Stille Nacht vor der Geburtskirche in Bethlehem. | AFP

Weihnachten in Bethlehem Feierlichkeiten im Zeichen der Hoffnung

Stand: 24.12.2020 16:30 Uhr

Auch in Bethlehem hat die Corona-Pandemie die Weihnachtsfeierlichkeiten getrübt. Die üblichen Touristenströme blieben in diesem Jahr aus. Wer dort ist, bemüht sich um Zuversicht.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Großreinemachen auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche in Bethlehem: Männer in Schutzanzügen versprühten am Morgen Desinfektionsmittel. Die Stadt, in der laut christlicher Überlieferung Jesus Christus geboren wurde, will Weihnachten feiern - so gut das in Zeiten der Corona-Pandemie geht.

Benjamin Hammer ARD-Studio Tel Aviv

Die Geburtskirche war am Morgen fast menschenleer. Normalerweise würden hier an Heiligabend Pilgerinnen und Pilger stundenlang anstehen, um in die Geburtsgrotte zu gelangen. Zwei Mönche der deutschsprachigen Benediktinerabtei Dormitio sind aus Jerusalem gekommen. Normalerweise laufen sie in der Weihnachtsnacht nach Bethlehem wie die Hirten in der christlichen Überlieferung. Wegen der Pandemie kamen die Benediktinermönche diesmal schon am frühen Morgen.

Wenig Abstand, keine Masken

Einer von ihnen ist Matthias Karl. "Die Pandemie macht das diesjährige Weihnachtsfest wirklich außergewöhnlich", meint der Mönch. "Es fehlen die vielen Pilger, die vielen Gäste aus der ganzen Welt, die sonst extra aus der ganzen Welt hier hinkommen." Gerade in dieser Lage sei die Botschaft von Weihnachten wichtig. "Als Jesus geboren wurde, war hier im Land auch eine sehr, sehr schwierige Situation. Das Volk war enorm unter Druck durch die Besatzung der Römer. Wir sind jetzt durch das Virus unter Druck. Und ich denke der Blick auf die Geburt, Menschwerdung Gottes, die kann uns da Mut machen."

Mut machen sollte auch der traditionelle Umzug palästinensischer Pfadfinderinnen und Pfadfinder am Vormittag. Er wurde nicht abgesagt. Während des Umzuges wurde die Stadt deutlich voller, auch wenn die Touristen fehlen. Die Abstandsregeln wurden von vielen nicht mehr eingehalten. Viele Zuschauer trugen keine Masken. Möglicherweise spielt die Corona-Pandemie in einer Stadt mit großer wirtschaftlicher Not für manche eine untergeordnete Rolle.

"Bei uns stirbt die Hoffnung nie"

Kamal Mukarker ging alleine zur Parade. Seine Kinder wollte er wegen des Coronavirus diesmal nicht mitbringen. Mukarker arbeitet normalerweise als Reiseführer. Seit März kommen keine Touristen mehr nach Bethlehem - eine finanzielle Katastrophe für den palästinensischen Christen, der in Deutschland studiert hat. "Man guckt auf Bethlehem von draußen. Es ist immer noch schön. Was fehlt, das sind die Touristen, die dieser Stadt das Leben geben."

In Weihnachtsstimmung sei er noch nicht, sagt der Palästinenser. Aber das könne ja noch kommen. Jetzt, da die Feierlichkeiten so richtig beginnen. Die Menschen von Bethlehem hätten viele Krisen durchgemacht. Und gerade an Weihnachten gehe von der Stadt auch Hoffnung aus. "Die Hoffnung bleibt. Ich weiß, Ihr habt diesen Spruch: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Bei uns stirbt sie nie."

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, in Bethlehem. | AFP

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, hatte sich ebenfalls mit dem Coronavirus infiziert. Bild: AFP

"Ein sehr trauriges Weihnachtsfest"

Am Nachmittag fuhr der oberste Repräsentant der katholischen Kirche im Heiligen Land von Jerusalem nach Bethlehem. Der Lateinische Patriarch Pierbattista Pizzaballa war bis vor Kurzem in Quarantäne, weil auch er sich mit dem Coronavirus infiziert hatte. "Das ist ein sehr trauriges Weihnachtsfest, weil wir es wegen der Pandemie nicht nach unserer Tradition feiern können, wir also im kleinen Kreis feiern", sagte Pizzaballa. "Wir haben keine Wahl, aber wir werden uns daran erfreuen - trotz der Umstände."

Die Katharinenkirche neben der Geburtskirche ist an Heiligabend normalerweise brechend voll. Diesmal werden nur Geistliche die Mitternachtsmesse feiern. In einem Jahr - das ist die große Hoffnung in Bethlehem - soll die Stadt wieder voller Gäste aus dem Ausland sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Dezember 2020 um 12:44 Uhr.