Ein Bild der NASA vom James-Webb-Teleskop, das sich gerade im All von seiner Trägerrakete löst. | AP

James-Webb-Teleskop Die Hoffnung der Zehntausend

Stand: 25.12.2021 17:17 Uhr

Mehr als Zehntausend Menschen in den USA, Kanada und Deutschland haben zehn Jahre am neuen Weltraumteleskop James Webb gebaut. Nun hoffen sie auf Daten von der Geburt des Universums.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Der Countdown erfolgt auf Französisch - das größte, leistungsfähigste und teuerste Weltraumteleskop aller Zeiten startet vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou, in Französisch Guyana. Von einem tropischen Regenwald aus beginnt das James-Webb-Teleskop eine Reise an den Beginn der Zeit selbst, zur Geburt des Universums.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

Es ist ein Bilderbuchstart durch eine dicke Wolkendecke. Alles verläuft planmäßig auf einer perfekten Bahn. James Webb ist eine gemeinsame Entwicklung der NASA mit der europäischen ESA und der kanadischen Raumfahrtagentur. 30 Jahre dauerte die Entwicklung. Zehn Jahre Verspätung hatte der Start. Zehn Milliarden Dollar betragen die Kosten.

"Mehr als Zehntausend Menschen haben daran gearbeitet. Deren Hoffnungen und Träume ruhen nun auf diesem Teleskop", sagt Thomas Zurbuchen, Wissenschaftsdirektor der NASA. Sie schultert den Löwenanteil des Projekts, gebaut wurde in den USA. Das Kontrollzentrum und die Koordination der vielen tausend Experimente über die nächsten zehn bis 15 Jahre liegen in der Nähe von Washington.

"Team Europa hat geliefert"

Aber der europäische Beitrag von vielen Wissenschaftlern bis hin zum Start in europäischer Verantwortung machen ESA Direktor Joseph Aschbacher stolz: "Die ganze Welt hat zugeschaut, und ich freue mich sagen zu können: Team Europa hat geliefert."

Projektleiter Greg Robinson von der NASA unterstreicht diese Zusammenarbeit: "Die Welt hat uns dieses Teleskop gegeben und wir geben es heute an die Welt zurück."

Das Teleskop wird mit seinem 25 Quadratmeter großen hochpräzisen Spiegel Bilder aus den Anfängen des Universums aufnehmen, die Wissenschaftler hoffen, die ersten Galaxien nach dem Urknall sehen zu können, um völlig neue Erkenntnisse über die Geschichte und Eigenschaften des Weltalls zu bekommen.

Künftige Generationen profitieren

"Zehntausende Wissenschaftler, von denen einige noch gar nicht geboren sind, werden von diesen Daten profitieren", erläutert Zurbuchen. Bis dahin liegt noch ein weiter Weg vor James Webb: Zunächst einmal 1,5 Millionen Kilometer bis zu einer Umlaufbahn um die Sonne, zu einem ganz speziellen Punkt, auf dem es scheinbar still über der Erde steht, immer in deren Schutz vor Hitze und Strahlung.

Die Solarpanele für die Stromversorgung funktionieren schon, aber der Spiegel, ein riesiger Hitzeschild und viele andere Teile müssen sich innerhalb der nächsten 30 Tage erst noch entfalten. "Ich bin auf der einen Seite erleichtert und dann fühle ich doch noch Druck, denn die Aufgabe vor uns ist keinesfalls einfacher als sie gestern war", so Zurbuchen.

Etwas mehr als ein halbes Jahr wird es dauern, bis alle Instrumente kalibriert sind und das Teleskop die ersten Bilder liefern wird. Sein Vorgängerteleskop Hubble musste nach dem Start gleich mit Hilfe eines Space Shuttle repariert werden, weil die Bilder unscharf waren. Das wäre bei James Webb nicht möglich, weil es viel weiter entfernt ist, fünfmal weiter als je ein Mensch geflogen ist. Es gibt also nur diesen einen Versuch.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Dezember 2021 um 15:41 Uhr.