Ex-Hollywood-Produzent Weinstein (Archivbild von Februar 2018) | Bildquelle: AP

Missbrauchsskandal Weinstein-Affäre erfasst Amazon

Stand: 13.10.2017 09:56 Uhr

Im Skandal um den Hollywood-Produzenten Weinstein gerät nun auch das Amazon-Filmstudio unter Beschuss. Dessen Leiter Price wurde mittlerweile suspendiert. Die Schauspielerin McGowan hatte schwere Vorwürfe erhoben.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

In schwarzem T-Shirt, grauen Jeans und Turnschuhen steht Harvey Weinstein vor dem Haus seiner Tochter in Los Angeles und lässt sich kurz von den anwesenden Paparazzi fotografieren. "Geht es dir gut?" fragt einer. "Nein, mir geht's nicht gut", antwortet der 65-Jährige, "ich brauche Hilfe." Danach macht sich Weinstein auf dem Weg zum Flughafen und fliegt im Privatjet nach Arizona, wo er sich in Behandlung begeben will, heißt es.

Hat es schon einmal einen so rapiden und schnellen Abstieg eines Mächtigen gegeben? Das fragt die "Los Angeles Times". Das "Time Magazin" hat ein Schwarzweiss-Bild von seinem Gesicht auf dem Titelblatt, daneben drei Worte: "Producer, Predator, Pariah", was so viel bedeutet wie "Produzent, Sexualverbrecher, Geächteter".

The New York Times @nytimes
30 women who have accused Harvey Weinstein of sexual assault or harassment https://t.co/HWIjGYbWlL

Ermittlungen werden wieder aufgerollt

Innerhalb weniger Tage ist aus einem der mächtigsten Männer Hollywoods ein Außenseiter geworden. Unzählige Frauen haben von Begegnungen mit ihm berichtet, in denen er ihnen zu nahe kam, sie sexuell belästigte, auch von Vergewaltigung ist die Rede. Inzwischen hat die New Yorker Polizei bekannt gegeben, eine eigentlich bereits abgeschlossene Ermittlung gegen Weinstein aus dem Jahr 2004 erneut aufrollen zu wollen. Britische Medien berichten, dass auch die Londoner Polizei Ermittlungen erwäge.

Vorwürfe gegen Amazon

Auch das Amazon-Filmstudio gerät im Missbrauchsskandal um Hollywood-Mogul Harvey Weinstein unter Beschuss. Das Studio suspendierte seinen Chef Roy Price. Zuvor hatte die US-Schauspielerin Rose McGowan (44, "Death Proof - Todsicher") Amazon-Chef Jeff Bezos auf Twitter öffentlich angegriffen: Sie habe Price "wieder und wieder" gesagt, dass "HW" sie vergewaltigt habe, ohne dass dieser reagiert habe. "Er sagte, das sei nicht bewiesen worden. Ich sagte, ich sei der Beweis", twitterte McGowan an die Adresse von Jeff Bezos, ohne die Initialen "HW" aufzuschlüsseln.

Price selbst wird vorgeworfen, eine Mitarbeiterin der Amazon Studios mit sexuellen Bemerkungen bloßgestellt zu haben. "Roy Price ist ab sofort beurlaubt", sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Für die Projekte, die Amazon derzeit mit Weinsteins Produktionsfirma durchführe, "erörtern wir unsere Möglichkeiten".

rose mcgowan @rosemcgowan
1) @jeffbezos I told the head of your studio that HW raped me. Over & over I said it. He said it hadn’t been proven. I said I was the proof.

Eine immer wieder gestellte Frage in dieser Woche: Wenn es so viele Betroffene gibt - warum melden sie sich jetzt erst zu Wort? Jodi Kantor ist eine der Reporterinnen der "New York Times", die den Skandal recherchierte und veröffentlichte. Gegenüber slate.com sprach sie zu den Beweggründen der Frauen, die sie für ihren Artikel interviewte:

"Sie hatten das Gefühl, dass sich in der Gesellschaft etwas verändert hat, dass man mit solchen Vorwürfen an die Öffentlichkeit gehen kann, ohne dafür in den Dreck gezogen zu werden. Dazu kommt: Der Weinstein von vor zwei Wochen war weniger mächtig als noch vor ein paar Jahren - viele hatten zwar immer noch Angst vor ihm, aber es gab auch das Gefühl, er habe seinen Zenit überschritten."

Wichtig sei ihr vor allem gewesen, dass es neben den Aussagen betroffener Frauen auch anderes belastendes Material gibt - Nachweise über Geld, das möglicherweise geflossen ist oder interne Memos aus der Firma. "Die so genannte Besetzungscouch, die gibt es in Hollywood - hier mal ein Produzent, der einen anzüglichen Spruch macht, da ein Vorgesetzter, der eher nicht aus Versehen Brust oder Hintern begrapscht."

"System Weinstein hat andere Dimension"

Aber das System Weinstein, so die Journalistin, habe völlig andere Dimensionen: "Wir haben nachgewiesen, dass es ihm leicht gemacht wurde. Er hat Frauen in der Regel in Hotelzimmer gelockt unter den Vorzeichen eines Arbeitstreffens. Um ein Drehbuch zu besprechen oder die Strategie für die Oscar-Kampagne, zum Beispiel. Ihre Agentur hat ihr diesen Termin mitgeteilt - alles ganz offiziell. Und wenn er mit ihnen allein war, hat er sie bedrängt."

Die Schauspielerin Rose McGowan | Bildquelle: AP
galerie

Die Schauspielerin Rose McGowan erhebt schwere Vorwürfe gegen Harvey Weinstein und den mitterweile suspendierten Leiter der Amazon Filmstudios, Roy Price.

Am Wochenende kommt die Oscar-Akademie zusammen, um zu besprechen, ob Weinstein ausgeschlossen werden soll. Der britische Filmverband BAFTA hat seine Mitgliedschaft wegen der Vorwürfe bereits ausgesetzt.

Das von Weinstein mitbegründete Filmstudio teilte mit, von den Vorfällen nichts gewusst zu haben.  Die "New York Times" berichtet dagegen, dass der Vorstand bereits seit 2015 Kenntnis davon gehabt habe, dass Weinstein mehreren Frauen Geld gezahlt hatte, um sich ihr Schweigen zu erkaufen.

Aufarbeitung der Weinstein-Affäre geht weiter
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
13.10.2017 08:40 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 13. Oktober 2017 Inforadio um 10:32 Uhr und NDR Info um 12:08 Uhr.

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