Otto Warmbier Nordkorea | Bildquelle: REUTERS

Nach Gipfel in Hanoi Empörung über Trumps Warmbier-Aussage

Stand: 01.03.2019 11:59 Uhr

Der Tod des US-Studenten Warmbier nach seiner Haft in Nordkorea hat im Jahr 2017 die Menschen in den USA bewegt. Nun verteidigte ausgerechnet Präsident Trump Nordkoreas Staatschef Kim in dem Fall - und sorgte für Empörung.

US-Präsident Donald Trump hat mit seiner Verteidigung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un im Fall des US-Studenten Otto Warmbier Empörung ausgelöst. Warmbier war 2017 nach knapp eineinhalb Jahren Haft in Nordkorea schwer gezeichnet in die USA zurückgekehrt und bald darauf gestorben.

Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Abgeordnetenhaus, der Demokrat Adam Schiff, nannte die Äußerungen des republikanischen Präsidenten "abscheulich". Der republikanische Senator Rob Portman - der seit dem Geschehen rund um Warmbier mit der Familie in Kontakt steht - sagte: "Wir sollten Nordkorea niemals damit davonkommen lassen, was sie ihm angetan haben."

Otto Warmbier bittet im Frühjahr 2016 auf einer Pressekonferenz in Nordkorea unter Tränen um Verzeihung und Gnade. | Bildquelle: AFP
galerie

Otto Warmbier bittet im Frühjahr 2016 auf einer Pressekonferenz in Nordkorea unter Tränen um Verzeihung und Gnade.

"Großes Land, viele Leute"

Trump hatte nach seinem Gipfel mit Kim in Hanoi gesagt, er gehe davon aus, dass der nordkoreanische Machthaber nichts von der Inhaftierung Warmbiers in dem Land gewusst habe.

"Er sagt mir, dass er nichts davon wusste, und ich werde ihn beim Wort nehmen", sagte Trump über Kim. "Was geschehen ist, ist furchtbar. Ich glaube wirklich, dass ihm (Warmbier) etwas Furchtbares geschehen ist, und ich glaube wirklich nicht, dass die oberste Führung davon etwas wusste." Trump deutete an, dass Kim nicht über alle Gefangenen in seinem Land Bescheid wissen könne. "Großes Land, viele Leute. Und in diesen Gefängnissen und diesen Lagern hat man viele Leute."

Trump hatte in der Vergangenheit bereits öfters Aussagen von Autokraten mehr Glauben geschenkt, als seinen eigenen Geheimdiensten - etwa der saudischen Königsfamilie im Zusammenhang mit der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi oder dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bei dessen Beteuerung, sich nicht in die US-Wahl 2016 eingemischt zu haben.

Gipfeltreffen von Trump und kIm in Hanoi | Bildquelle: AFP
galerie

Gipfeltreffen von Trump und Kim in Hanoi: Trumps Verteidigung des nordkoreanischen Staatschefs im Fall Warmbier sorgt für Empörung.

Kritik von Ex-UN-Botschafterin Haley

Auch Trumps frühere Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, schlug sich auf die Seite von Warmbiers Hinterbliebenen, die davon ausgehen, dass ihr Sohn in Nordkorea gefoltert wurde. "Die Amerikaner wissen von der Grausamkeit, die Otto Warmbier durch das nordkoreanische Regime erfahren hat. Unsere Herzen sind bei der Familie Warmbier, ihrer Stärke und ihrem Mut. Wir werden Otto niemals vergessen."

Der demokratische US-Senator Mark Warner schrieb auf Twitter: "Die Diktatoren der Welt haben die Botschaft bekommen: Du kannst mit allem davonkommen, solange du danach Donald Trump belügst." Warners Partei- und Senatskollege Tim Kaine äußerte sich ähnlich.

"Irgendwas ist falsch mit Putin, Kim Jong Un - aus meiner Sicht sind das Schurken - denen der Präsident Glauben schenkt", kritisierte hingegen die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi.

Trauerfeier für Otto Warmbier | Bildquelle: AFP
galerie

Mehrere Tausend Menschen haben im US-Bundesstaat Ohio an der Trauerfeier für den nach seiner Freilassung aus nordkoreanischer Haft verstorbenen Studenten Otto Warmbier teilgenommen. Die Feier fand in der früheren Schule Warmbiers statt.

Haft wegen gestohlenem Propagandaposter?

Der Fall Warmbier hatte viele Menschen in den USA bewegt. Warmbier war wegen des angeblichen Diebstahls eines Propagandaposters in einem Hotel in Nordkorea 17 Monate lang inhaftiert worden. Im Januar vergangenen Jahres machte Trump noch "die Diktatur" in Nordkorea für die Inhaftierung verantwortlich.

Ein US-Bundesgericht entschied im vergangenen Dezember, dass Nordkorea für die Folter und den Tod Warmbiers verantwortlich gewesen sei. Das Gericht verurteilte die Regierung in Pjöngjang zur Zahlung von mehr als 500 Millionen Dollar an Warmbiers Familie. Vollstreckt werden kann das Urteil allerdings nicht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. März 2019 um 19:00 Uhr.

Darstellung: