Die Golden Gate Bridge vor einem roten Himmel | AFP

Feuer in drei Bundesstaaten Weitere Tote bei Bränden an US-Westküste

Stand: 10.09.2020 10:43 Uhr

Von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze: In den US-Westküstenstaaten breiten sich die Waldbrände aus. Orangerote Nebel ziehen über San Francisco. Die Behörden sind in höchster Sorge und melden weitere Tote.

Die gewaltigen Wald- und Buschbrände an der Westküste der USA haben sich erneut ausgebreitet. Mindestens sechs weitere Menschen kamen nach Angaben der Behörden in den Feuern ums Leben, die nicht nur in Kalifornien, sondern mittlerweile auch die Oregon und Washington wüten. Die betroffenen Gebiete reichen von Gegenden an der Grenze zu Kanada bis zum äußersten Süden von Kalifornien an der Grenze zu Mexiko.

Unter den Todesopfern war ein einjähriges Baby, das im Verwaltungsbezirk Okanogan in Washington starb, als die Eltern mit dem Kind vor den Flammen flüchteten. Im Bezirk Marion in Oregon wurden nach Polizeiangaben die Leichname eines zwölfjährigen Jungen und seiner Großmutter gefunden. Auch im nordkalifornischen Bezirk Butte wurden nach Angaben der Behörden drei Tote entdeckt. Zuvor waren bereits mindestens acht Menschen in Kalifornien ums Leben gekommen. 

Windboen von bis zu 120 Kilometern pro Stunde

Die Gouverneurin von Oregon, Kate Brown, sagte, allein dort seien mindestens fünf Städte und Hunderte Häuser erheblich zerstört worden. Sie warnte, dass die aktuellen Brände soviel Menschenleben fordern könnten wie noch nie ein Feuer in der Geschichte Oregons.

Der pazifische Nordwesten der USA erlebt wegen des kühleren und feuchteren Klima selten solche extremen Brände wie derzeit - und wenn, dann eher im Süden oder Osten. Diesmal ist aber auch die Gegend rund um die Metropole Portland betroffen. Brown sprach von einer beispiellosen Situation.

Angefacht wurden die Feuer von Windböen mit Geschwindigkeiten von 80 und teilweise sogar 120 Kilometern pro Stunde. Seit Dienstag wurden 16.000 Menschen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Auch drei Gefängnisse wurden evakuiert.

Auch der Gouverneur von Washington, Jay Inslee, bezeichnete das Ausmaß der Brände als "beispiellos und herzzerreißend". 

Bewohner von Medford im US-Bundesstaat Oregon blicken auf einen Hügel, der in Flammen steht. | REUTERS

Bewohner von Medford im US-Bundesstaat Oregon blicken auf einen Hügel, der in Flammen steht. Bild: REUTERS

8000 Quadratkilometer Fläche in Kalifornien vernichtet

In Kalifornien wurden bis Mittwoch mindestens acht Todesfälle durch die seit Wochen tobenden Brände verzeichnet. Die Flammen vernichteten dort bereits eine Rekordfläche von mehr als 8000 Quadratkilometern. Rund 240 Kilometer nördlich von San Francisco breitete sich zuletzt das sogenannte Bear Fire mit rasender Geschwindigkeit aus. Es vereinte sich mit älteren Bränden und bedrohte die Stadt Oroville.

San Francisco und andere kalifornische Regionen erwachten am Mittwoch in einem orangenfarbenen Glühen. Erzeugt wurde es vom dem Rauch der Brände, der sich mit Nebel vermischte und das Sonnenlicht blockierte - dies erzeugte eine surreal wirkende Szenerie. Den ganzen Tag über blieb es dunkel, die Sonne konnte die Schichten von Nebel und Rauch nicht durchbrechen. "Apokalyptisch" und als "Marshimmel" beschrieben Anwohner in sozialen Medien das Phänomen. 

14.000 Feuerwehrleute im Einsatz

Mehr als 170.000 Haushalte waren in Kalifornien ohne Strom, da der Energieversorger PG&E wegen der extremen Waldbrandgefahr in weiten Teilen des Bundesstaates das Stromnetz stilllegte. Nach Angaben der Feuerwehr wurden bereits mehr als 3000 Gebäude in Kalifornien durch die Brände zerstört, gegen die 14.000 Feuerwehrleute kämpfen.

Busch- und Waldbrände haben in Kalifornien in den vergangenen Jahren stark zugenommen, wofür Experten die Erderwärmung mitverantwortlich machen. Beim folgenschwersten Waldbrand der kalifornischen Geschichte waren im November 2018 in Norden des Bundesstaats 86 Menschen ums Leben gekommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. September 2020 um 09:00 Uhr.