Der ausgetrocknete Lake Mendocino in den USA | dpa

Vor Weltklimakonferenz in Glasgow WHO fordert ehrgeizigere Klimaziele

Stand: 11.10.2021 18:55 Uhr

Die Weltgesundheitsorganisation hat zu ehrgeizigen neuen Klimaschutzzielen aufgerufen. Sie fordert unter anderem bessere Lebensqualität in Städten, Vorrang für Fußgänger und eine nachhaltige Landwirtschaft.

Wenige Wochen vor Beginn der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow hat die Weltgesundheitsorganisation WHO vor einer medizinischen Katastrophe gewarnt. In einem in Genf veröffentlichten Sonderbericht heißt es, der Klimawandel stelle die größte Gesundheitsbedrohung der Menschheit dar. Die Folgen bekämen vor allem die am meisten verletzlichen und benachteiligten Menschen zu spüren.

Klimawandel ist Gefahr für die Gesundheit

Die WHO betonte, immer häufigere Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Stürme und Überschwemmungen beträfen Millionen von Menschen direkt, gefährdeten Gesundheitssysteme, bedrohten die Ernährungssicherheit und gäben zahlreichen Krankheiten Auftrieb; zudem wirke sich der Klimawandel auch auf die psychische Gesundheit aus.

300 Organisationen, die 45 Millionen Ärzte und medizinische Fachkräfte repräsentieren, forderten in einem offenen Brief Regierungen und die Delegationen der Klimakonferenz zu entschlossenerem Handeln auf. WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus sagte, dieselben nicht nachhaltigen Entscheidungen, die den Planeten töteten, töteten auch Menschen. Eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad sei "in unserem eigenen Interesse".

Abkehr von fossilen Brennstoffen gefordert

Nachdrücklich verlangte die WHO eine Abkehr von fossilen Brennstoffen. Über die Emission von Treibhausgasen hinaus sei die damit zusammenhängende Luftverschmutzung statistisch für den Tod von 13 Menschen pro Minute verantwortlich. Eine Absenkung der Luftschadstoffe auf WHO-Grenzwerte könne die Zahl dieser Todesfälle um 80 Prozent mindern.

Die WHO hatte die gesundheitlich noch vertretbaren Grenzwerte etwa für Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2) erst im September verschärft. Nach Angaben des Umweltbundesamtes wurden die neuen WHO-Werte sowohl bei Stickstoffdioxid als auch bei Feinstaub im vergangenen Jahr in weiten Teilen Deutschland überschritten.

"Vorrang für Fußgänger und Radfahrer"

Konkret rief die Weltgesundheitsorganisation in zehn Punkten zu einem Klimaschutz auf, der Gesundheit und soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellen müsse. Darin verlangt die WHO unter anderem bessere Lebensqualität in Städten, Vorrang für Fußgänger, Radfahrer und Nutzer des öffentlichen Verkehrs und eine nachhaltige Landwirtschaft.

Die Klimakonferenz COP26 in Glasgow beginnt Ende des Monats und dauert bis zum 12. November. Sie sollte ursprünglich im April 2020 stattfinden, wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben.

Über dieses Thema berichtete BR24 Aktuell am 11. Oktober 2021 um 20:08 Uhr.