Das Kreuzfahrtschiff "MS Westerdam" liegt vor dem Hafen von Sihanoukville. Davor fährt ein Fischerboot vorbei. | Bildquelle: REUTERS

Kreuzfahrtschiff in Kambodscha Die Odyssee der "Westerdam"

Stand: 13.02.2020 11:12 Uhr

Fünf Länder hatten der "Westerdam" die Einfahrt verweigert - aus Angst vor dem Coronavirus. Zehn Tage lang suchte das Kreuzfahrtschiff einen Hafen. Dann erklärte sich Kambodscha bereit, es aufzunehmen.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Die "MS Westerdam" hat einen Ankerpunkt zweieinhalb Kilometer vor der kambodschanischen Hafenstadt Sihanoukville angelaufen. Mit 1455 Passagieren und 802 Crew-Mitgliedern war das Schiff von einem Land nach dem anderen abgewiesen worden. Japan, Taiwan, die Philippinen, das US-Außengebiet Guam und Thailand hatten aus Angst vor dem Coronavirus ihre Häfen verschlossen.

Keine Verdachtsfälle an Bord

Am Mittwoch kam die Wende: "Kambodscha hat zugestimmt, das Kreuzfahrtschiff 'Westerdam' aufzunehmen, das für einige Tage auf See gefangen war", verkündete der Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros Adhanom Ghebreyesus bei einer Konferenz in Genf. "Nach allem, was wir wissen, gibt es weder Verdachtsfälle und noch diagnostizierte Fälle von Covid-19 an Bord der 'Westerdam'."

Es hatte eine Traumreise durch Ostasien werden sollen, per Schiff von Hongkong nach Yokohama. Doch genau dort liegt das Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" unter Quarantäne. Bei mehr als 200 Menschen dort an Bord wurde eine Infektion mit dem Virus festgestellt. Dieses Beispiel und die hohe Zahl der chinesischen Passagiere an Bord schreckte die Regierungen aller fünf angefragten Länder anscheinend ab.

Ärtze schließen einen Van, in dem medizinische Pproben der Kreuzfahrtpassagiere verstaut wurden. | Bildquelle: AP
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Medizinische Proben der Passagiere sollen in der Hauptstadt Phnom Penh auf das Coronavirus überprüft werden.

Zwei Wochen Irrfahrt

Für die "Westerdam" begann eine Irrfahrt. Die verzweifelte Passagierin Angela Jones appellierte per Videonachricht an die Welt, sie zu erhören. "Wir jetzt sind für zwei Wochen herumgekreuzt. So viele Länder haben ihre Grenzen geschlossen, aber wir hier sind jetzt für fast zwei Wochen isoliert gewesen. Unsere Temperatur wurde regelmäßig kontrolliert und es gibt immer noch kein Zeichen vom Coronavirus."

Sie seien doch nur ein Haufen Menschen an Bord, "die ein Leben außerhalb dieses Kreuzfahrtschiffes haben - Familien, Kinder, Tiere, Jobs, die uns brauchen", sagte Jones. Da sie keine Landgänge unternehmen konnten, versuchte die Mannschaft ihr Bestes, um die Passagiere an Bord zu unterhalten, mit Quiz und Puzzles, Musik und Kochshows.

Jetzt hat die Odyssee hat ein Ende. Am Ankerpunkt vor Sihanoukville untersuchen Ärzte die Passagiere an Bord, bevor diese am Freitag an Land gehen und die Heimreise antreten können. Und dann hätten sie bestimmt ein paar gute Geschichten zu erzählen, sagte der Präsident der Schiffslinie per Videobotschaft.

"Beispiel für Solidarität"

WHO-Direktor Ghebreyesus bezeichnete Kambodschas Entscheidung, das Schiff einlaufen zu lassen, als "Beispiel für die Solidarität, zu der wir andauernd aufrufen". Krankheitsausbrüche brächten "das Beste und das Schlimmste" in Menschen hervor. Einzelne Menschen oder ganze Nationen zu stigmatisieren schade nur. "Anstatt unsere ganze Energie auf die Bekämpfung des Ausbruchs zu verwenden, lenkt Stigmatisierung nur ab und wendet Menschen gegeneinander." Es sei Zeit für Solidarität, nicht für Stigma.

Die Solidarität Kambodschas richtet sich aber vor allem an China. Regierungschef Hun Sen hat öffentlich bekundet, wie sehr er den Kurs Chinas in der Behandlung des Virus gutheißt und ist sogar zu einem Solidaritätsbesuch nach Wuhan gereist. China steckt Milliarden Dollar in Infrastruktur und andere Projekte in Kambodscha.

Abgewiesenes Kreuzfahrtschiff findet Hafen in Kambodscha
Lena Bodewein, ARD Singapur
13.02.2020 10:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. Februar 2020 um 09:38 Uhr.

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