Demonstration zum Weltfrauentag in Istanbul | AFP

Proteste zum Weltfrauentag "Lang lebe der feministische Kampf"

Stand: 08.03.2020 21:38 Uhr

Lateinamerika, Türkei, Deutschland: In vielen Ländern der Welt sind am Weltfrauentag Frauen gegen Gewalt und für mehr Rechte auf die Straße gegangen. In Istanbul kam es zu Ausschreitungen.

Zum Weltfrauentag sind rund um den Globus Frauen auf die Straßen gegangen, um sich für mehr Rechte, Gleichberechtigung und gegen Gewalt stark zu machen. Besonders viele Demonstrationen gab es in Lateinamerika: Hier machten Aktivistinnen vor allem auf die hohe Zahl von Frauenmorden aufmerksam. Obwohl in 16 lateinamerikanischen Ländern der Femizid, also die geschlechtsspezifische Ermordung von Frauen, als Straftatbestand eingeführt wurde, werden Frauenmorde von Justiz und Politik immer noch allzu häufig als "Familientragödien" abgetan.

Lateinamerika gilt weltweit als eine der Regionen mit der höchsten Gewaltrate gegen Frauen. 2018 wurde hier im statistischen Durchschnitt alle drei Stunden eine Frau aufgrund ihres Geschlechts ermordet. Entsprechend groß war die Resonanz bei den Protesten: Landesweite Demos fanden in Mexiko, Argentinien, Kolumbien, Chile und Brasilien statt. In Mexiko haben Feministinnen außerdem für Montag zu einem Frauenstreik aufgerufen; es wird mit großer Resonanz gerechnet.

Istanbul: Proteste enden in Gewalt

Auch in der türkischen Metropole Istanbul versammelten sich Hunderte Frauen, obwohl die türkischen Behörden - wie schon im vergangenen Jahr - keine Demonstrationen zum Weltfrauentag genehmigt hatten. Die Teilnehmerinnen riefen in Sprechchören und hielten Plakate mit Slogans hoch: "Missbrauch kann nicht vergeben oder entschuldigt werden" und "Lang lebe der feministische Kampf". Frauenrechtlerinnen werfen der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan seit Langem vor, nicht genug gegen Gewalt gegen Frauen zu unternehmen.

Zu Zusammenstößen mit der Polizei kam es, als die Frauen versuchten, auf die abgeriegelte Einkaufsstraße Istiklal zu gelangen. Die Polizisten versuchten, die Kundgebung aufzulösen, und setzten Tränengas gegen die Demonstrantinnen ein.

Kundgebungen auch in Deutschland

In Deutschland gab es ebenfalls Veranstaltungen zum Weltfrauentag; viele davon wurden von Christinnen organisiert, die mehr Gleichberechtigung in der Kirche fordern. So machten sich Anhängerinnen der Aktion Maria 2.0 und katholische Frauenverbände in mehreren Städten bundesweit für eine geschlechtergerechte Kirche stark. Unter anderem forderten sie die Zulassung von Frauen zu allen Weiheämtern und die Aufhebung des Pflichtzölibats.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 08. März 2020 um 22:45 Uhr.