Die Schauspielerinnen Rosanna Arquette, Dominique Huett (am Mikrofon) and Rose McGowan protestieren vor dem Gerichtsgebäude, in der der Prozess gegen Weinstein beginnt. | Bildquelle: AFP

Protest zum Prozess Dutzende Frauen gegen Weinstein

Stand: 06.01.2020 20:49 Uhr

Begleitet von Protesten und einem gewaltigen Medieninteresse hat der Prozess gegen den Ex-Filmmogul Weinstein in New York begonnen. Zwei Fälle von etwa 80 Beschuldigungen wegen sexueller Übergriffe werden verhandelt.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Durch das Spalier der Kameras schiebt sich - umringt von Bodyguards und Anwälten - der Angeklagte im schwarzen Anzug, auf eine Gehhilfe gestützt. In den sozialen Medien werfen Weinstein deshalb kurz darauf Tausende vor, dass das doch alles nur Show sei. Weinstein wolle Mitleid erregen und sich als gebrochenen alten Mann darstellen. Medienberichten zufolge war der 67-Jährige allerdings vor kurzem auch in einen Autounfall verwickelt und hatte sich einer Rückenoperation unterzogen.

Vor dem Gerichtsgebäude in Manhattan warten auch mehrere Frauen - angeführt von den Schauspielerinnen Rosanna Arquette und Rose McGowan. Auch sie sagen, dass der ehemalige Filmproduzent sie sexuell genötigt hat. McGowan applaudiert den beiden Klägerinnen. Sie stünden für viele Frauen: "Das ist ein großer Moment. Wir stehen hinter ihnen. Ihr Sieg wird unser Sieg sein. Ihre Niederlage unsere."

Prozessauftakt gegen Hollywood-Filmproduzent Weinstein
tagesthemen 23:15 Uhr, 06.01.2020, Christiane Meier, ARD New York

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Beschuldigungen von mehr als 80 Frauen

Insgesamt beschuldigen mehr als 80 Schauspielerinnen, Models und Ex-Mitarbeiterinnen den 67-Jährigen wegen sexueller Übergriffe - darunter Stars wie Angelina Jolie oder Salma Hayek. Bei dem Prozess in New York geht es aber nur um zwei Fälle: Eine bislang anonyme Schauspielerin klagt Weinstein wegen Vergewaltigung an. Eine Ex-Mitarbeiterin sagt, er habe sie zum Oralsex gezwungen. Weinstein hat auf nicht schuldig plädiert. Alle Handlungen seien einvernehmlich gewesen.

"Er kapiert nicht, was er getan hat. Ich denke, dass er das auch nie tun wird", sagt McGowan. "Er hat etwas Krankes im Kopf - wie viele Serien-Vergewaltiger. Ich stelle seine Komplizen in Frage. Und wenn er freigesprochen wird, werden wir ihnen keine Ruhe lassen."

 McGowan gehört zu den ersten Frauen, die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein erhoben und damit die Welle der MeToo-Bewegung losgetreten haben.

Entscheidend ist nun, ob die Vorwürfe des sexuellen Machtmissbrauchs vor einem Strafgericht bestehen. Die Staatsanwälte müssen juristisch beweisen, dass Weinstein sich der Vergewaltigung, krimineller sexueller Handlungen und räuberischer, sexueller Übergriffe schuldig gemacht hat. Weinsteins Anwältin Donna Rotunno mahnte zur Unvoreingenommenheit: "Wir sind hier, um eine faire Jury zusammenzustellen, und wir denken, das ist möglich."

Zusammensetzung der Jury bedeutsam für Prozess

Von der Zusammensetzung der Jury hängt nach Einschätzung von Beobachtern in diesem Prozess besonders viel ab. Die zwölf Geschworenen, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden, entscheiden am Ende, ob Weinstein schuldig gesprochen wird. Ihm würde dann eine lebenslange Haft drohen.

Vergeblich versuchten Weinsteins Anwälte zu erreichen, dass die Jury für die Zeit des Prozesses von der Öffentlichkeit isoliert wird. "Der Fall steht derart im Licht der Medien, dass wir es sicherer gefunden hätten, die Geschworenen abzuschirmen", so Rotunno.

Weitere Anklagen gegen Weinstein

Neben dem Prozess in New York muss sich Harvey Weinstein nun auch in einem Strafprozess in Kalifornien vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles teilte mit, dass in zwei Fällen Anklage wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung erhoben wurde.

Die Vorwürfe stammen von zwei nicht namentlich genannten Frauen. Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft wurden sie im Jahr 2013 in Hotels in Beverly Hills Opfer von Weinsteins Übergriffen. Im Falle einer Verurteilung drohen dem 67-Jährigen in diesem Prozess bis zu 28 Jahre Haft.

Zwölf aus 500 für die Jury

Bis zu zwei Wochen kann es dauern, bis die Jury steht. Rund 500 potenzielle Geschworene müssen bis dahin vom Gericht und den Anwälten beider Parteien unter die Lupe genommen werden. Insgesamt soll der Prozess etwa acht Wochen dauern.

Ganz gleich, wie es ausgehe: Das Verfahren sei eine kulturelle Abrechnung, sagt eine der Frauen, die sich als Weinstein-Opfer bezeichnet. Doch seit Beginn der Metoo-Bewegung habe sich viel getan. Angefangen von Gesetzen über den Opferschutz bis hin zur öffentlichen Haltung, sagt Schauspielerin Rose McGowan: "Es ist immer ein Schritt vorwärts, drei Schritte zurück." Dies hier sei ein großer Schritt vorwärts.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Januar 2020 um 20:00 Uhr.

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