UN-Generalsekretär Antonio Guterres | Bildquelle: AFP

WHO zu Corona-Pandemie Gemeinsam oder jeder für sich allein?

Stand: 18.05.2020 15:39 Uhr

Nur gemeinsam lässt sich die Pandemie in den Griff kriegen, hieß es zum Auftakt der WHO-Konferenz. UN-Generalsekretär Guterres kritisierte das weltweit uneinheitliche Vorgehen. Doch auch die Rolle der WHO geriet in den Fokus.

Zum Auftakt der Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat UN-Generalsekretär António Guterres die Corona-Pandemie als "größte Herausforderung unserer Zeit" bezeichnet. Die uneinheitliche Reaktion der Weltgemeinschaft darauf kritisierte er scharf. "Verschiedene Länder haben verschiedene und manchmal widersprüchliche Strategien befolgt, und wir zahlen alle einen hohen Preis dafür", sagte er in einer Videobotschaft. 

Guterres beklagte, es habe "sehr wenig Einigkeit" gegeben bei der Reaktion auf die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus. Viele Länder hätten die Empfehlungen der WHO ignoriert, deshalb habe sich das Virus weltweit verbreitet, erklärte Guterres.

Jahresversammlung der WHO im Zeichen der Corona-Pandemie
tagesschau 20:00 Uhr, 18.05.2020, Wolfgang Wanner, ARD Genf

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"Entweder zusammen oder wir scheitern"

Guterres betonte, es müsse eine Untersuchung geben, mit der man die Ursprünge der Coronavirus-Pandemie nachvollziehen könne. Es müsse untersucht werden, woher das Virus kam, wie es sich mit so verheerenden Auswirkungen und so schnell um die Welt ausbreiten konnte, sagte er. Aber jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Jetzt müsse die Welt solidarisch zusammenarbeiten, um das Virus zu stoppen. "Entweder kommen wir zusammen durch diese Pandemie oder wir scheitern", sagte er.

Merkel: Gemeinsam handeln

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die internationale Gemeinschaft nachdrücklich zu gemeinsamen Anstrengungen gegen die Corona-Pandemie aufgerufen. "Wir erleben eine globale Krise", betonte die Kanzlerin. "Diese Krise kann kein Land allein lösen, wir müssen gemeinsam handeln."

Auch nach vielen internationalen Anstrengungen und Initiativen zeige die Pandemie, dass weltweit noch mehr getan werden müsse, erklärte Merkel. Als Beispiele nannte sie bessere Frühwarnmechanismen und Präventionsmaßnahmen, mehr Forschungskooperation und stärkere Gesundheitssysteme.

Videostill: Angela Merkel spricht beim virtuellen WHO Treffen | Bildquelle: AFP
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Merkel sagte in ihrer Videobotschaft, dass die Krise kein Land allein lösen könne.

China verteidigt sich

Chinas Präsident Xi Jinping verteidigte sein Land gegen Vorwürfe. China habe mit Offenheit und Transparenz auf den Ausbruch reagiert und die internationale Gemeinschaft so früh wie möglich informiert, betonte Xi. China habe rechtzeitig Daten des Erregers weitergeleitet, betonte Xi. Damit reagierte er auf die Kritik vor allem aus den USA, die China eine Vertuschung des Ausbruches vorwerfen.

China kündigte außerdem an: Sollte man einen Impfstoff gegen das Virus entwickeln, werde Peking diesen zu einem "weltweiten Gut der Allgemeinheit" machen, sagte Xi. Sein Land werde im globalen Kampf gegen das Coronavirus innerhalb von zwei Jahren zwei Milliarden Dollar bereitstellen. 

Videostill von Xi Jinping während seiner Rede beim virtuellen WHO Treffen | Bildquelle: AFP
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Chinas Präsident Xi Jinping erklärte, sein Land habe mit Offenheit und Transparenz reagiert.

Resolution gefordert

Aber auch die WHO selbst steht im Fokus: Wegen der Kritik an der Organisation forderten die EU und weitere Staaten heute eine unabhängige Untersuchung der Reaktion der Weltgesundheitsorganisation auf die Pandemie. Ziel sei, "gewonnene Erfahrungen und gezogene Lehren zu überprüfen". Die Resolution wird von mehr als der Hälfte der WHO-Mitgliedsstaaten unterstützt.

Sie fordert WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus dazu auf, eine "unparteiische, unabhängige und umfassende Überprüfung" der von der WHO koordinierten internationalen Gesundheitsmaßnahmen im Kampf gegen das Virus in die Wege zu leiten.

Der WHO war von verschiedenen Seiten vorgeworfen worden, zu spät auf das Auftreten des neuartigen Coronavirus in China reagiert zu haben. Besonders heftig wurde sie von US-Präsident Donald Trump kritisiert, der die Zahlungen an die UN-Organisation einstellte. Er sprach von "Missmanagement" in der Corona-Krise und Einseitigkeit zugunsten Chinas vor.

WHO-Chef: "früh Alarm geschlagen"

WHO-Chef Ghebreyesus verteidigte die Organisation gegen Kritik an ihrem Umgang mit dem Virus. Die WHO habe nach dem Auftreten des Virus "früh Alarm geschlagen", sagte Tedros. Gleichzeitig kündigte er an, "zum frühesten geeigneten Zeitpunkt" werde er eine unabhängige Untersuchung der weltweiten Reaktion auf die Pandemie in Auftrag geben.

Videostill: WHO General-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus spricht beim virtuellen WHO Treffen
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WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, die WHO habe nach dem Auftreten des Virus "früh Alarm geschlagen".

Zweite Corona-Welle in der EU?

Die europäischen Staaten sollten sich nach Ansicht des WHO-Regionaldirektors für Europa, Hans Kluge, bereits jetzt auf eine zweite tödliche Welle von Coronavirus-Infektionen einstellen. Es sei an der "Zeit für die Vorbereitung, nicht für Feierlichkeiten", sagte Kluge der britischen Zeitung "The Telegraph". Er reagierte damit auf die Lockerung von Maßnahmen in mehreren Ländern.

Besonders besorgt äußerte sich der WHO-Regionaldirektor über die Möglichkeit einer "Doppelwelle". "In dem Fall könnten wir eine zweite Covid-Welle haben und eine saisonale Grippe oder die Masern." Viele Kinder seien nicht gegen die Masern geimpft, warnte Kluge. Die Länder müssten die Zeit nun nutzen, um ihr Gesundheitswesen zu stärken und zum Beispiel die Kapazitäten in Krankenhäusern auszubauen. Zwar gingen in Staaten wie Großbritannien, Frankreich und Italien die Fallzahlen zurück, sagte der Experte. Aber das bedeute noch nicht, dass sich die Pandemie dem Ende nähere.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Mai 2020 um 15:00 Uhr.

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