation trotzdem wenig beunruhigt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwies auf eine derzeit nicht besonders starke Ausbreitung der Variante. "Es geht nicht wirklich hoch, selbst in Peru nicht, wo die Variante zuerst entdeckt wurde", sagte Covid-19-Expertin Maria van Kerkhove. Nach Angaben aus Peru werde die Lambda-Variante dort von der Gamma-Variante verdrängt.

Van Kerkhove räumte ein, dass Mutationen in einem Spike-Protein der Lambda-Variante besorgniserregend seien. Damit entert Sars-CoV-2 menschliche Zellen. Alle Virusveränderungen könnten die Effektivität von Impfstoffen beeinträchtigen.

"Nicht ansteckender als Delta"

Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl glaubt, dass Lambda dem Immunschutz etwas entkommen könnte. "Aber nicht so stark wie Delta", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Insofern beunruhige ihn diese Variante anhand der aktuell vorliegenden Daten noch nicht, erklärte Watzl. Der Begriff Immunresistenz im Titel der Veröffentlichung aus Japan sei bezogen auf die gezeigten Daten schlicht falsch, sagte er.

Er sieht keinen Grund zur Besorgnis. Die Daten aus Japan würden derzeit überinterpretiert. Diese zeigten, dass Lambda in Labor-Versuchen etwas ansteckender sei als das ursprüngliche Virus, aber nicht ansteckender als die Delta-Variante, die in Deutschland derzeit vorherrschend ist.

Rückschlüsse nur bedingt möglich

Das japanische Team hatte seine Studie als Pre-Print mit dem Titel "Lambda-Variante weist eine höhere Infektiosität und Immunresistenz auf" zwar vor einigen Tagen veröffentlich, doch die Publikation ist bisher weder von externen Fachleute begutachtet worden noch in einem Fachblatt erschienen. Ein US-Team hatte Anfang Juli zudem Ergebnisse vorgelegt, die darauf hindeuteten, dass die derzeit genutzten Impfstoffe auch vor Lambda schützen.

In vielen Studien wird im Labor geprüft, wie gut Antikörper gegen Varianten wirken. Solche Experimente erlauben jedoch nur bedingt Rückschlüsse auf die Schutzwirkung der Impfung im wahren Leben. Die menschliche Abwehr stützt sich auch auf sogenannte T-Zellen. Vor diesem Hintergrund bleibe wahrscheinlich selbst im Fall vermehrter Infektionen durch die Lambda-Variante der Schutz vor schweren Verläufen erhalten, sagte Christine Dahlke vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

WHO: Nachweise in 40 Ländern

Als besorgniserregend eingestuft hat die WHO bislang vier Coronavirus-Varianten: Alpha, Beta, Gamma und Delta. Sie sind nachweislich ansteckender, schwerer zu bekämpfen oder führen zu schwereren Erkrankungen. Lambda steht zurzeit unter Beobachtung. Laut WHO wurde die Mutation mittlerweile in 40 Ländern nachgewiesen

Über dieses Thema berichtete SWR2 Impuls am 02. August 2021 um 16:05 Uhr.