Ein Wal der Familie Südkaper im Meer vor El Doradillo Beach in Argentinien | Bildquelle: dpa

Japan scheitert Mehr Schutz und weniger Jagd

Stand: 14.09.2018 15:49 Uhr

Wale dürfen weiter nicht zu kommerziellen Zwecken getötet werden. Das entschied die Walfangkommission. Japan hatte für eine Neuregelung geworben. Der Schutz der Meeressäuger soll verstärkt werden.

Von Matthias Ebert, ARD-Studio Rio de Janeiro, zzt. Florianopolis

Der Vertreter der Solomon-Inseln ist sauer über den Verlauf der Debatte - ebenso wie Politiker der weiteren unabhängigen Eilande St. Lucia, St. Vincent und St. Kitts. Es sind die entscheidenden Minuten, in denen es um den Vorschlag Japans geht, kommerziellen Walfang zum ersten Mal seit 1986 wieder zu ermöglichen. Viele Inselstaaten der Südsee und Karibik treten auf der Konferenz der Walfangkommission (IWC) im brasilianischen Florianopolis als Verbündete Japans auf - neben den traditionellen Walfang-Nationen Island und Norwegen.

Mitglieder des japanischen Komitees bei der Tagung der Internationalen Walfangkommission | Bildquelle: ROBERTO SCOLA/EPA-EFE/REX/Shutte
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Mitglieder des japanischen Komitees bei der Tagung der Internationalen Walfangkommission.

Hinter den Delegationen sitzen die Beobachter der Umweltorganisationen, darunter Thilo Maack von Greenpeace. Er nimmt seit 18 Jahren an den Konferenzen der Walkommission teil und vergleicht den Block der Unterstützer Japans mit dem System des Fußball-Weltverbands FIFA: "Letztlich wird die Zahlung von Entwicklungshilfe daran geknüpft, dass Entwicklungsländer der internationalen Walfangkommission beitreten und hier in der Sache Japans abstimmen. Da geht es um Karibik- und Südsee-Inseln, die nie Walfang betrieben haben", sagt er.

#kurzerklärt Walfangverbot

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Abstimmungsergebnis: 41 zu 27

Japan und seine Unterstützer gerieten im Verlauf der Debatte immer mehr ins Hintertreffen. Am Ende war die Zahl der Gegner größer als die der Befürworter. Eine Rückkehr zur Situation vor dem Walfang-Memorandum von 1986? Lieber nicht. Damals erregte die dezimierte Anzahl an Walen durch die Jagd in den Weltmeeren international für Besorgnis.

Der Aufruhr seinerzeit sorgte dafür, dass Wale seitdem nur noch im Rahmen der indigenen Jagd oder für wissenschaftliche Zwecke erlegt werden dürfen. Diese Errungenschaft wollten vor allem Länder Lateinamerikas und der Europäischen Union nicht rückgängig machen. Sie stimmten gegen Japans Vorschlag. Insgesamt konnten sich die Walschutznationen mit 41 Stimmen gegenüber 27 der Walfang-Befürwortern durchsetzen.

Kommission soll neu ausgerichtet werden

Im brasilianischen Florianopolis wurde jedoch noch mehr erreicht: Die 89 Konferenz-Staaten nehmen eine Resolution mit großer Mehrheit an, die eine Neuausrichtung der gesamten Walkommission vorsieht. Sie soll in Zukunft einen Wandel erfahren - weg von der reinen Jagdkontrolle, hin zum systematischen Schutz der größten Meeressäugetiere. Denn die sind bedroht durch herumtreibende Fischernetze, Lärm in den Ozeanen und immer mehr Plastikmüll. Das Ziel: Die Walbestände sollen sich auf den Status der Zeit vorindustrieller Bejagung erholen können.

Japan hatte sich dieser Resolution erfolglos widersetzt. Die japanische Delegation kritisierte die Konferenz als "eine intolerante Organisation, die keine Meinungsverschiedenheiten respektiert". Umweltverbände kritisierten Japan, das Land würde mit seinem wissenschaftlichen Walfang-Programm in Wahrheit kommerziellen Walfang betreiben. Walfleisch gilt bei einigen Japanern und Touristen als Delikatesse.

Ein harpunierter Wal wird im Atlantischen Ozean an Bord des japanischen Walfangschiffes "Yushin Maru" gezogen. | Bildquelle: dpa
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Ein harpunierter Wal wird im Atlantischen Ozean an Bord des japanischen Walfangschiffes "Yushin Maru" gezogen.

Brasilien nutzt Wale für Tourismuszwecke

Ganz anders geht Gastgeber Brasilien mit den Riesensäugern um, die bis zu 33 Meter lang und 200 Tonnen schwer werden können. Umwelt-Staatsekretär José Pedro Oliveira sprach von einem großen Schaden für das ökologische Gleichgewicht, den die Waljagd anrichte. "Gerade in Zeiten des Klimawandels und der gesunkenen Anzahl der Wale in den Weltmeeren sollten wir den Schutz der Wale auf unsere Fahnen schreiben", forderte er.

Was das bedeutet, kann an der Küste des Tagungsorts in Florianopolis bestaunt werden: Die Wale tummeln sich mit ihrem Nachwuchs in den Buchten und kommen nah an die Küste heran. Wal-Tourismus ist für Brasilien zum wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden, sagt Nicolas Entrup von der Meeresschutz-Organisation OceanCare. "Statt der archaischen Jagd auf Wale soll die friedliche und rein touristische Nutzung dieser Tiere im Mittelpunkt stehen."

Derzeit kreuzen mehr als 300 Wale in den Gewässern Südbrasiliens. Ein spektakuläres Schauspiel, dem sich wohl auch die japanische Delegation nicht entziehen konnte.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. September 2018 um 14:52 Uhr.

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