Eine Mücke saugt Blut

Mann aus Sachsen erkrankt Erste West-Nil-Infektion in Deutschland

Stand: 27.09.2019 15:50 Uhr

Das West-Nil-Virus wurde seit 2018 bei Tieren in mehreren Bundesländern festgestellt. Nun ist erstmals eine durch Mücken übertragene Infektion beim Menschen belegt.

Erstmals ist in Deutschland eine Infektion mit dem West-Nil-Virus beim Menschen festgestellt worden. Der Mann aus Sachsen sei an einer Gehirnentzündung erkrankt, im Klinikum St. Georg in Leipzig behandelt worden und sei inzwischen wieder genesen, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) mit.

Der 70-Jährige mit ländlichem Wohn- und Arbeitsort war zuvor nicht ins Ausland gereist und hatte keine wesentlichen Vorerkrankungen.

In Deutschland war das Virus bis auf den Fall eines Tierarztes in Bayern zuvor nur bei Reiserückkehrern nachgewiesen worden. Der Mann steckte sich bei der Untersuchung eines Vogels an.

Bislang kein Impfstoff

Für Menschen gibt es bislang keinen Impfstoff. Die Virus-Erkrankung verläuft nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg beim Menschen in etwa 80 Prozent der Fälle ohne Symptome. Bei knapp 20 Prozent sei der Verlauf mild. Patienten hätten unspezifische Symptome wie Fieber oder Hautausschlag. Schwerere und tödliche Verläufe seien sehr selten und träfen in der Regel ältere Menschen mit Vorerkrankungen.

Das ursprünglich aus Afrika stammende Virus kann von bestimmten heimischen Stechmücken übertragen werden. In nördlichere Gefilde gelangte es durch Zugvögel und Stechmücken. Offenbar hätten die ungewöhnlich warmen Sommer der vergangenen beiden Jahre dazu beigetragen, dass sich das Virus nördlich der Alpen etablierte. "Das Risiko weiterer Fälle nimmt derzeit ab, da die Zahl der Mücken im Herbst zurückgeht", erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler. In den kommenden Sommern sei jedoch mit weiteren West-Nil-Infektionen zu rechnen.

Virus hat "überwintert"

Das Friedlich-Löffler-Institut (FLI) registrierte 2019 bisher elf Fälle bei Pferden und 44 bei Vögeln. Die Funde in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Hamburg in diesem Jahr zeigten an, dass das Virus in Teilen Deutschlands überwintert habe und wie schon im Jahr zuvor zwischen Mücken und Vögeln zirkuliere, heißt es in einem RKI-Bericht.

Erste Nachweise des Virus in Europa gab es schon vor Jahrzehnten, größere Erkrankungswellen in südeuropäischen Ländern werden aber erst seit einigen Jahren registriert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. September 2019 um 18:00 Uhr.

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