Der ehemalige Hollywood-Filmproduzent Harvey Weinstein. | Bildquelle: AP

New York Kurzer Prozess mit Weinstein

Stand: 04.02.2020 04:35 Uhr

Der Prozess gegen den ehemaligen Hollywood-Filmproduzenten Weinstein in New York geht schneller voran als erwartet. Der Angeklagte sieht durchaus Erfolgschancen - auch dank seiner aggressiven Anwältin.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Das Medieninteresse ist riesig. Und die Erwartungen sind vielleicht sogar noch höher: Denn der  Fall Weinstein brachte die weltweite MeToo-Bewegung ins Rollen. Der Prozess gegen ihn bedeutet für viele sehr viel, sagt die Schauspielerin Rose McGowan. Am meisten für die Frauen, die das Schweigen gebrochen haben.

Mehr als 80 Frauen werfen den einstigen König von Hollywood sexuelle Übergriffe vor. Doch tatsächlich verhandelt werden nur zwei Fälle. Und von denen hängt ab, ob Weinstein das Gericht in Manhattan als freier Mann verlässt oder nicht.

Weinstein: Habe gute Anwälte

Er sei zuversichtlich, sagt Weinstein auf die Frage einer Reporterin. Denn er habe gute Anwälte. An vorderster Front Donna Rotunno, die sich auf Fälle spezialisiert hat, in denen Männer sexueller Übergriffe beschuldigt werden.

"Ich bin nicht die Moralpolizei. Und die Jury ist es auch nicht. Die Geschworen müssen darüber entscheiden, ob Harvey Weinstein ein Verbrechen begangen hat, für das er den Rest seines Lebens Gefängnis muss."

In der Branche wird die Anwältin aus Chicago "Bulldogge" genannt. Und diesem Spitzenamen machte die 44-jährige in den ersten Verhandlungswochen alle Ehre. Stundenlang nahm sie die Zeuginnen ins Kreuzverhör. Ihre Botschaft: Weinstein habe den Schlüssel für das Traumschloss Hollywood gehabt, in das alle hineingewollt hätten.

"Es ist eine Entscheidung, wenn ich mich als Frau einer bestimmten Situation aussetze. Und wenn dann etwas in beiderseitigen Einvernehmen passiert, dann kann ich nicht später meine Meinung ändern und sagen, das wollte ich eigentlich nicht."

Emails sollen Weinsteins Unschuld beweisen

Unter anderem E-Mails - geschrieben zum Teil lange nach den Übergriffen - sollen beweisen, dass es sich - wie Weinstein immer behauptet hat - um einvernehmliche sexuelle Kontakte gehandelt habe. Für Gloria Allred, die eine der Zeuginnen vertritt, eine durchsichtige Strategie:

"Es geht nur darum, den Frauen die Schuld zu geben. Da werden Opfer zu Tätern gemacht."

Es sei nicht ungewöhnlich, dass Opfer sexueller Gewalt noch Kontakt zu ihren Peinigern hätten, sagte während des Prozesses auch ein Sachverständiger aus.

Sachverständiger widerspricht

Neben den beiden mutmaßlichen Opfern hat die Anklage auch vier weitere Zeuginnen benannt, deren Fälle zwar nicht Gegenstand der Verhandlung sind, aber zeigen sollen, dass es über Jahrzehnte ein Muster gab, wie der mächtige Weinstein Frauen gefügig machte, zu Sex zwang und später zum Schweigen brachte.

"Es gibt viele Gründe, warum diese Frauen das nicht früher öffentlich gemacht haben. Vielleicht hatten sie Angst vor beruflichen Nachteilen. Oder, dass die Polizei ihnen nicht glauben würde, wenn sie so einen reichen, mächtigen und prominenten Mann beschuldigen."

Am Ende müssen die Geschworenen entscheiden. Und die hat der zuständige Richter James Burke bereits zu Beginn der Verhandlung gemahnt: "Dieser Prozess ist kein Referendum über die MeToo-Bewegung". Trotz der großen Erwartungen.

Kurzer Prozess in Manhattan – Weinstein Verfahren verläuft zügiger als erwartet
Peter Mücke, ARD New York
04.02.2020 06:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Februar 2020 um 07:54 Uhr.

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