Geflüchtete aus Ruanda und Burundi | DANIEL IRUNGU/EPA-EFE/Shuttersto

Weltflüchtlingstag Die Angst vor Verfolgung bleibt

Stand: 20.06.2020 16:04 Uhr

Ende 2019 waren laut UN fast 80 Millionen Menschen auf der Flucht - so viele wie nie zuvor. Die meisten fliehen vor Hunger und Krieg, viele aber auch vor autoritären Regimen wie denen in Burundi und Ruanda.

Von Norbert Hahn, ARD-Studio Nairobi

Ein Treffen mit Armel Gilbert Bukeyeneza auf einer Straße im Wald, irgendwo in Ostafrika. Sein Name darf genannt werden, sein Gesicht gezeigt. Wo er sich gerade aufhält, will er aber nicht sagen. Die Grenze Burundis hat er hinter sich gelassen - die Angst begleitet ihn weiter. So leben viele Flüchtlinge in der Region, wenn sie nicht die Meinung ihrer Regierung vertreten haben. Oft reicht schon ein Verdacht aus.

Norbert Hahn ARD-Studio Nairobi

Bukeyeneza war Journalist in Burundi, in einem der ärmsten Länder Ostafrikas, in dem Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung waren und sind. Sein Vater starb in den Gewaltexzessen der 1990er-Jahre. Zweimal floh Bukeyeneza, zuletzt 2015 nach einer Warnung, sein Leben sei in Gefahr: "Das ist die Schwierigkeit bei unserer Arbeit als Journalist in einem Land wie Burundi. Du teilst alle Risiken mit deiner ganzen Familie. Ich musste schnell handeln, als ich diese Warnungen bekam. Nicht nur für mich, sondern auch für meine kleine Familie."

Der Journalist Armel Gilbert Bukeyeneza | <WDR>

Der Journalist Bukeyeneza floh aus Burundi. Bild:

"Vergessene Flüchtlingsprobleme"

Tausende starben 2015, fast 200.000 Menschen flohen danach ins Ausland, darunter viele Regimekritiker, Politiker, Journalisten. Mehr als Hunger treibe die Menschen die politische Repression, sagt Bukeneyeza.

Das gelte für Burundi, aber auch für das Nachbarland Ruanda, sagt der Ostafrika-Experte bei Human Rights Watch, Lewis Mudge: "Burundi und Ruanda sind in vielerlei Hinsicht so was wie vergessene Flüchtlingsprobleme."

Während Burundi im Westen als schwieriger Fall gelte, bekomme Ruanda jede Menge Sympathie, weil die Wirtschaft gut laufe. "Es sind nicht so viele Menschen, die das Land verlassen wie in Burundi," meint Mudge, "aber auch sie werden zur Zielscheibe durch ihre politische Überzeugung oder den Wunsch, die eigene Meinung äußern zu dürfen".

Drohung des Präsidenten

Ein Flüchtling aus Burundis Nachbarland Ruanda, auch Journalist, erklärte vor einigen Monaten, das sei durchaus auch in seiner Heimat so: "Der Präsident war eindeutig: Es gibt eine Grenze, die wir nicht überschreiten dürfen. Wer sie überquert, ist tot." Der Mann, dessen Identität dem ARD-Studio Nairobi bekannt ist, wartet inzwischen auf seine Anerkennung als Flüchtling durch das UN-Flüchtlingshilfswerk.

Alles, was er gesagt habe, soll vorsichtig verwendet werden, schreibt er nun: "Ich bin von Agenten des ruandischen Geheimdienstes mit dem Messer angegriffen worden und habe nur durch Glück überlebt." Beweise gibt es dafür nicht - aber er wäre durchaus kein Einzelfall.

Ein Neuanfang für Burundi?

"Ruanda hat eine lange Liste, die Morde von Gegnern außerhalb Ruandas belegt, und so geht es auch weiter," sagt Mudge. Ruanda setze im Ausland seinen Geheimdienst ein, Burundi dagegen schicke seine Jugendmiliz Imbonerakure in Flüchtlingslager der Nachbarländer. "Das hat zu einem unglaublichen Klima der Angst und des Misstrauens unter den Flüchtlingen selbst geführt." Human Rights Watch fordert: Die Imbonerakure müssten zur Rechenschaft gezogen werden, wenn Burundis Wunden heilen sollten: "Das sind Menschen, die Morde begangen, geschlagen und vergewaltigt haben. Sie haben willkürlich Menschen verhaftet und Steuern kassiert."

Burundis Präsident Évariste Ndayishimiye | REUTERS

Evariste Ndayishimiye wurde im Mai zum Präsidenten Burundis gewählt. Bild: REUTERS

Kann der eben vereidigte, neue Präsident für Burundi ein Neuanfang sein? Für Armel Gilbert Bukeyeneza ist er die große Hoffnung, von der er nach all den Jahren weiß, wie leicht sie enttäuscht werden kann. Und doch müsse er daran glauben: "Es ist schwierig. Da ist ein Sohn, der nicht mit seiner Großmutter reden kann, weil sie nicht die gleiche Sprache sprechen. Ich möchte nicht, dass meine Kinder sich ganz vom Land ihres Vaters entfremden."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Juni 2020 um 16:00 Uhr.