Lager mit Paketen im chinesischen Whenzou | Bildquelle: imago stock&people

Deutscher Handel klagt Post aus China zu billig?

Stand: 22.09.2019 09:34 Uhr

Immer mehr Verbraucher bestellen ihre Produkte aus China. Postsendungen aus Peking sind deutlich billiger als aus Europa. Die deutschen Onlinehändler beklagen massive Gewinneinbußen.

Weil Postsendungen aus China deutlich billiger sind als aus Europa, bestellen immer mehr Verbaucher ihre Produkte direkt aus dem Land. Laut Angaben eines Branchenverbandes büßen deutsche Onlinehändler allein bei Elektronikartikeln eine halbe Milliarde Euro im Jahr ein. "Das ist eine massive Schädigung des deutschen Standorts und kostet Tausende Arbeitsplätze", sagte der Präsident des Verbandes für E-Commerce und Versandhandel (BEVH), Gero Furchheim, der dpa.

Die niedrigen Tarife gehen auf eine Regelung des Weltpostvereins zurück, der seit 1874 den internationalen Postverkehr regelt. Sie waren zur Unterstützung armer Länder gedacht, führen aber angesichts der Flut von Online-Bestellungen in China nun zu Verärgerung. "In Europa zahlen Händler das Zwei- bis Dreifache", betonte Furchheim.

USA wollen Riegel vorschieben

Die USA und andere Industrieländer wollen die sehr geringen Postgebühren für Warensendungen aus China nun anheben. Der Weltpostverein hat deshalb in Genf einen Sonderkongress einberufen. Für den Fall, dass die 192 Mitgliedsländer der Erhöhung nicht zustimmen, haben die USA mit Austritt gedroht.

Auch wenn man die konfrontative Politik von US-Präsident Donald Trump ablehne, sei die Kritik dennoch gerechtfertigt, meint Furchheim. Die Gebühren müssten dringend angehoben werden. Der Deutschen Post DHL sei durch die Flut chinesischer Warensendungen schon vor drei Jahren ein Verlust von schätzungsweise 120 Millionen Euro entstanden.

Eine Frau bedient die Smartphone-App eines Onlinehändlers | Bildquelle: dpa
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Für die deutschen Onlinehändler führen die niedrigen Posttarife aus China zu massiven Gewinneinbußen.

Direkthandel mit China wächst schnell

Furchheim zufolge wächst der Direkthandel mit großer Dynamik. "Wir schätzen, dass allein Elektrogeräte im Wert von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr direkt aus China an private Haushalte in Deutschland geliefert werden."

Das ist ein nicht unerheblicher Anteil bei Gesamtbestellungen von knapp zwölf Milliarden Euro im Bereich Elektronik und Kommunikation. Laut Branchenschätzungen kamen im vergangenen Jahr 70 Millionen solcher Warensendungen aus China in Deutschland an.

Digitalisierung statt Zettelkästen

Probleme gibt es laut BEVH auch bei der Sicherheit. Deutsche Unternehmen gäben Millionenbeträge für Sicherheitstests aus. Ausländische Anbieter sparten daran, so kämen massenhaft mangelhafte Geräte auf den deutschen Markt, beklagte Furchheim: "Ich fordere 1000 zusätzliche Zöllner, um der Warenflut einen Kontrolldruck entgegenzustellen". Die rund 39.000 Zöllner seien nicht genug.

Vor allem bei der Digitalisierung müssten die Behörden Tempo machen, auch um möglichen Umsatzsteuerbetrug zu verhindern. "Wer im Kampf gegen Betrug aus einer Nation, die voll auf künstliche Intelligenz und Digitalisierung setzt, Zettelkästen, Stempel und Aktendeckel entgegensetzt, kommt nicht weit", so Furchheim.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 24. September 2019 um 01:24 Uhr.

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