Eine Dudelsackgruppe spielt am Manger-Platz in Bethlehem | Bildquelle: REUTERS

Weihnachten in Bethlehem Nahost-Konflikt macht Weihnachten keine Pause

Stand: 24.12.2019 19:12 Uhr

Tausende Pilger sind zu den Weihnachtsfeierlichkeiten nach Bethlehem gekommen. In den Straßen der Stadt herrscht Volksfeststimmung, doch der Nahost-Konflikt ist auch an Weihnachten deutlich zu spüren.

Von Julio Segador, ARD-Studio Tel Aviv, zzt. Bethlehem

"Jingle Bells" - gespielt mit Dudelsäcken und Trommeln. Mehr als 3000 Pfadfinder haben den ganzen Tag lang die Altstadt von Bethlehem zur Partymeile gemacht, auf der sich Touristen, Pilger und auch die Einwohner von Bethlehem tummelten.

Tausende säumten die Straßen, als der oberste Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa aus Jerusalem kommend, das Zentrum der biblischen Stadt erreichte. Es ist die palästinensische Art, den Kirchenmann aus Jerusalem willkommen zu heißen. Und es hatte nicht den Anschein, dass der ohrenbetäubende Lärm ihm etwas ausmachen würde.

In der Nacht wird Pizzaballa die traditionelle Mitternachtsmesse zelebrieren. Es ist der Höhepunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten in Bethlehem, wo der Überlieferung nach Jesus vor etwa 2000 Jahren geboren wurde.

Pierbattista Pizzaballa, Patriarch von Jerusalem, begrüßt Gläubige an der Geburtskirche. | Bildquelle: AFP
galerie

Am Tag wurde auf den Straßen gefeiert - in der Nacht wird Pizzaballa die traditionelle Mitternachtsmesse zelebrieren.

Langes Warten für den einen bewegenden Moment

Die Stadt zieht viele Pilger in ihren Bann, vor allem wenn sie in die Geburtsgrotte unterhalb der Geburtskirche steigen. Monika von Möllendorf aus Berlin ist zum ersten Mal in Bethlehem und spürbar bewegt. "Das kann ich nicht in Worten ausdrücken", sagt sie. "Das ist in mir drin. Da weine ich."

Auch Andreas Jahn ist beeindruckt. Allerdings weiß er, dass es für viele arabische Christen auch an Weihnachten aufgrund der Diaspora keine einfache Situation ist. "Ich bin gespalten. Es ist natürlich ein großes christliches Fest, aber nur ein Teil der Bevölkerung ist ja christlich, vielleicht 20, 25 Prozent. Bislang sieht es friedlich aus hier, wir machen uns da keine Sorgen. Wir genießen es heute. Aber es ist für uns eben wichtig, den Glauben zu bestärken."

Immerhin, die beiden Berliner haben es geschafft. Sie konnten zur Geburtsgrotte. Anderen Pilgern wird heute einiges abverlangt. Die Besucherschlangen sind mehr als 100 Meter lang. Da ist viel Geduld nötig, und das lange Warten stellt die Kondition auch geübter Pilger hart auf die Probe.

Viele Christen aus Gaza dürfen nicht kommen

Die Bewohner von Bethlehem, meist Palästinenser, erleben den Tag dagegen weniger besinnlich. Für sie ist es mehr wie ein Volksfest. Die Familien haben sich herausgeputzt und beobachten das bunte Treiben in den engen Straßen der Altstadt. Viele Kinder sind dabei angezogen wie Weihnachtsmänner. Bei Temperaturen von knapp 20 Grad ist das eine schweißtreibende Angelegenheit.

Die hätten gerne auch viele Christen aus Gaza und anderen palästinensischen Gebieten im besetzten Westjordanland erlebt. Doch nur wenigen wurde von den Israelis die Ausreise gestattet. Knapp 1000 Ausreisegenehmigungen hatte der katholische Pfarrer aus Gaza laut Agenturangaben eingereicht, bis zuletzt wurden davon nur rund 300 genehmigt.

Übergang nach Bethlehem | Bildquelle: <Tim Aßmann>
galerie

Wer von Israel in das palästinensische Autonomiegebiet möchte, wo Bethlehem liegt, muss einen Grenzübergang passieren.

"Israel nutzt das Christenthema"

Anton Salman, der Bürgermeister von Bethlehem, zeigt sich gegenüber der ARD enttäuscht. "Die israelische Seite spricht immer davon, dass sie sich um die Christen kümmern. Aber im Großen und Ganzen ist das nicht so", klagt er. "Sie nutzen das Christenthema, um gegen die Palästinenser Propaganda zu machen und um Dinge anzukündigen, die nicht wahr sind."

Der Nahost-Konflikt, das schwierige Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern - es macht auch an Weihnachten keine Ausnahme.

Über dieses Thema berichtete BR Aktuell am 24. Dezember 2019 um 17:00 Uhr.

Darstellung: