Autos fahren durch den Smog in Peking | REUTERS

China und Australien Kein Interesse an mehr Klimaschutz

Stand: 10.08.2021 11:59 Uhr

China ist der größte Produzent von Treibhausgasen, Australien hat eine der höchsten CO2-Emissionsraten pro Kopf. Doch auch nach dem alarmierenden Bericht des Weltklimarates sehen beide Staaten keinen Grund, ihre Klimapolitik zu verschärfen.

Einen Tag nach Veröffentlichung des alarmierenden Weltklimaberichts haben China und Australien angekündigt, an ihrer bisherigen Klimapolitik festzuhalten.

Laut Nachrichtenagentur AFP appellierte das chinesische Außenministerium an die internationale Gemeinschaft, "volles Vertrauen in die Umsetzung der chinesischen Klimaschutzmaßnahmen zu haben". Neue Klimaschutzziele kündigte die Regierung nicht an.

Mehr Kohlekraftwerke fürs Wirtschaftswachstum

Die chinesische Regierung will noch vor dem Jahr 2030 die CO2-Emissionen reduzieren. Derzeit ist China das Land mit den meisten Treibhausgas-Emissionen. Bis 2060 soll China CO2-neutral sein. Allerdings hat Peking zuletzt die Eröffnung Dutzender neuer Kohlekraftwerke vorangetrieben, um das Wirtschaftswachstum zu sichern. 

Auch in den nächsten Jahren ist demnach ein weiterer Ausbau geplant. Erst ab 2026 soll der Kohleverbrauch schrittweise reduziert werden. Präsident Xi Jinping werde den Bau von Kohlekraftwerken aber "streng kontrollieren", erklärte das Ministerium.

Australiens Exportschlager ist die Kohle

Auch Australien wies Forderungen nach ehrgeizigeren CO2-Emissionszielen zurück. Das Land leiste bereits seinen Beitrag gegen den Klimawandel, sagte der konservative Premierminister Scott Morrison. Eine Festlegung auf Treibhausneutralität bis 2050 lehnt seine Regierung weiter ab. Er werde "keinen Blankoscheck im Namen der Australier unterschreiben für Ziele ohne Plan".

Australien steht in der globalen Klimakrise an vorderster Front. Das Land hat eine der höchsten CO2-Emissionsraten pro Kopf, gehört zu den größten Exporteuren von Kohle und Erdgas und ist zugleich Opfer mehrerer durch den Klimawandel verstärkten Umweltkatastrophen. In den vergangenen Jahren erlebte Australien mehrere starke Dürren, die größten Buschfeuer in der Geschichte, Überschwemmungen und Küstenerosion.

Vor der Weltklimakonferenz in Glasgow im November 2020 hatte Morrison Rufe unter anderem auch von Verbündeten wie den USA zurückgewiesen, ein formales Ziel für die Verringerung oder den Ausgleich von CO2-Emissionen festzulegen. Stattdessen kündigte die Regierung an, Australien werde "so bald wie möglich" Treibhausgasneutralität erreichen, vorzugsweise bis 2050 - Verpflichtungen ging sie aber nicht ein.

Viele Politiker der konservativen Regierungskoalition mit engen Verbindungen zur Kohleindustrie leugnen den Klimawandel oder spielen seine Gefahren herunter.

Inselstaaten appellieren an internationale Gemeinschaft

Ein Bündnis kleiner Inselstaaten richtete derweil einen dringenden Appell an die Staatengemeinschaft, den Klimawandel zu bekämpfen. "Wir müssen das Ruder herumreißen", erklärte Diann Black-Layne, Klimaverhandlungsführerin des Bündnisses der kleinen Inselstaaten (Aosis) und Botschafterin von Antigua und Barbuda. Steigende Meeresspiegel bedrohen die Inselstaaten unmittelbar in ihrer Existenz. Dem Bündnis gehören 39 Staaten an, darunter Kuba, Jamaika, Papua-Neuguinea und die Malediven, das am tiefsten gelegene Land der Welt. 

Laut des am Montag veröffentlichten IPCC-Berichts erwärmt sich die Erde noch schneller als bislang angenommen und wird bereits gegen 2030 1,5 Grad wärmer als im vorindustriellen Zeitalter sein - zehn Jahre früher als noch 2018 prognostiziert. Das angestrebte Ziel, die Erwärmung möglichst bei 1,5 Grad über der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, wird nach den Modellrechnungen wahrscheinlich selbst bei den striktesten Klimaschutzmaßnahmen schon in den nächsten 20 Jahren überschritten.

Den Forschern zufolge ist die Erderwärmung "eindeutig" durch den Menschen verursacht. Einige Auswirkungen der Erderwärmung wie der Anstieg der Meeresspiegel und das Schmelzen der Gletscher sind nach Angaben der UN-Klimaexperten bereits heute "unumkehrbar".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. August 2021 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.